Bejahen und Überschreiten; Leben und Widersprechen: Eine Kritik der Moderne

In seinen Anfängen war das Projekt Moderne1 noch der Suche nach Wahrheit verbunden; aber das Wahre begann zu verblassen, als man das Projekt rückhaltlos dem Neuen verschrieb, es mit der Wahrheit in eins setzte, warf, verwechselte und mischte: Das Wahre wurde abstrakt und die Suchbewegungen der Moderne hilflos: Aber man trieb das Projekt voran und überantwortete Mensch und Natur diesen oszillierenden Bewegungen: Im Leerlauf verbrauchten, zerrieben und überhitzten sich die Körper: Die Reste verbrannten Treibstoffs und der Ruß erloschener Flammen [markieren] die Flugbahnen des Fortschritts2.

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9 Antworten zu “Bejahen und Überschreiten; Leben und Widersprechen: Eine Kritik der Moderne

  1. phorkyas 21. April 2011 um 1:15 am

    ..auch wenn ich jetzt leider noch hängen geblieben bin, habe ich den ersten Teil schon einmal online gestellt:
    http://phorkyas.wordpress.com/2011/04/20/moderne/

  2. blogozentriker 28. April 2011 um 7:20 pm

    Am Ende wird die Postmoderne mit ihrer spezifischen Textur, mit dem, was man wohl ihren „Stil“ nennen muss, ein ganz anderes Publikum ansprechen als die Moderne. Gab diese sich betont asketisch, mit streng eingefaltetem Wittgenstein-Mündchen, ist jene das fette, hypertroph-hyperaktive Baby, das so ungern Ruhe gibt, wie es auf Süßigkeiten verzichtet! Es ist doch das alte Lied: War der Vater verklemmt, lässt der Sohn es krachen; war der Sohn 68er, flüchtet der Nachwuchs sich in die restaurative Borniertheit. Statt nüchtern durchdekliniertem 9.000-Punkte-Programm (mit Unterpunkten bis ins dritte Glied) haut die Postmoderne uns einen Reader’s Digest der letzten 2.400 Jahre Weltliteratur um die Ohren! Dessen Seiten fliegen, aufgrund der schlampigen Bindung, wild durch den Raum, in Zeitlupe, versteht sich, wie im Schlussbild eines Antonioni-Films. Wir hasten, wir grapschen, wir blamieren uns königlich. Dazu und darüber hinweg donnert aus den Bose-Boxen ein Soundtrack, den ein in München ansässiger Wagner-Adept und -Imitator geschrieben hat.

  3. Phorkyas 4. Mai 2011 um 2:55 pm

    Antonioni fehlt in meiner schlampigen Bildung – Waeren ein paar John Woo-Tauben-Zeitlupen auch genehm?

    (Allerdings moechte ich einwerfen, dass Sie mit wir blamieren uns königlich wohl nicht alle einschliessen koennten – ich bin sicherlich dabei, ob mit oder ohne Postmoderne – aber, diejenigen, die das Spiel nicht spielen und von dem ueberfetteten, schaeumend-saeuselnden Bilderkarussel nichts hoeren wollen, die koennten vielleicht eben immer noch bei ihrem Wittgenstein, Kant oder Platon hocken..)

  4. blogozentriker 4. Mai 2011 um 3:22 pm

    Bei dem Hinweis auf Antonioni handelt es sich um eine Anspielung auf die berühmte Explosionsszene in ZABRISKIE POINT. Glaube ich jedenfalls. Der Rest ist ja leicht ergooglet …

  5. blogozentriker 9. Mai 2011 um 7:54 pm

    Könnte man nicht sagen, in keinem Medium sei die Explosion so rein zu sich selbst gekommen wie im Film? Eine Explosion im Buch ist nichts, nur ein Haufen Wörter, eine Explosion auf der Tonspur ist auch nicht wirklich was, im Foto zwar geht’s schon besser — aber richtig wild wird die Explosion doch erst als Filmmaterial! Zu einer Explosion gehört die Bewegung, wie im Auto, wo sich im Verbrennungsmotor ein Explosionsgeschehen unerhörter Verpuffungshäufigkeit ereignet. Darum ist der Film das Medium der Postmoderne. Alles wirbelt, knallt und fliegt auseinander, bumst durcheinander, kein Stein bleibt auf dem anderen — Entropie pur, Leitmotiv des postmodernen Denkens. Eine Kamera starrt fix drauf, hält das blind fest. Und kann es heute sogar direkt digitalisieren und in die Netze einspeichern — ein neues Zeitalter wohl eröffnend dabei; eines, in dem auch die intellektualistisch-fruchtlosen Grabenkämpfe der Postmoderne keine Rolle mehr spielen. Das Ex- an der Plosion macht sich geltend.

    • metepsilonema 9. Mai 2011 um 8:31 pm

      Ist nicht das Netz noch mehr Medium der Postmoderne? Dezentrierung, Überfülle, Beliebigkeit, Gleichzeitigkeit und Unkenntlichkeit — nirgendwo anders begegne ich dem so häufig. Im Film gibt es das nicht und im Film handeln wir auch nicht, sondern sehen bloß zu.

  6. blogozentriker 10. Mai 2011 um 9:55 am

    Ja, vielleicht ist die Postmoderne ja auch schon wieder vorbei? Das meinte ich. Lyotard, Eco, Derrida und Pynchon sind, wenn auch als Schaumschläger einst verpönt, heute schon Vorbilder hinsichtlich wissenschaftlicher Standards. Was damals chaotisch anmutete, erscheint heute stringent. Die Dekonstruktion ist in Gebrabbel abgedriftet. Der menschliche Geist hat das Hinausgepulvertwerden in die Internet-Globalität nicht überlebt. Es ist alles zu viel. Breakdown of the one-cameral mind. Die wirren Rebellen von einst kann man heute schon als Stützen der Wissensgesellschaft betrachten. War die Postmoderne noch auf die Moderne bezogen, weiß heute doch keiner mehr, was los ist! Barack Obama, erster schwarzer Präsident der USA, entsendet ein Kommando gedungener Mörder, abendländische Assassinen, um einen orientalischen Terrorkönig meucheln zu lassen. Und das schaut er sich noch am Fernseher an! Und lässt sich dabei fotografieren! Und sendet das Bild um die Welt, anstelle des Hauptes des gekillten Feindes! Kann man das sinnvoll in unsere Geschichte einordnen? Das ist nicht länger Kulturgeschichte, das ist Wilder Westen, jetzt auch im fernen Osten! Ich freu mich jedenfalls.

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