In der Kantine. Und einen Stock tiefer.

[Dazu. Und dazu.]

Knecht und Gehilfe.

– Boss, das war geil. Einfach geil. Ein Lehrstück wie Sie den fertig gemacht haben. Und er hat alles zugegeben.
– Hmm? Ach so, den Pfeifer meinen Sie?
– Ja genau. Den Sängerknaben. Super!
– Was begeistert Sie eigentlich so? (sieht kurz auf die Speisekarte) Linsen mit Speck, bitte.
– Für mich dasselbe. Na, wie Sie mit dem umgesprungen sind, einfach Klasse. Echt!
– Merken Sie sich: Das ist alles eine Frage der Übung. Und der Erfahrung.
– Ja?
– Ja.
– Sie können das auch.
– Ich? Auch?
– Ja.
– Hmm. Jedenfalls, hier ist das Instrument. Ich meine was davon übrig geblieben ist.
– Ja, und was soll ich damit?
– Nun, ich dachte als Andenken, vielleicht, ich meine, verwenden kann man es ja nicht mehr.
– Glauben Sie ich bin sentimental? Ein Andenken? Ja was in aller Welt…!
– Ich dachte…
– Na geben Sie schon her, ich schenke es meiner Tochter.
– Sie haben eine… Tochter?
– Meinen Sie ich sei eine Bestie?
– Nein, ich dachte, ich hätte,… äh in einem Beruf wie diesem?
– Na und? Welcher Diktator hatte nicht Weib und Kind? Und ich bin weit von einem entfernt, ein unbedeutender Knecht und Diener. Sehen Sie, der Ausgleich macht es: Jeder hat zwei Seiten, man muss sie nur getrennt voneinander entwickeln. Insofern haben Sie recht.
– Oh.
– Ah, die Linsen!
– Klasse! (reiben sich beide die Hände)
(kaut gerade) Nach dem Essen besuchen wir den Spieler, ich habe etwas vergessen!
– Wirklich? Großartig!

Bob Macha fühlt ein Knirschen und Splittern in seinen Mund, schläft aber weiter.

– Ah, der Griffler!
– Lass mich bloß in Ruhe!
– Ich muss dir noch ein paar Flausen austreiben. Wenn du mitmachst geht es schneller! (er genießt die Stille einige Momente lang) Du bist ein Künstler, ja? Du Schwein! (Er schlägt einige Male zu, so dass der Kopf des Grifflers gegen die Wand schlägt – selbst der Gehilfe zuckt zusammen.) Du hast das also alles erlebt, ja? Du hältst dich für ein Instrument? Eines das womöglich gespielt wird?
– ICH BIN DEIN GOTT.
– Genau so dachte ich mir das. (schlägt wieder zu) Willst du mal meine Schöpfungsgeschichte hören?
(Röchelt nur mehr)
– Das ist mir zu undeutlich. Weck ihn!
(Der Gehilfe lehrt ihm einen Kübel Wasser über den Kopf. Dann einen zweiten.)
– Ich warte, ist dir das klar?
(spuckt und hustet) Das nutzt dir nichts. Ich… (wird wieder geschlagen, bleibt aber bei Bewusstsein)
– Also?
– Ich leide für dich, daran wirst du nichts… (wieder Schläge: jetzt verliert er das Bewusstsein).
(entmutigt und verausgabt) Er wird schon noch abschwören. Bring ihm was zu essen! Um vier komme ich wieder!

Bob Macha erwacht während er hastig an seinem Kopfpolsterzipfel nagt. Dann spukt er Splitter von Knöpfen und Zähnen; er dreht sich um und schläft weiter.

Es ist vier Uhr. Die Vorigen.

(hält den Kopf des Grifflers mit einer Hand hoch und nimmt ihn in Augenschein) War ich das?
(der Gehilfe nickt stumm)
– Hätte nicht gedacht, dass ich noch so viel … (der Griffler öffnet die Augen) Ah! Guten Morgen! Grüß Gott!
– Na endlich begriffen!
(will zuschlagen, hält sich aber im letzten Moment zurück) Gut, dass du mich erinnerst, ich hätte unsere Unterredung von Mittag fast vergessen. Weißt du was die größte Lüge der Dichter ist?
– WIR LÜGEN NICHT.
– Das Leiden um eines anderen Lebens willen. Verstehst du? Ja? Dann werde ich dich jetzt losmachen (Der Gehilfe erschrickt, traut sich aber doch nichts einzuwenden.)
– WAS? BIST DU VERRÜCKT! DU KANNST DOCH NICHT…!
– Wir können. Siehst du, wir haben noch jede Menge ähnlicher Fälle hier, das wird auf die Dauer anstrengend. Bitte. (deutet zur Tür)
(Der Griffler sieht ihn mit aufgerissenen Augen an) Was sagst du? Noch einer?
– Einer?
– Usurpation! Verrat! (läuft wie vom Teufel besessen und drohend nach allen Richtungen, davon) Ich bin es! Ich!
(Der Knecht sieht den Gehilfen an) Bist du sicher, dass das der Griffler war?

Bob Macha erwacht und sitzt mit einem Ruck aufrecht in seinem Bett. Scheiße!

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