Ist alle Literatur romantisch? – Ein Gedanke, entnommen aus einer privaten Korrespondenz.

Das Banale zum Weihevollen machen, bedeutet es zu romantisieren, aber muss man das, in einem gewissen Sinn nicht immer, wenn Literatur ein Beispiel sein soll, eine Spannung zwischen Allgemeinem und Speziellen und ist die Notwendigkeit etwas Erfinden zu müssen, nicht ein Eingeständnis, dass Ideale (als Vorstellung) unabdingbar sind?

[Ich habe es etwas modifiziert und verallgemeinert.]

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12 Antworten zu “Ist alle Literatur romantisch? – Ein Gedanke, entnommen aus einer privaten Korrespondenz.

  1. Leroy McSuperaids 24. Februar 2011 um 7:52 pm

    Derjenige der schreibt, befruchtet die Welt mit seinen Gedanken.

  2. susanna 26. Februar 2011 um 11:10 pm

    Wieso : das Banale und wieso : Weihevoll und wieso :romanisieren ?
    Ich würde den Vorgang mit anderen Begriffen beschreiben und damit aus einer ganz anderen Perspektive sehen und empfinden

    • metepsilonema 27. Februar 2011 um 12:42 am

      Ich würde den Vorgang mit anderen Begriffen beschreiben und damit aus einer ganz anderen Perspektive sehen und empfinden

      Ich bitte darum (ums Beschreiben). Aber ich glaube nicht, dass andere Begriffe eine andere Perspektive zwingend voraussetzen (ein Begriff ist ja nur ein Set von Zeichen, dem man theoretisch jede Bedeutung zuweisen kann).

      Banal war natürlich provokant, aber Literatur ist doch nie genau das was ein Autor erlebt hat (das kann wenig sein oder auch mehr, aber irgendwie hat sie immer mit dem Autor zu tun), sondern geformt, bedacht, verändert, usw. – er hat gewisse Vorstellungen, Empfindungen, Ideale in deren Richtung sich der Text entwickelt. Es findet also eine Art Veredelungsprozess statt: Aus irgendwelchen Ereignissen macht die Einbildungs- und Gestaltungskraft eine Erzählung. Und etwas sehr ähnliches taten die Romantiker: Sie hauchten dem gewöhnlichen „eine Seele“ ein und es wurde etwas besonderes daraus, ein Idealbild (Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ ist da vielleicht ein gutes Beispiel).

      Ich freue mich auch sehr über diesen Kommentar!

      • susanna 1. März 2011 um 10:06 pm

        Mir scheinen die Begriffe zu wertend ,allerdings lassen die Erklärung und Ausführung über Veredelung,Beseelung und Idealiserung sie auch wieder stimmiger werden.
        Ich würde sagen : ich lenke meine Aufmerksamkeit auf eine Sache (vielleicht und wahrscheinlich gibt es eine existenzielle Notwendigkeit das zu tun),versuche sie zu beschreiben und im Beschreiben sie zu verstehen und in einem weiteren Schritt sie so allgemein zu fassen ,daß sie auch für andere verstehbar ,nachvollziehbar wird.
        Das wäre ein erster Versuch mich dem Thema „Schreiben“ anzunähern…“Literatur “ wäre eine sehr gelungene und komplexe Beschreibung von Erleben und von Leben.

      • metepsilonema 3. März 2011 um 12:58 am

        Ich glaube Camus schrieb einmal, dass Leben urteilen bedeutet. Ich glaube daran kommen wir nicht vorbei, zumindest in einem persönlichen Sinn (wer möchte denn sagen, dass ihm egal ist, was er tut). Und davon unabhängig oder auch nicht, gibt es zweifellos Texte, die in einem anderen als in bloßem Gebrauchs- oder Nutzsinn geschrieben werden. Man muss das nicht mit Pathos aufladen, das stimmt, das kann man nüchtern feststellen.

        Zum Schreiben: Der Aufmerksamkeit, der existenziellen Notwendigkeit (einem Bedürfnis nach Ausdruck), dem Beschreiben und Verstehen möchte ich zustimmen und auch dem, dass so geschrieben werden soll, dass andere etwas damit anfangen können (im Gegensatz zum rein therapeutischen Schreiben, d.h. wir grenzen eigentlich schon wieder ein) — hinzuziehen möchte ich noch Erfindungskraft, Vorstellungsvermögen und Phantasie, auch die Fähigkeit etwas erzählen zu können.

        Darüber was Literatur ist, kann man sicher trefflich streiten. Zuerst ein bewusster, reflektierter Umgang mit dem Geschriebenen (man schreibt nicht einfach, sondern denkt darüber nach); dann müssen literarische Texte immer gedeutet werden, weil der Autor sie so gestaltet, dass er immer weniger sagt, als er tatsächlich könnte: Die Texte besitzen Stellen, die in ihrer Bedeutung nicht fixiert sind, es liegt am Leser und dessen persönlichem Hintergrund ob und wie er das tut (Literatur verlangt also etwas vom Leser). Daraus ergibt sich, dass weder Autor noch Leser einen Anspruch auf Deutungshoheit eines literarischen Textes besitzen: Die Wahrheit ist die (mögliche) Interpretation (leider ein gestohlener Satz). Und das kann durchaus gegen die ursprüngliche Intention des Autors geschehen und sich mit der Zeit verändern. Und dann würde ich noch sagen, dass in der Literatur eine Spannung zwischen Allgemeinem und Speziellen existiert, sie möchte ein Beispiel geben.

        Beschreibung gefällt mir deshalb nicht, weil sie nahelegt, dass Literatur realistisch sein muss, aber warum sollte man realistische Literatur mögen?

  3. susanna 5. März 2011 um 8:28 pm

    Ja , wie konnte ich Phantasie , Vorstellungskraft und Erfindung als wichtige Attribute von Schreiben vergessen.!
    Aber zum Thema Literatur und Kunst : die Begriffe unterliegen doch dem Wandel von Zeit und Gesellschaft und wurden ,werden , müssen immer wieder neu definiert werden

    • metepsilonema 5. März 2011 um 11:16 pm

      Natürlich muss man immer wieder fragen und nachbohren und dabei auf dem schmalen Grat zwischen Beliebigkeit und Festschreibung bleiben (was mir zugegebenermaßen nicht immer gelingt).

      Definieren, diskutieren, verwerfen, erneut definieren und so fort…

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