Makulatur

Die Pest I

Verfasst von metepsilonema am 14. Juli, 2008

Noch während des Lesens, aber trotzdem.

Es bleibt etwas wie Verantwortung, aber die Frage nach dem was man Schuld nennt, hat sich aufgelöst. Und dennoch, oder gerade deswegen, trifft man immer wieder auf eine positive Färbung des Kampfes, des Aufbegehrens, trotz der Vorläufigkeit allen Tuns, das die Handelnden und der Leser zu erkennen meinen:

Denn man läßt in diesem Fall vermuten, daß diese guten Taten nur deshalb so viel Wert haben, weil sie selten vorkommen, und daß Bosheit und Gleichgültigkeit bedeutend häufiger die Beweggründe der menschlichen Handlungen sind. [..] Das Böse in der Welt rührt fast immer von der Unwissenheit her, und der gute Wille kann so viel Schaden anrichten wie die Bosheit, wenn er nicht aufgeklärt ist. Die Menschen sind eher gut als böse, und in Wahrheit dreht es sich gar nicht um diese Frage. Aber sie sind mehr oder weniger unwissend, und das nennt man dann Tugend oder Laster. Das trostloseste Laster ist die Unwissenheit, die alles zu wissen glaubt und sich deshalb das Recht anmaßt zu töten. Die Seele des Mörders ist blind, und es gibt keine wahre Güte noch Liebe ohne die größtmögliche Hellsichtigkeit. *

Und ein paar Seiten weiter, Tarrou im Gespräch mit dem Arzt Rieux:

“Eben habe ich Paneloux aufgefordert, sich uns anzuschließen.”
“Und?” fragte der Arzt.
“Er hat überlegt und dann ja gesagt.”
“Das freut mich”, sagte Rieux. “Ich bin froh, daß er besser ist als seine Predigt.”
“Alle Leute sind so”, antwortete Tarrou lächelnd und zwinckerte Rieux zu, “sie müssen nur die Gelegenheit dazu haben.” **

* * *

* Albert Camus, “Die Pest”, Deutsche Übersetzung, 1962, Seite 78
** Ebenda, Seite 90

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