Erkenntnis

Als ich die glücklichen Sklaven sah, schlug mir meine Idee von der Freiheit ins Gesicht; und inmitten ihrer Verteidigung erstarrten meine Lippen und ich erkannte, wer sie zu denjenigen gemacht hatte, die sie waren.

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6 Antworten zu “Erkenntnis

  1. Jean Aust 11. Mai 2011 um 8:07 pm

    Scheint mir, also, ein sehr arroganter, um nicht zu sagen: Hoffmannthal’scher Standpunkt zu sein. Vielleicht könnte Roger Willemsen, dieser Weltenbürger, was damit anfangen. Der hat ja für alles ein breites, verständnisinniges Lächeln übrig. Ich bin aber, ehrlich gesagt, entsetzt von dieser Verachtung unseres besten Freundes, des Konsumenten.

    • metepsilonema 11. Mai 2011 um 8:35 pm

      Man könnte das mit derselben Berechtigung umgekehrt sehen.

      • phorkyas 11. Mai 2011 um 11:42 pm

        …und umgekehrt.

        Würdest du dem Konsumenten deine Freiheit aufzwingen wollen, so wäre er ja nicht mehr frei – als Produkt ließe es sich noch unter die Leute bringen (auch wenn wir es hier ja gratis bekommen).

        [Auch wenn ich für die Arroganz, ob sie nun besteht oder nicht, auch etwas übrig hätte.. Zum Künstler, erkennenden, erwachenden Subjekt gehört sicherlich auch diese Selbstermächtigung, das Sich-Außerhalbstellens dieser flachen Welt.. nur die Perspektivwechsel sollten eben auch dazu gehören,.. denn vielleicht sind von der anderen Seite betrachtet die Konsumenten ja auch ellipsoid..]

      • metepsilonema 12. Mai 2011 um 12:09 am

        Hmm, nein, ich meinte, dass ich ein Konzept vom Menschen haben muss, um seine Situation zu beurteilen, das Konzept aber nicht in Frage stelle. Ein provokantes Beispiel: Eine Frau, die ihr Leben in den Dienst ihres Mannes stellt und von sich sagt, dass sie damit glücklich ist. Um ihr Verhalten als negativ zu beurteilen, muss ich ein bestimmtes Konzept vom Menschen unterstellen, dem sie nicht genügt.

  2. Gregor Keuschnig 23. Mai 2011 um 4:32 pm

    @metepsilonema
    Eine Frau, die ihr Leben in den Dienst ihres Mannes stellt und von sich sagt, dass sie damit glücklich ist. Um ihr Verhalten als negativ zu beurteilen, muss ich ein bestimmtes Konzept vom Menschen unterstellen, dem sie nicht genügt.
    Das ist ein gesellschaftliches Problem, dass uns noch häufiger beschäftigen wird, da wir immer mehr von „unserer“ Art des Lebens überzeugt sind. Oberflächlich betrachtet wird das alles mit Menschenrechten und Selbstbestimmung camoufliert. Man sieht das sehr schön an der merkwürdigen Aggression beispielsweise gegenüber kopftuchtragenden Frauen (im Westen) gerade aus linksintellektuellen Kreisen.

    Eine These in den Raum gestellt: hat es vielleicht auch damit zu tun, dass eine globale Welt, die auf einheitlichen Normen fußt, besser „funktioniert“ als eine diversifizierte Welt? Der Kapitalismus kann am besten existieren, wenn alles gleichförmig abläuft (es gibt vielleicht wenige Ausnahmen). Um das konkrete Beispiel aufzunehmen: Eine Frau, die ihr Leben den Bedürfnissen des Mannes sozusagen unterordnet, dürfte eine im ökonomischen Sinn „schlechte“ (= zu bescheidene) Konsumentin sein.

    • metepsilonema 24. Mai 2011 um 8:32 pm

      Ein provokante These. Man kann sie noch um einen zweiten Aspekt ergänzen: Die Herauslösung der Individuen aus den traditionellen Banden, also auch der Frau aus bestimmten Rollen, kommt dem Kapitalismus entgegen, weil sie dadurch verfügbar und nicht mehr anderwertig beansprucht werden.

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