Romantik und Kitsch

Alle Romantik entspringt dem Gegensatz von Ideal und Welt, dem Bewusstsein ihres Getrenntseins, und der Sehnsucht nach ihrer Versöhnung; der Kitsch hingegen, setzt in selbstbetrügerischer Absicht, Idylle und Welt in eins.

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8 Antworten zu “Romantik und Kitsch

  1. Lyriost 10. Januar 2011 um 1:42 pm

    Dem nüchternen Menschen ist bereits romantische Emphase Kitsch, und dem trunkenen ist die Unterscheidung zwischen Romantik und Kitsch unnötige Geschmäcklerei.

    PS: Ich würde in dem Aphorismus drei Kommas weniger setzen.

    • metepsilonema 10. Januar 2011 um 5:14 pm

      Das kann gut sein, aber wer mag behaupten, sein Leben lang ausschließlich nüchtern oder trunken zu sein? Ist nicht selbst der nüchternste Gedanke von einem Ideal geleitet?

      Meine Kommasetzung ist für jemand der die Regeln beherrscht sicherlich fürchterlich; ich versuche mich an „Intuition“ und Rhythmus zu halten – stört das sehr?

      • Lyriost 12. Januar 2011 um 12:29 pm

        Der nüchternste Gedanke idealgeleitet? Ja, das ist durchaus richtig, denn auch hinter der illusionsarmen Weltsicht steckt ein Ideal, das Ideal der Nüchternheit. Diese Ideal hat jedoch den Vorteil, weder romantisch noch kitschig zu sein. Ein solch schlankes Ideal hat etwas für sich, finde ich.

        Aber ja, solcherart Zeichensetzung stört mich, nicht etwa weil sie mein Regelbewußtsein verletzt, sondern weil sie den Lesefluß unnötig stört und das Verständnis erschwert. Man vergleiche:

        „Alle Romantik entspringt dem Gegensatz von Ideal und Welt, dem Bewusstsein ihres Getrenntseins und der Sehnsucht nach ihrer Versöhnung; der Kitsch hingegen setzt in selbstbetrügerischer Absicht Idylle und Welt in eins.“

      • metepsilonema 12. Januar 2011 um 3:07 pm

        Natürlich hat es etwas für sich (ich habe ja nichts gegen das Nüchterne, nicht prinzipiell), aber ich verstehe nicht warum ich mich entscheiden soll? Muss man nicht das eine in das andere setzen, es stets mitdenken, um ihm gerecht zu werden? Wenn die Aufklärung gegen die Romantik, das Rationale gegen das Irrationale, das Reale gegen das Phantastische steht, und man jeweils die eine oder die andere Seite streicht, ist das, als ob ich mich selbst und meine Widersprüche verleugne, und ich sehe sie doch lieber lebendig und integriert.

        Würde Dich/Sie das davon abhalten einen Text zu lesen? Ich frage, weil ich mich selbst überwinden muss, Texte zu lesen die keine Großschreibung beachten. Und mir geht es übrigens eher umgekehrt: Längere Sätze wirken sonst strukturlos, ungegliedert (was für das Beispiel aber nicht zutrifft).

  2. Niklas Wut 10. Januar 2011 um 2:59 pm

    Ist durch die Form des Aphorismus nicht impliziert, Idylle und Ideal seien dasselbe? Vielleicht könnte man formulieren: „Der Romantiker sucht in der Welt das Ideal, der Kitschier die Idylle“? (Denn eigentlich entspringt doch die Sehnsucht nach dem Idyll dem scharfen Bewusstsein des Kitschbedürftigen von der Schäbigkeit und Grauenhaftigkeit der Welt und des Seins.)

    • metepsilonema 10. Januar 2011 um 5:42 pm

      Das habe ich mir auch schon überlegt (sollte heißen: darüber habe ich auch schon nachgedacht): Idylle steht hier als Spezialfall, denn grundsätzlich kann ja alles zu einem Ideal werden, aber den Kitschbedürftigen interessiert nicht jedes.

      Ich würde ähnlich argumentieren wie oben: Wenn ich in mir einen Trieb entdecke, vielleicht eine Sehnsucht nach idyllischen Zuständen, dann ermöglicht mir das, nach weiterer Selbstbeobachtung, ein möglichst scharfes Bewusstsein davon zu gewinnen; genau diese Bedürftigkeit aber, und hier möchte ich widersprechen, sieht der Kitschbedürftige nicht, auch wenn er ein unbewusstes Verständnis von der Schäbigkeit der Welt besitzen mag, sondern er findet seine Vorstellungen und seine Sehnsucht (die heile Welt) im Vorhanden wieder, ohne es zu bemerken.

    • Lara 6. Februar 2011 um 1:25 am

      Ich finde die Unterscheidung von Ideal als Ziel und Idylle als Zustand sehr zutreffend, aber ich würde die Rollenzuschreibung streichen und es bei der gegenständlichen Beschreibung wie im Ausgangsbeitrags belassen. Sicher kann man Kitsch und Romantik personifizieren, aber die Frage ist weswegen man das machen. Jedes Substantiv hat schließlich eine Funktion und kein Mensch ist einfach Romantika.

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