In Garten und Park

Endlich Sonne. Die Luft roch grün, und über meinem Kopf schoben die Kastanien ihre Finger zu einem vielschichtigen Dach zusammen. Ich aber sah nur den Kies, der zwischen den kugelförmigen Büschen, und den Rasenflächen hervor leuchtete, und wollte vorbei an den Menschen, ans hintere Ende, zu der gemauerten Ruine mit dem Tümpel, und dem kleinen Brunnen; ich eilte über die Wege, und beachtete nichts.

In der Sonne saß ein Mann, und auf einem der behauenen Blöcke, stand eine Frau und sprach. Ich lies mich auf den kühlen, marmornen Stufen nieder, wo der Geist den Körper verlassen kann, und sich über die Welt erhebt, und ihr eingedenk, seine eigene schafft. Mal saß ich, mal lag ich, immer angeschmiegt an den Stein, und die Kinder, die über die Stufen tollten, wussten, was hier galt: Nur Sinnlichkeit, und Spiel.
Unter Gleichgesinnten, und solchen, die nur kurz hielten, weil sie nicht verstanden, blieb ich lange allein. Die Sonne gewann an Kraft, so sehr, dass ich langsam die Augen schloss, und mich ganz dem aufkommenden Wind, und dem Plätschern des Brunnens hin gab. Einige Tropfen flogen herüber, nicht mehr als ein Stäubchen, und ich dankte, und wusste mich mit ihm verbunden.
In einiger Entfernung, zog ein Häuflein vergnügter Menschen vorbei, und wieder war es der Wind, der ihr Singen herüber trug. Aber was war Gesang und Stimme, und was das Werk des Windes? Und ich erhob mich, horchte, wollte meine Augen öffnen, und gehen, aber da war nur mehr sein Säuseln, und das Klatschen des Wassers, das über den Rand der Schale fiel. Ich setzte mich wieder, legte mich hin, die Augen geschlossen, und breitete meine Arme über den Stein.

Der Mann saß jetzt im Schatten, und die Frau war verschwunden. Eine Amsel richtete ihr dunkles, großes Auge auf mich, und kam nahe heran. Wer weiß, wie lange sie es bereits getan, mich beobachtet hatte, während ich still gelegen war? Aber was für eine seltsame Frage: Wie lange sie es bereits tat.
Wie ich, ein dunkles, aber mit Federn gekleidetes, unwirkliches Etwas, das sich abhob, von dem hellen Stein; ein Wunder, dass wir uns bewegten, und uns gegen irgendetwas, vielleicht die Sonne, stemmten; – ich fühlte den Schweiß, der mir aus allen Poren ran.
Die Amsel war immer noch neugierig, und obwohl ihr der dunkle Andere fremd war, sprang sie vor, drehte ihr Köpfchen, schüttelte es, und sah wieder hin. Und noch einmal kam sie näher, fast in die Reichweite meiner Hand, und flog erst auf, als zwei Spaziergänger sie erschreckten.
Der Wind wurde stärker, und trieb den feinen Sand aus den Beeten über die marmornen Fließen: Ein Tanz zu Ehren der Sonne. Ich wollte auch, war aber zu müde, und schüttelte nur die Füße, und zupfte an dem feuchten, verklebten Stoff. Dann kamen wieder die Kinder auf ihren Rollschuhen, und auch sie tanzten, – auch sie zu Ehren der Sonne? Aber alles blieb stumm, und ich fragte nicht.
Eine Dame legte einen Finger über ihre Lippen, und gab ihrem Mann ein Zeichen; dieser kam näher, und auch ich reckte meinen Hals, konnte aber nichts entdecken, denn der Rand des Tümpels hielt es verborgen. Wozu suchen, wonach streben? Ich legte mich wieder hin, und sah den Wolken zu.
Langsam flossen die Schatten über Wasser und Stein. Ich ging ihnen entgegen, hinüber mit ausgebreiteten Armen, und saß lange dort. Wer wollte sich da für etwas oder jemanden entscheiden, wollte zurück, oder irgendwohin anders gehen?

Nur einsam, einsam seinen Weg.

Advertisements

Eine Antwort zu “In Garten und Park

  1. metepsilonema 7. Juni 2010 um 11:26 pm

    Dasselbe Lied wie immer: Noch ein paar Kleinigkeiten korrigiert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: