Ist Postmoderne…

lieber Phorkyas, nicht zunächst einmal Tatsache und weniger Theorie? Dieser vielstimmige Chor wirbelt uns doch Tag für Tag durcheinander, überfordert, berauscht und verwirrt uns. Überdeutlich ist, dass jeder lügt, der meint irgendetwas überschauen, fassen oder gar abschließend klären zu können: Eine Warte, eine metaphysische Position ist nicht mehr durchzuhalten, die Moderne wurde aufgegeben, weil sie zusammengebrochen ist. Wir starren zwar noch immer auf die Ideale und großen Ideen, aber unsere Finger finden an der schmierigen Wand keinen Halt; wir hören Stimmen, aber keine eigene, originäre mehr: Die Blogs sind der beste Beweis, dass uns das Erzählen nicht mehr gelingt*.

* * *

*Worüber ich mit diesem Herrn schon diskutierte.

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16 Antworten zu “Ist Postmoderne…

  1. Johanna Ohne-Land 14. März 2011 um 11:44 am

    Wir sind nur noch die Funktionäre der Kommentarfunktionen.

  2. Gregor Keuschnig 14. März 2011 um 4:57 pm

    Vielleicht gelingt das Erzählen ja noch, aber nicht mehr das Zuhören, weil wir im Sumpf der Informationen und Pseudo-Informationenen untergehen?

    Was bringt die Einschätzuing, wir lebten in einer Post-Moderne oder Post-Post-Moderne? Zunächst einmal gar nichts. Die Unverbindlichkeit jeglicher Position birgt jedoch Gefahren, denn sie existiert ja nur in der Theorie. In Wahrheit gibt es Letzt-Begründungen und Wahrheiten. Wir nivellieren sie nur, weil wir dies irgendwie für pluralistisch und/oder demokratisch halten.

    Auch wenn der Vergleich ein bisschen geschmacklos wirkt, ich verwende ihn dennoch: Wir steuern auf eine Informationsschmelze zu, die zu nichts mehr führt, außer der notdürftigen Verwaltung des Alltags. Die nächste Epoche wird eine restaurative Phase sein. Man könnte sie gestalten, ihr Eintreffen nebst Konsequenzen abfedern, aber davon sind wir weit entfernt. Daher wird sie uns mit Wucht treffen.

    • phorkyas 14. März 2011 um 6:11 pm

      Also ich finde die Bezeichnung postmodern ja auch sehr fragwürdig (ich glaube, ich habe sie verwendet, weil Frau Schwens-Herrant ihn selbst verwendete – aber so wie ich es begriff, wohl im Sinne eines pluralistischen Diskurses -..)
      Durch die restaurative Phase ist die Philosophie vielleicht auch schon wieder durch. Sloterdijk hab ich auch schon als postmodern bezeichnet gehört. Einmal sind die Postmodernen, dann die, die Wissenschaften infragestellen, (ihnen die Wirklichkeitskonstrution der Geisteswissenschaften gegenüberstellen?); Fundamental-Konstruktivisten, Poststrukturalisten und Dekonstruktivisten?
      Dann sind die Postmodernen eben jene Restauratoren, die der postmodernen(!) Beliebigkeit überdrüssig sind und sich ins Moderne oder irgendeine Art von Restauration flüchten… dann sind es die, die vor der Kernschmelze, der vollkommen Massen- und Konsumgleichschaltung unserer Gehirne so wortreich warnen, als liebäugelten sie noch mit der Dystopie, diesem Stillstand der Geschichte, ihrer Auslöschung…
      Wer nun sind sie?

    • metepsilonema 15. März 2011 um 6:32 pm

      Postmoderne. Eine Verteidigung.

      Ich habe den Begriff nicht definiert, diese Kritik muss ich mir gefallen lassen. Ansonsten bringt die Feststellung, dass wir in der Postmoderne leben soviel oder so wenig wie jeder andere Versuch etwas begrifflich zu fassen. Für mich ist das ein Akt der Reflexion, in dem ich meine (persönliche) Erfahrung mit verallgemeinerten Konzepten zu vergleichen versuche.

      Ich hatte einmal, wie Du weißt, andere Ansichten was die postmodernen Ideen betrifft; heute bin ich mir sicher, dass manche Konzepte vielleicht notwendig waren oder sein können, im Hinblick auf etwas Neues oder Anderes.

      Betrachten wir den vielstimmigen Chor, Beliebigkeit und die Unmöglichkeit von Letztbegründungen einfach als einen Befreiungsschlag gegen unangemessene Festschreibungen, gegen die Ausübung von Macht. Zwei Beispiele: Das erste leihe ich mir von Herbst; er schrieb (ich hoffe meine Erinnerung trügt da nicht) einmal, dass es ein Verdienst der Postmoderne sei, die von Adorno festgeschriebenen Vorstellungen von Kunst überwunden zu haben. Und dann Camus‘ (den nicht zur Postmoderne rechne, der sie aber mit auf den Weg gebracht hat) Angriff auf die Ideen, den ich als die Zurückweisung dessen was der Mensch sein soll (zu sein hat) verstehe. Das kann man m.E. durchaus auch aufklärerisch interpretieren und eine Befreiung tut manchmal gut (jedenfalls nehme ich das persönlich so wahr). Und wie viel Unglück die Umsetzung solcher Ideen verursacht hat, wie viele Tote, brauche ich nicht zu erklären.

      Was würdest Du im Hinblick auf die nächste Epoche tun und wie sieht sie aus? Das musst Du Dich auch fragen lassen. Und was wäre, wenn sie (auch) auf den Entwicklungen der Moderne beruht, das ist doch so, oder?

      —-

      Vielleicht gelingt das Erzählen ja noch, aber nicht mehr das Zuhören, weil wir im Sumpf der Informationen und Pseudo-Informationenen untergehen?

      Vielleicht. Dann hilft nur mehr ein rigoroses Abschotten, das mir zu einem gewissen Grad widerstrebt.

  3. Pingback: Postmoderne « Lafcadios Blog

  4. phorkyas 15. März 2011 um 8:58 pm

    diese Kritik muss ich mir gefallen lassen
    Naja, mir is wegen verschiedener Dinge etwas die Hutschnur geplatzt. Diese Polemik gegen die Postmoderne, die (hehe) musste doch einmal gesagt werden, das war mir schon länger ein Bedürfnis (dein Einwurf war da wohl der nötige Funke – aber es ging wirklich nicht gegen ihn, eher muss ich dir dafür danken).

    Begriffsreflexion fordern wir wohl beide. Was mich stört, ist ja gerad dieses Nebulös-Wabernde, was diesem Begriff oft anhaftet,

    Dass du auch Herbst als einen Referenzpunkt nimmst, ist amüsant, da ich bei deinem letzten Satz „Blogs [seien] der beste Beweis, dass uns das Erzählen nicht mehr gelingt“, gerne dessen Reaktion darauf gelesen hätte. – Das erinnert mich daran, wie sehr ich ihn immer darum beneide, dass er eine Art geschlossener Poetik hat, die ihm das Schreiben erlaubt, das Produktivsein, dann erscheint es mir so, als gelänge es mir nur nicht, weil ich – wie du sagst – keinen Halt, keine Haken und Ösen an der Wand finde, um mich emporzustemmen (der Archimedische Punkt ist überall und damit nirgendwo).

    ______________

    Gerade in der Volltext wurden mir ein paar Brocken von Alexandre Kojève kolpotiert und es ist doch frappierend, dass dieser „Vorläufer der postmodernen Theoretiker“ eine ganz ähnliche Beschreibung wie Herr Keuschnig wählen könnte: „Informationsschmelze[], die zu nichts mehr führt, außer der notdürftigen Verwaltung des Alltags“. Das scheint schon wie aus dessem Munde. (Der Schmelz- oder Nullpunkt der Geschichte, das klingt dann auch schon ziemlich adornoesk, kulturpessimistisch.)

    __________________

    Einen Begriff möchte ich gerne Nutzen. (Oder ist es vielleicht auch eine Metapher/Bild – manchmal kommt mir das so vor, als hätten diejenigen die diesen Begriff verwenden, da schon so ein diffuses Bild vor sich, ein ungefähres Unbehagen -) Wie auch die Metapher. Was erlaubt er, wenn ich dran zieh, als Hebel, als Tastorgan, als einzunehmenden Blickwinkel? – die Multiperspektivität, ist das nicht nur auch eine Perspektive?

    Und es ist diese ganze verkleisterte Selbstbezüglichkeit, die sie nicht los wird die „Postmoderne“.. und weswegen ich sie gern loswerden würde („Sollte es denn möglich sein! Dieser alte Heilige hat in seinem Walde noch nichts davon gehört, dass [die Postmoderne] tot ist.“)

    • metepsilonema 16. März 2011 um 11:59 am

      Antwort kommt noch. Du hattest offensichtlich vergessen ein Tag zu schließen (gleich am Anfang: „gegen ihn“). Passt das jetzt so?

      —–

      Und vielleicht magst Du mir auch erklären was Du anderen Orts mit dem irrelevanten Epsilon meintest?

      • Phorkyas 18. März 2011 um 10:45 am

        (Ja, genau. Danke, so war es gedacht.)
        ____

        Epsilon ist mathematisch meist eine beliebig kleine, positive Größe. (daher auch der Mathematikerwitz: Sei epsilon kleiner null. – oder die „Epsilontik“ wenn man in Beweisen viel damit rumfuchteln muss.) Naja, meinte damit, dass es entsprechend irrelevant war – hab‘ ja nichts zu den Inhalten gesagt, sondern nur auf eine Formulierung geschaut.

        (Jetzt könnte ich mich schon wieder aufregen über diesen platten Populismus: auf einmal müssen die Atomkraftwerke runtergefahren werden und es ist auch kein Problem, wobei es doch jahrelang hieß, die seien unverzichtbar, Grundlast und so — ach.)

      • metepsilonema 18. März 2011 um 11:06 am

        Danke für die (Er)klärung! Bezüglich des Kommentars bitte noch etwas Geduld.

    • metepsilonema 19. März 2011 um 9:58 pm

      Generell sollte ich vielleicht festhalten dass es mir nicht um „die Postmoderne“ als solche geht, sondern mehr, und ich glaube, wir könnten das eigentlich gemeinsam sagen, um „notwendige“ Änderungen; „die Postmoderne“ ist dabei vielleicht nicht mehr als ein Schritt in eine andere Richtung, ein Versuch, der womöglich selbst bald wieder überwunden wird.

      „Informationsschmelze[], die zu nichts mehr führt, außer der notdürftigen Verwaltung des Alltags“

      Hierin sind wir uns ja alle einig. Ich versuche das noch einmal hervorzuheben: Das was die Moderne groß gemacht hat, Wissenschaft, Problemlösung, Kategorisierung, Systematisierung, Streben nach Eindeutigkeit, was zu Abgrenzung und Ausschluss führt, hat uns diese Schmelze beschert.

      Was Herbst in seinem Blog versucht, ist eine Integration von allem (zumindest versucht er selbst Trolle nicht auszuschließen bzw. ihre Kommentare zu löschen) und wonach ich mich bisweilen sehne ist ein Dialog, eine verhandelnde Rede, die einerseits von Subjekten geführt wird, die sich aber nicht im Selbstbezüglichen auflöst und andererseits mehr zusammenführend, als trennend ist, die trotz Gegensätzlichem nicht abreißt. Als ob jeder Fremder und Freund zugleich wäre.

      Es gibt eine tiefe Lebensfreunde, die mich manchmal und in der letzten Zeit häufiger befällt; einmal habe ich erkannt, dass man das Unglück, das in der ausklingenden Moderne steckt, ihren Pessimismus, ihre seltsamen Prinzipien hinweg schleudern und einfach leben muss. Das hat die Postmoderne getan. Dieses Leben ist tatsächlich wunderbar, und bleibt es, darin möchte ich Herbst zustimmen, auch wenn man seine Schattenseiten kennt.

  5. Gregor Keuschnig 16. März 2011 um 12:18 pm

    Es ist immer etwas schwierig, in „laufende“ oder gerade zurückliegende Epochen hinein Aussagen zu treffen. Daher habe ich mit dem Begriff der Postmoderne auch Schwierigkeiten. Metepsilonema zählt Camus nicht dazu, er hätte sie aber „auf den Weg gebracht“. Das lässt auf eine klassische Zeitdefinition der 80er Jahre schließen.

    War bis dahin also „Moderne“? Ist Postmoderne der polyphone Meta-Diskurs, der sich von Visionen und Utopien weitgehend verabschiedet hat und keinerlei Verbindlichkeiten mehr akzeptiert, außer die Unverbindlichkeit selber? Je länger ich darüber nachdenke, um so verlorener bin ich: Ist doch Postmoderne sehr stark an den Begriff der Moderne geknüpft. Wann begann die Moderne? Hier gilt es wohl zu differenzieren: Meinen wir die ökonomische oder die geistesgeschichtliche Moderne? Meinen wir die politische oder die gesellschaftliche Moderne? Die Vorschläge hierzu sind nicht kompatibell. Politisch könnte man die Moderne mit der Französischen Revolution beginnen lassen. Geisteswissenschaftlich mit der Renaissance. Und ökonomisch Mitte des 19. Jahrhunderts (nicht wenige nennen Goethes Tod den Beginn der Moderne in der Literatur; natürlich abgesehen von den Epigonen und den Restaurativen).

    Die gängige Deutung könnte sein, dass die Postmoderne noch anhält, vielleicht um die „Netzmoderne“ ergänzt. Und das führt mich zur Frage, ob es inmitten des Sturms nicht sekundär ist, wer das Bild an Wand gemalt hat.

    Und auch wieder nicht: Dient nicht längst der Begriff der Postmoderne wie eine wohlfeile, selbst-postmoderne Erklärung für alles und jedes? Und hier kommt das, was ich mit Restauration meine, und dies sehe ich durchaus politisch: Die Fragmentierung und Atomisierung der Lebenswirklichkeit dürfte auf Dauer nicht nur die hehren Geister ermüden. Sie sehen sich nach klaren und unprätentiösen Lösungen, die nicht einfach sein müssen, aber Verbindlichkeit haben sollten.

    • metepsilonema 17. März 2011 um 11:24 am

      Es ist schwierig, wurde aber zumindest seit der Aufklärung immer wieder versucht, weil man sich als Teil von Entwicklungen verstand, neue Ideen aufzuzeigen und Wege zu gehen versuchte, daran kann ich nichts grundsätzlich Schlechtes erkennen (und es veranlasst darüber zu diskutieren).

      Man kann verschiedentlich einteilen, aber darauf kommt es nicht so sehr an (ich würde „die Postmoderne“ etwa in den 60igern beginnen lassen). Ich fasse mich einmal sehr kurz (ich habe erst wieder am Wochenende etwas mehr Zeit, ich diskutiere dann gerne detaillierter, mir ist das Thema eigentlich sehr wichtig): Moderne beinhaltet zwei wesentliche Aspekte: (Natur)wissenschaft und Aufklärung (daneben natürlich etliches andere). Dieses Projekt Moderne ist im Laufe seiner Entwicklung immer reflexiver geworden (das war nicht zu Letzt auf Grund der Entwicklungen des 20. Jahrhunderts so), es hat sich selbst mehr und mehr in Frage gestellt, es hat, man kann das so sehen, seine Mitschuld immer deutlicher gesehen und die Problematik ihres Denkens (ich sage man kann das so sehen und ich schreibe später gerne mehr dazu). Diese Phase einer immer stärken Selbstkritik, eines noch Festhaltens an gewissen modernen „Errungenschaften“ trotz eminenter Probleme nennt man häufig Modernismus (Adorno und Horkheimer etwa verwerfen das Projekt Moderne in der „Dialektik der Aufklärung“ noch nicht, aber fast; Camus gehört m.E. auch in diese Phase). Bauman knüpf in „Moderne und Ambivalenz“ direkt an Horkheimer und Adorno an und versucht einen neuen Entwurf, er will das problematisch gewordene moderne Denken überwinden.

      (einmal sehr knapp)

      —–

      Es kann sein, dass Bauman manches mittlerweile vielleicht anders sieht (er hat da in dem von Dir einmal verlinkten Interview eine Andeutung gemacht), dazu weiß ich aber nichts.

      —–

      Die Fragmentierung und Atomisierung unserer Welt, die Informationsflut, das sind Probleme die unbedingt gelöst werden müssen, weil sie uns lahmlegen; sie sind aber, das führt Bauman sehr schön aus, modernen Ursprungs und sind durch Systematisierung, Klassifikation, usw. bedingt (darüber nachzudenken ob hier vielleicht nicht tatsächlich etwas falsch läuft ist schon lohnenswert, deswegen will ich mich „den postmodernen Ideen“ nicht grundsätzlich verweigern; ich meine damit auch nicht, dass wir zu denken aufhören sollen, aber es stimmt, dass jede Klassifikation, jede Problemlösung immer mehr Chaos produziert und dem entkommen wir sichtlich nicht mehr).

      Es scheint mir, dass wir eher über die Lösungswege (-möglichkeiten) uneins sind.

  6. phorkyas 20. März 2011 um 2:54 pm

    Gerade bei solchen Kategoriesierunegen wie:
    Die Fragmentierung und Atomisierung unserer Welt, die Informationsflut
    bin ich mir nicht sicher, ob ich da nicht doch ein Fragezeichen hintersetzen darf?

    Beschäftigt sich der postmoderne Diskurs und die Journaille nicht schon jahrzehnte-, jahrhundertelang damit, dass man schon gar nicht mehr überprüft, ob dergleichen existiert, denn allein durch das fortwährende Sprechen darüber erscheint es schon als Faktum
    ____

    Leider bin ich jetzt erstmal zwei Wochen weg, so dass ich nicht weiter in die Diskussion, die mir sehr wichtig ist (ja, vielleicht hängt fürmich sogar davon ab, ob ich wieder schreiben kann), eingreifen kann, aber vielleicht gelingt es mir dann ja meine Zweifel etwas zu systematisieren. (Was ich kritisch anmerkte: dass die Postmoderne ja nur Befindlichkeit sei, lässt sich natürlich auch gegen mich wenden, es ist nur erst einmal eine Empfndung, ein Impuls sie in Zweifel zu ziehen)

    [Systematisch: (1) die geschichtlichen (Dis-)kontinuitäten – gerade Schillers Don Carlos gesehen, da ist schon die Moderne, der „neue Mensch“ und steht mit ihm nicht schon seine Kritik, die Zweifel da? – Adorno, ist das nicht auch ein zweiter Aufguss von Faust II. Und wenn man Leibniz‘ Monadologie liest, dann scheint da auch schon alles drin angelegt {oder erscheint das nur aus heutiger Sicht so?}.
    (2) die philosophische/politische Dimension
    (was ich mich da frag‘: könnte ein Konservativer die Existenz der Postmoderne nicht auch leugnen?.. und was macht der Postmodernist dann – lässt er in all der Pluralität auch diese Weltsicht zu, in der die Postmoderne gar nicht existiert?)
    usw. usf.]

    • metepsilonema 21. März 2011 um 9:32 pm

      Ich glaube gerade die Fragmentierung und Atomisierung lässt sich gut und einfach belegen: Es ist unmöglich geworden einen allgemeinen Überblick über das von den Wissenschaften produzierte Wissen zu bekommen oder alle politischen Themen in einiger Tiefe zu behandeln.

      Aber meldest Du Dich einfach, wenn Du Zeit hast weiterzumachen? Ich würde jedenfalls sehr gerne.

  7. Gregor Keuschnig 25. März 2011 um 2:53 pm

    Die Medien-Postmoderne würde also mit der Sozialisierung des Interbet bis in die breitesten Bevlkerungsschichten hinein beginnen. Denn hier erst brechen die alten Traditionslinien der Berichterstattung auf. Indem jeder über alles kommunizieren kann, wird der polyphone und zuweilen dissonante Raum erst erzeugt. Die Restauration liegt in der Sehnsucht nach der einen, wahren Nachricht. Diese erscheint jedoch nicht mehr als solche, sondern inmitten eines unstrukturierten, wilden Dschungels. Der einzelne Konsument ist auf sich alleine gestellt, da jede Information zunächst einmal gleichwertig ist. Auch das Dogma der Mehrheit ist nicht mehr zielführend – da einer vom anderen abschreibt, multipliziert sich Falsches wie Richtiges. Postmoderne ist das Zulassen des polyphonen, multiperspektivischen Raums mit der Intention, dass das Subjekt alleine in der Lage ist, Erkenntnis zu gewinnen.

    Eine postmoderne Gesellschaft müsste demnach viel mehr auf Vertrauen als auf Wissen ausgerichtet sein. Hier zeigt sich vielleicht der Erfolg der sozialen Netzwerke. Aber auch der Nachteil: Es bleibt bei Gleichgesinnten. Man kann von Atomisierung und Parallelwelten sprechen. Im Dschungel muss man dem Einheimischen trauen, denn hierarchielos ist die Postmoderne wohl keineswegs. Auf Dauer frißt die Postmoderne vermutlich die Errungenschaften der Moderne.

    • metepsilonema 26. März 2011 um 8:45 pm

      Was noch zu ergänzen wäre: Die virtuelle Realität ist tatsächlich Realität oder kann es werden, auch dort wo sie nichts Reales abbildet. Jemand der nur mehr in Second Life lebt, dessen Realität wird es, obwohl sie eigentlich keine (verbindliche) ist. In der Postmoderne werden diese Widersprüche zu einer Art Harmonie, obwohl man sehr wohl weiß, dass es diese Harmonie nicht gibt, man ist also nicht so naiv das zu glauben — deshalb spielt Ironie eine wichtige Rolle. Eindeutigkeit wird nicht mehr angestrebt, weil sie widerlegt wird, ja sogar schädlich ist. Vertrauen ist vielleicht nicht so wichtig, da ohnehin „alles“ in Schwebe gehalten wird. Mir scheint es in mancher Hinsicht notwendig über die Moderne hinauszugehen, und in ihrem Selbstverständnis tut „die Postmoderne“ das auch, gerade in ihrem Verständnis von Widersprüchen — ich werde einen Text dazu schreiben.

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