Zur Seinsvergessenheit (Heidegger)

Das gegenwärtige Leben ist stets unreflektiert: Der seinsvergessen Lebende* kennt weder Subjekt noch Objekt.

*der das Sein-Vergessende; der Seinsvergessene

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9 Antworten zu “Zur Seinsvergessenheit (Heidegger)

  1. Haber 4. Juni 2014 um 3:37 am

    Leider daneben. Die Achtsamkeit oder „Sorge“, die H. dem Seinsbewußtsein zuspricht läßt sich nicht mit der (modernistischen) Subjekt-Objekt-Relation erfassen. Letztere ist eher ein wissenschaftlicher Ausfluss und „Die Wissenschaft denkt nicht“.

    • metepsilonema 4. Juni 2014 um 5:43 pm

      Ich bitte Behauptungen zu begründen. Danke.

      • Phorky 5. Juni 2014 um 5:31 pm

        <<Dieses-Subjekt-Objekt-Schema wies er für eine unvoreingenommene Auslegung der Philosophiegeschichte zurück. Wenn die Metaphysik die Welt und das Sein im Ganzen betrachtet und eine Bestimmung dessen gibt [..], dann besteht der Kern ihres Vorgehens darin, dass sie das Seiende vor sich bringt, um es zu bestimmen. Heidegger sprach daher von vor-stellendem Denken.Die Eigenart dieses vor-stellenden Denkens ist es aber, dass es das Seiende als Objekt für ein Subjekt vor-stellt und somit die Subjekt-Objekt-Spaltung aktualisiert. Dadurch inthronisiert aber die Metaphysik den Menschen als Maß aller Dinge. Das Seiende hat von nun an beim Subjekt Mensch vorstellig zu werden: Nur was so fest-gestellt und sicher-gestellt wurde, ist auch. Für Descartes ist allein das, was sich durch den Menschen mathematisch beschreiben lässt.>> (Wikipedia)

        Habe zwar keinen Heidegger zur Hand {“Frequently the meaning is buried so deeply that readers need a heidegger to get it out”. (James O. Young über ein Buch von Keith Lehrer)} – aber ich glaube, das zeigt dass der Kommentator schon recht hat, dass auch jemand der Subjekt und Objekt zu trennen weiß der Seinsvergessenheit anheimfällt.

        • metepsilonema 9. Juni 2014 um 9:17 pm

          Zunächst mag ich, unabhängig vom Wahrheitsgehalt, keine unbelegten Behauptungen (trotzdem danke für das Nachschlagen).

          Ich habe hier einen Begriff Heideggers auf Grund einer immer wieder gemachten Erfahrung subjektiv interpretiert (dass ich das nicht explizit gemacht habe, ist meine Schuld, andererseits steht die Sentenz in der Kategorie „Anschauungen und Betrachtungen“; ich verwende den Begriff wahrscheinlich auch nicht in Heideggers Sinn, für den er, wohl negativ behaftet war, darauf hast Du mich an einer anderen Stelle schon hingewiesen).

          Was ich meinte war eine alltäglich wiederholbare Erfahrung, die die sonst klare Subjekt-Objekt Beziehung aufhebt und das Subjekt, sozusagen in das Seiende hinein verschiebt (was ich zumindest an dieser Stelle positiv bewerte). — Ich vergesse also, dass ich und anderes getrennt von einander existieren.

          Insofern ist auch der im ersten Kommentar gemachte Einwand gegenstandslos.

          • phorkyas 12. Juli 2014 um 4:57 pm

            Ich vergesse also, dass ich und anderes getrennt von einander existieren.
            Das könnte dann wohl ein mystisches Erlebnis sein (neuerdings auch „Flow“). – Eine gewisse Skepsis gegenüber einer Spaltungsaufhebung habe ich: Sie kann auch ein regressives Element haben, s. z.B. Massenerlebnisse in Stadien. Wenn ich’s denn begriffe könnte Jaspers Umgreifendes eine gute Alternative sein.

            • metepsilonema 14. Juli 2014 um 3:06 pm

              Ich würde es doch deutlich unter dem Mystischen ansiedeln, aber man kann es vielleicht als eine Vorstufe ansehen (Dein Einwand trifft natürlich zu, ich würde Spaltung und Spaltungsaufhebung als einander ergänzend und auch widersprechend auffassen, aber nicht das eine durch das andere ersetzen wollen).

              Jaspers‘ Umgreifendes sagt mir nichts, da muss ich erst einmal nachlesen.

  2. Gregor Keuschnig 12. Juni 2014 um 8:59 am

    Für Heidegger begann die Seinsvergessenheit praktisch nach dem Griechentum. Er schreibt in §6 von „Sein und Zeit“, dass „die Frage nach dem Sinn des Seins nicht nur unerledigt, nicht nur nicht zureichend gestellt, sondern bei allem Interesse für »Metaphysik« in Vergessenheit gekommen ist. Die griechische Ontologie und ihre Geschichte, die durch mannigfache Filiationen und Verbiegungen hindurch noch heute die Begrifflichkeit der Philosophie bestimmt, ist der Beweis dafür, daß das Dasein sich selbst und das Sein überhaupt aus der »Welt« her versteht und daß die so erwachsene Ontologie der Tradition verfällt, die sie zur Selbstverständlichkeit und zum bloß neu zu bearbeitenden Material (so für Hegel) herabsinken läßt. Diese entwurzelte griechische Ontologie wird im Mittelalter zum festen Lehrbestand.“ Das entscheidende sind die „Verbiegungen“ im Laufe der Jahrhunderte, die Frage nach dem Sein sozusagen überlagert hat. – Interessant am Rande, dass das Wort „Seinsvergessenheit“ in SuZ expressis verbis nicht ein einziges Mal auftaucht.

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