Gespräche I

Warte, sagte sie, als ich sie an der Hand fassen, und ihre Unruhe vertreiben wollte: Meine Gedanken, sie fliehen!
Ich setzte mich wieder und sah sie an, meine Ellbogen auf den Tisch und das Kinn auf die Handballen gestützt.
Die Frage nach seiner Schuld verwirrt mich, aber nicht nur das… weißt du, alles ist verkürzt, als ob man etwas übergangen hätte. Irgendetwas fehlt. Sie sah mich fast verzweifelt an, aber ich blieb sitzen: Deine Gedanken, dachte ich wehmütig, ich hoffe sie bleiben.
Mit einem Mal drehte sie sich um, füllte den Wasserkocher und schaltete ein. Das rote Lämpchen sprang an und ich vernahm ein leises Brummen. Sie lächelte, fischte eine Zigarette aus dem Päckchen und hielt kurz inne: Ich hab’s, sagte sie triumphierend und klemmte die Zigarette zwischen ihre Lippen. Das Feuerzeug knackte. Sie ging zwei Schritte auf mich zu, und blies den Rauch Richtung Decke. Der Weg fehlt. Und die Menschen: Die Freunde, die Verwandten.
Der Weg? Was meinst du?, ich fuhr auf und fand mich augenblicklich in der Küche wieder. Kurz war ich fort gewesen, ich hoffe nur kurz; aber nicht einmal ein Bild war geblieben.
Na, wie es dazu gekommen ist… ich meine, wir reden davon, dass es gerechtfertigt war, was er getan hat, lassen aber außer Acht wie es dazu kam. Sie drehte sich um und ging zurück: Du auch?, fragte sie, während sie Malzkaffee in ihre Tasse löffelte.
Ja, sagte ich, und versuchte ihren Gedanken zu folgen.
Wir schwiegen einige Zeit und ich sah ihr zu wie sie das dampfende Wasser in die Tassen goss. Dann kam sie mit ihnen zum Tisch und setzt sich.
Danke. Unabhängig davon, ob es richtig war, er hätte sich irren können.
Sie hielt die Tasse an ihr Kinn und einige Schlieren zogen über ihr Gesicht. Sie grinste und trank.
Das Zweitwichtigste sind unsere Fragen, die auf unsere Irrtümer deuten.
Und das Erste?, fragte ich und trank ebenfalls.
Das ist unser Ruhen in den eigenen Entschlüssen.
Bei dir lerne ich sogar Malzkaffee schätzen…
Wieder ein Grinsen.

4 Antworten zu “Gespräche I

  1. blogozentriker 20. Mai 2011 um 10:13 am

    Malzkaffee! Nein!

  2. blogozentriker 20. Mai 2011 um 11:26 am

    Und das bei einem Wiener!

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