Der grüne »Geist«. Zur vergangenen Nationalratswahl und der Kritik einer Partei.

Auf dem Weg zur Arbeit erhält ein Bekannter auf eine flapsige Bemerkung hin von einem Kollegen die Antwort, dass er in ein Genderseminar gehöre; die Bemerkung ist ernst gemeint und kommt von einem intelligenten Menschen. Einige Zeit später spricht der Bundespräsident der Republik Österreich, Alexander van der Bellen, vor Schülern zum Thema „Kopftuch“: Der Bundespräsident legt das Problem nicht etwa analytisch vor den Schülern dar, er moralisiert und vermeidet gerade diejenigen, die Urteil, Gründe und Begründung vielfach suchen, darin zu unterstützen und betrügt sie damit um die Komplexität und die mit dieser Thematik zusammenhängenden Fragen. Beide Haltungen haben mit den Grünen zu tun, einmal gehört sie zu einem ihrer Wähler, einmal zu einem ihrer bekanntesten Exponenten.

Weiter auf Begleitschreiben.

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Das Schöne entwaffnet,…

…das Geile nötigt.

Spazieren und sehen

Als ob die Welt sich selbst, auf eine andere hin, überschritten hätte: Das fahle, gelb-orange Licht des hereinbrechenden Abends hatte sich dergestalt über die Dinge gelegt, dass sie mir als ein Anderes, als ein Näheres erschienen, als sie es sonst taten; die Gegenstände meines Wohnzimmers übten ein sanfte Anziehung aus, der ich nur selten gewahr wurde, eine Anziehung, die sie hervortreten ließ, deutlich, aber nicht übermächtig, so dass man ihnen hätte verfallen müssen: Dies war keineswegs auf einige der Einrichtungsstücke beschränkt, es lag nicht in deren Geschichtlichkeit oder deren Besonderheiten begründet, es waren unterschiedslos und gleichermaßen alle Dinge von den Veränderungen betroffen, man könnte auch sagen, dass die Gewichtung, die im Normalfall in meinem Inneren lag, nach außen hin verschoben worden war, nicht das Subjekt, also ich, sah in die Welt hinaus, sondern die Welt blickte, auch wenn es aberwitzig klingen mag, zu mir herein, auf eine Weise, die eine Ausgeglichenheit erzeugte und keine Wünsche offen ließ, außer eben jenem, hinauszugehen, mitten unter die Dinge und in die Natur hinein. Weiter auf Begleitschreiben.

Sprechen als Anvertrauen

Das Sprechen, das des Kindes vor allem, zeugt von einem Urvertrauen in seine Umgebung, daran, dass es etwas von sich preisgeben, etwas hervorbringen will und daran, dass dies auch erwünscht ist: Sein Sprechen ist ein Anvertrauen, sein Gesprochenes als Anvertrautes zu verstehen.

Hochsommer

Es ist ein eigenartiger Friede, den der Hochsommer dem Land auferlegt: Die Raserei verebbt, wie die Emsigkeit und die Lebendigkeit der Natur, eine unzeitgemäße Einkehr, möchte man meinen: In der Hitze verdorrt die letztere, gleichsam ihr erstes Sterben und in derselben Hitze sinken wir ermattet zu Boden und begreifen die Verwandtschaft zu unserem täglichen Tun nicht: Wir wünschen uns bloß ein Ende der Hitze und der Schwüle, um endlich wieder etwas Vernünftiges tun zu können, und meinen damit bloß das, was wir sonst auch tun, wir hoffen also irgendetwas tun zu können. Ein Wunsch nach der Fortsetzung des Irrsinns, keine Einkehr und vielleicht ist es mein Irrtum an so etwas überhaupt zu denken. — Also finden, in diesem drückenden Schweigen, noch einmal Sterben und Schönheit zusammen, ohne einander aufzuheben, das Wesentliche ist beisammen, in der Natur wenigstens: Aber sind wir ihr nicht längst entlaufen? Haben wir uns nicht eine künstliche an ihrer statt erschaffen? Und trotzdem: In Mitten dieses Widerspruchs streckt sich mein Jubel, mein Lebenssinn empor: Das Widersprüchliche als der große Nährer, und wieder ich denke mir: Ist das so? Die Spontanität meines Jubels, spricht dagegen: Das Leiden am Sein, wie eine letzte menschliche Regung, im gewaltsamen Verschränken der Dinge, im Zusammenzwingen der Sinne, ein Verschmelzen, ein Verschieben, Delirium und Trance: In dieser Hitze liegt mehr Lebendigkeit, als in unserem sonstigen Tun! — Ein schalkhaftes Lachen, eine Fröhlichkeit, die im Nichtverstehen der anderen, das ich ihnen frohen Muts unterstelle, seinen Raum gewinnt.

Sich verwurzeln.

Aber wo denn noch?

Leben und Inszenierung

Man unterhält sich über das inszenierte, als wäre es das eigentliche, das eigene Leben, als gäbe es keinen Unterschied zwischen dem was ist und dem das nur so tut als ob und ich sitze als Chronist, als was auch immer, mitten drinnen: Manchmal sind die Gespräche über die Arbeit, den Job, also das, von dem man sagt: Jetzt sind wir schon wieder dort, wir sprechen schon wieder von der Arbeit, reden wir doch über etwas anderes!, ehrlicher. Ehrlich darin, dass sie sich auf das Peinigende, das handfest Erlebte, beziehen, dem man in der geselligen Runde gerne die Präsenz verweigern möchte, auf das man ohnehin jederzeit und sofort zu sprechen kommen kann.

Es gibt ein Drittes.

Immer.

Eine Bemerkung zur Unfreiheit des Künstlers

Unfrei ist der Künstler in jenen Augenblicken, in denen ihn etwas derart bedrängt, dass er ihm habhaft werden muss; Eile ist geboten, weil das, was sich zeigt, ihm sofort wieder entgleitet: Frei wird oder ist er erst danach.

Von der Verstrickung in die Zeichen

Das Vorbewusste, das geteilte Unbewusste, das Unausgesprochene, das ist der Geist, der über den Wassern schwebt: Unauflösbar scheinen die Zeichen mit dem Inhalt, dem ihnen Zugewiesenen, immer schon verbunden gewesen zu sein. Keine Verbindung, die auf Gewohnheit, Bewusstheit oder Lernen ruht, sondern auf etwas Strukturinhärentes verweist: Die Zeichen wären also nur an der Oberfläche vom Inhalt zu trennen. — Etwas, das vielleicht auch damit zu tun hat, dass wir alle zuerst zeigen, bevor wir sprechen, zeichnen oder schreiben.