Rosenkranz und die Medien

Genauigkeit, Unaufgeregtheit, Neutralität, Sachlichkeit, Wahrheitspflicht. Das wären einige journalistische Tugenden. Daran sollte sich der öffentliche Diskurs orientieren – und an anderem mehr.

In der Realität wird das mitunter anders aussehen. Aber ich will die Realität nicht als Ausrede benutzen, sondern einmal von den Idealen her auf das Reale blicken, und fragen, ob durch einen allzu gutmeinenden Umgang nicht Nuancen verloren gehen, die von Bedeutung sein könnten.

Muss man, wenn es um die Sache geht, nicht mit Vorsicht ans Werk gehen? Oder spielt man dann mitunter jemandem in die Hände, dem man nicht will? Oder ist es nicht umgekehrt der Fall? Und hat das Bedeutung?

Ich möchte dazu zwei Punkte aus der aktuellen Diskussion um Rosenkranz‘ Kandidatur zum Amt des Bundespräsidenten anführen:

1. Am dritten März titelt der Onlinestandard „Rosenkranz für Aufhebung des NS-Verbotsgesetzes“. Natürlich geht das. Aber es geht ihr – das ist, denke ich, aus ihren Aussagen und Interviews* erkennbar – „nur“ um den im Jahr 1992 eingeführten Paragraphen 3h (Leugnung, Verharmlosung, Gutheißung und Rechtfertigung des nationalsozialistischen Völkermordes oder anderer nationalsozialistischer Verbrechen gegen die Menschlichkeit; Quelle bzw. der Gesetzestext).

2. An verschiedenen Stellen (z.B. Ö1, und auch in dem oben verlinkten Artikel) wurde Rosenkranz‘ Aussage bezüglich der Existenz von Gaskammern (Ich habe das Wissen, dass ein Österreicher, der zwischen 1964 und 1976 in österreichischen Schulen war – das ist also mein Wissen von der Geschichte, und daran habe ich überhaupt keine Änderung vorzunehmen.) interpretiert. Sie wurde als ausweichend bezeichnet, ja sogar als rechtsextremer Code gedeutet. Etwas später stieß ich auf diese kurze Meldung in der Presse.

Ist das an der Grenze zur Schludrigkeit? Bin ich zu empfindlich, weil hier möglicher Weise jemand versucht für „seine Gesinnungsfreunde Straffreiheit zu erwirken“? Jedenfalls würden mich andere Ansichten dazu interessieren.

*Interviews mit Rosenkranz: Das vor dem Standardartikel gegebene Interview in Ö1. Kurz darauf in der ZiB2 (Interviewbeginn ab min 2:33). Und ein Interview mit der Presse.

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