Wenn Kunst langweilig wird

Alle Kunst gleicht dem Leben darin, dass sie weder eindeutig, noch beliebig ist.

Der Klarheit unserer Frage, stehen konkurrierende Antworten gegenüber, deren Zahl eins übersteigt, aber endlich bleibt. Leben und Kunst eröffnen Deutungsspielräume, und wir wählen – weder zufällig, noch unbegründet – aus einer bestimmten Zahl von „Füllungsmöglichkeiten“. In genau diesem Sinne ist die Kunst eine Antwort auf das Leben, oder besser, sein Spiegel. Letztlich müssen wir uns für eine Antwort entscheiden, aber niemals passt nur eine, und niemals alle.

Langweile kommt auf, wenn die Kunst ihre Nähe zum Leben verliert, ihre Mehrdeutigkeit zu Gunsten eines der beiden Extreme aufgibt, und im selben Moment aufhört Kunst zu sein. Was wäre ein eindeutiges Leben? Was ein beliebiges? Der Mensch verlöre seine Frage, und seine Suche nach Sinn. Wo die Lösung „eine“, oder „alle“ heißt, verliert sich das Leben und wird seiner selbst überdrüssig.

Die wiederholte Erfahrung von Kunstwerken fördert neue Deutungen ans Licht. Fügen sie sich widerspruchslos in das Werk, erkennt der Betrachter das, als die Gewissheit, etwas von dem Kunstwerk verstanden zu haben. Die beschränkte Interpretierbarkeit erhält die Spannung zwischen der Möglichkeit mehrerer Deutungen und der Unentscheidbarkeit, welche von ihnen die richtige ist.

Beschäftigen wir uns mit Kunst, so gewinnen wir – im günstigsten Fall – eine neue Perspektive, und unsere Fragen ändern sich. Ein Kunstwerk ist das Leben en miniature.

* * *

Angestoßen durch Wolfgang Ullrichs Artikel „Fatale Liebe zum Geheimnis“ (Die Zeit, Nr.10, 2008; online leider nicht verfügbar). Er unterzieht Künstler („Wenn es keinem Autor gelingt, eine schlüssige Deutung vorzulegen, ist das vielmehr ein Indiz dafür, dass sich das Werk nicht zur Exegese eignet.“) wie Kunsthistoriker (Folglich sollte sich die Kunstwissenschaft nicht länger darum herumdrücken, zwischen Kunst, die sinnvoll zu verhandeln ist, und mystizistischen Positionen zu unterscheiden. Satt alles, was als Kunst auftritt, mit Wohlwollen zu überhäufen oder allem Modernen ängstlich auszuweichen, statt nur zu schwärmen oder zu schweigen, sollte man alles, was in den Kanon des Faches gehören möchte, so nüchtern wie möglich überprüfen.“) einer eingehenden Kritik.

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