Ein Spiegel, wie ein Spiegel musst du sein.

Bob Macha tat zwei Schritte rückwärts und sah in den verhangenen Himmel. Jetzt durfte er wieder leben, die Wolken und die Erde lieben! Bob stand da und weinte vor Glück; mit einem breiten, siegessicheren Grinsen, über das seine Tränen liefen, trat er wieder an die Kante des Lochs, das er in das Eis geschlagen hatte. Er neigte sich vor und betrachtete noch einmal sein Spiegelbild auf dem Wasser, das der Wind in Kräusel trieb.

Aus einem ganz anderen Grund als vorher, war alles gleich. Bob ließ seine Axt am Rand des Sees zurück, als Symbol eines Irrtums, der ihn in die Verzweiflung getrieben und beinahe um alles gebracht hatte – ein Archäologe mag sie einst finden oder der Rost fressen.

Auf dem Rückweg stieg und sprang Bob genau ihn jene Spuren, die er im tiefen Schnee hinterlassen hatte; warum er es tat, wusste er nicht einmal selbst – ein Triumph des Humors, ein Überschuss an Freude, vielleicht. Und sobald er in die Nähe des kleinen Dorfs kam und den ersten Menschen begegnete, bemerkte er, wie sie sich in ihm selbst, als kleine Abbilder oder Hologramme, zu neuem Leben erhoben. Fürs Erste ließ Bob sie einfach gewähren, ging die Straßen entlang und sah ihnen neugierig zu.

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2 Antworten zu “Ein Spiegel, wie ein Spiegel musst du sein.

  1. Georg 13. Februar 2011 um 8:34 pm

    Lieber Herr metepsilonema,

    ich danke Ihnen im Namen von Bob Macha sehr herzlich für diesen schönen, befreienden, einen würdigen Schlussstrich unter eine Medienkarriere ziehenden Artikel. (Und ich weiß, dass Bob besonderen Wert auf den Hinweis gelegt hätte, dass das Wort „Medienkarriere“ in seinem Fall ohne ein dazwischen geschobenes „-nutte-“ auskommt, ohne an Richtigkeit zu verlieren.)

    Vielleicht haben Sie Recht, und er hat sich, wie so oft, in irgendeine Abgeschiedenheit verzogen, um dort in Ruhe Wein zu trinken und seine Kladden mit Unfug zu füllen; ich wünsche es ihm. Ich wünsche es ihm von Herzen. Er war nicht immer gut zu mir, aber besser als alle anderen, und das rechne ich ihm hoch an.

    Vielleicht ist das, was jetzt in einem Kühlfach auf die Auslöschung wartet, wirklich nur eine leere Hülle, ein merkwürdiger Weise in drei Dimensionen gezerrter Schatten oder ein an Aufmüpfigkeit gestorbenes Spiegelbild – ein Simulakrum, wie ein postmoderner Theoretiker sagen würde. Ich kann’s mir vorstellen. Irgendwo in meinem Kopf höre ich Bob lachen. Er hatte eine skurrile Form von Humor, und das Wahrscheinlichste ist, dass er überhaupt keinen Humor hatte, aber einen Überlebenswillen, der mir jetzt noch Schauder über den Rücken jagt.

    Herr metepsilonema, auch wenn wir uns nicht kennen – und, aller Voraussicht nach, nie kennen lernen werden -, drücke ich Ihnen die Hand wie einem Freund.

    Georg

    PS: Aber was heißt „wie“!

    • metepsilonema 15. Februar 2011 um 12:28 am

      Man tut was man kann. Ich freue mich, auch wenn ich gestehen muss, dass sich mir im selben Moment die Worte verweigern. Ich drücke die Hand (natürlich ohne „wie“)!

      Aber in einem irren Sie sich: Wir haben uns bereits kennengelernt.

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