Der Staat schleicht durch die Hintertüre.

Angeblich brauchen wir Bürger einen Schubs, einen „nudge“ staatlicher seits, wenn es um langfristigeres Entscheiden geht. Damit wir wissen was für uns gut ist.

Vorallem, wenn es darum geht Gesundheit und Genuss abzuwägen, denn hier treffen wir allzu oft falsche Entscheidungen. Gegen die Gesundheit. Wie könnte man in einer Gesellschaft in der Gesundheit fast alles gilt, auch annehmen, dass sich ein Bürger gegen seine Gesundheit entscheidet?

Kurzgefasst, ist die Idee folgende: Der Staat müsse die Marschrichtung vorgeben, und uns die Entscheidungen abnehmen, bei denen wir kurzfristige Vorteile […] über langfristige Gewinne […] stellen. Ergo: Man meint zu wissen was für mich gut sein wird, und anstatt es mir kund zu tun, versetzt man mir einen sanften Tritt in eine Richtung, von der man hofft, dass ich sie nicht bemerke; man gratuliert mir zu meiner Entscheidung, und sich selbst für die ach so verantwortungsbewussten Bürger. Mit ihnen kann man einen Staat machen: Am besten wir schaffen Wahlen auch gleich ab, denn nach dieser Logik müsste uns der Staat hier erst recht in Schwung versetzen. Oder habe ich etwas falsch verstanden?

Da ist mir die überkommene Methodik dann doch lieber: Man weiß zumindest woran man ist, und erzählt mir nichts über vorausgesetzte Zustimmung.

Dieser paternalistische Liberalismus lässt erschaudern. Wenn das Beispiel „Schokolade“ ernst gemeint ist, dann steht den Briten vielleicht bald einiges ins Haus – David Cameron jedenfalls scheint das Buch zu mögen.

Aber es besteht Hoffnung, dass Politiker hierzulande weniger lesen.

* * *

Anmerkung: Bezugnehmend auf die Buchbesprechung von John F. Jungclaussen (Richard H. Thales, Cass R. Sunstein: „Nudge“, Yale, 2008.) in der vorletzten Ausgabe (Nr. 40) der Zeit.

Zitate sind kursiv gesetzt.

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