Beim Spazierengehen

Übrigens, da ist noch etwas, jetzt wo wir einmal Zeit haben…

[er reißt ein Halm aus und zieht die lanzettförmigen Blätter einzeln vom Stängel; bevor er sie wegwirft, teilt er sie entlang ihrer Längsachse fein säuberlich in zwei Teile; sie gehen schweigend weiter, eine ganze Weile nachdem er sein Spiel beendet hat]

Ja?

Sie kennen den berühmten Satz: Ein Künstler ist einer, der sich selbst los werden will, ein Philosoph einer, der bei sich selbst als Gast endlich einmal willkommen sein möchte. Das ist natürlich phantastisch in seiner Kürze, seiner Prägnanz und den möglichen Assoziationen. Ich will nicht sagen, dass ich den Satz verstehe, aber er gefällt mir; – ich denke er spießt etwas auf, das mir mehr unbewusst als bewusst bleibt, aber wesensmäßig in beiden steckt: Der Künstler hat mit der Welt abgeschlossen, der Philosoph hängt sich an ihren Widersprüchen auf…

Kennen sie den Nachsatz?

Nachsatz? Wüsste nicht, dass da einer…?

Doch, doch, das ist ja nur eine Hälfte.

Tatsächlich?

Ja. Man hat später in B.s Weblog die vollständige Notiz entdeckt: Darum drängt jener sich den Vielen auf, deren Stumpfsinn natürlich unbesiegbar ist, und dieser pfeift sich ein Liedchen.

Seltsam: Ein liedchenpfeifender Philosoph?

Sehen Sie! Genau das dachte ich mir beim ersten Lesen auch: Und seither geht er mir nicht mehr aus dem Kopf…

Oh! Wie lange?

Fünfzehn, sechzehn Jahre.

Vielleicht meinte er es auch anders herum.

Ja: Ein liedchenpfeifender Künstler wäre mir verständicher.

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