Übersetzer

Die tatsächlich „Armen“, d.h. die Vergessenen, des Literaturbetriebs, sind die Übersetzer: Hand hoch, wer fünf Namen auswendig kennt, die nicht zugleich bekannten Schriftstellern gehören! Ich weiß zu meiner Schande nicht einmal einen. — Und staune dennoch immer wieder, dass ein Werk überhaupt in einer anderen Sprache neu geboren werden kann.

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6 Antworten zu “Übersetzer

  1. phorkyas 30. August 2011 um 10:19 pm

    Hmpf.. Ich komme (ohne Gurgel) auch höchstens auf drei – wobei ich nicht weiß, ob du den Tieck durchgehen lassen würdest. Harry Rowohlt kennst du doch aber? Swetlana Geier ist dann schon etwas spezieller (wie heißt denn der adere Dostojevskij-Übersetzer, was mit K? – Nun E.K. Rashin war’s ). Und dann fällt mir gerade der Typ nicht ein, der die ganzen Chinesen, Taoisten übersetzt hat (Richard Wilhelm war’s, ein R und ein W hatte ich noch im Kopf, musste aber nachschauen). parallalie, dessen Echtname ich jetzt auch nicht wüsste – ..
    Aber du hast schon recht, das ist schon ziemlich zusammengekratzt.

    Das gleiche ließe sich aber wohl auch über die Lektoren sagen?

  2. Gregor Keuschnig 31. August 2011 um 8:54 am

    Vier fielen mir ein, die halbwegs Deinen Kriterien standhielten: Kober, Urban, Kroeber und Robben. Wobei Kroeber und Urban auch gelegentlich eigene Prosa schreiben. Schon Harry Rowohlt wäre auf dieser Autor/Übersetzer-Grenze eher ein Autor. Wobei ich diese Linie allerdings für künstlich halte.

    Interessant, dass man gelegentlich immer von Neuübersetzungen hört, und diese manchmal sehnsuchtsvoll herbeigesehnt werden. Oft ist das rechtlich nicht möglich (bei Hemingway beispielsweise). Ich frage mich dann immer, warum man etwas derartiges braucht bzw. ob damit nicht implizit ausgedrückt wird, dass der/die Übersetzer vorher Fehler gemacht haben. Es käme ja niemand auf die Idee zu fordern, man solle Goethes Wahlverwandtschaften mal neu schreiben. Oder?

    Dem gängigen Verständnis nach sollten sich Übersetzer und Lektoren zurückhalten; die Eitelkeit der Schriftsteller ist einfach zu groß. Bei Amazon werden die Übersetzer seit einiger Zeit in der Autorenzeile mit aufgeführt.

    • metepsilonema 31. August 2011 um 9:40 pm

      Ich wollte verhindern, dass Übersetzer genannt werden, die eigentlich ihres schriftstellerischen Werks wegen bekannt sind (Heine, z.B.).

      Nun, die bösartige Antwort ist, dass sich ein Dostojewski mit dem Zusatz „in neuer Übersetzung“ besser verkauft. Fehler wären das eine. Vielleicht aber hat die Person des Übersetzers ein gewichtiges Wort „mitzureden“ und prägt die Übersetzung (ähnlich wie verschiedene Leser, verschiedene Sichtweisen eines Werks hervorbringen können). Dann wäre eine neue Übersetzung das Wagnis, einem Werk etwas wie eine neue Seite abzuringen, und sicherlich wäre der Stil verschiedener Übersetzer jeweils anders.

      Ich habe den Eindruck, dass es eine Schieflage gibt: Wenn ein Übersetzer in einem Nebensatz einer Besprechung genannt wird ist das schon viel (aber m.E. dem Können und der Kunst des Übersetzens wenig angemessen).

      • Gregor Keuschnig 31. August 2011 um 10:30 pm

        Ja, diese Schieflage mag existieren. Wobei ich Tadel oder Lob für eine Übersetzung immer auch ein bisschen anmaßend finde. Denn meistens haben die Kritiker das Original nicht gelesen und vermögen nur eindeutige Stilblüten herauszulesen, die dann vielleicht störend sind. Ob etwas hinzugefügt wurde bspw. kann ein Rezensent nur in umfassender Kenntnis des Originals feststellen. Handke gibt ja zum Beispiel zu, manchmal etwas eingefügt zu haben (was er allerdings kommuniziert).

      • metepsilonema 1. September 2011 um 2:22 pm

        Das dachte ich mir auch schon öfter: Wie genau hat derjenige, der in einem Satz, also ganz nebenbei, die „kongeniale“ Übersetzung lobt, eigentlich hingesehen?

        Aber das wäre vielleicht einmal ein Versuch für den Feuilleton: Original und Übersetzung anhand von Beispielen vergleichen (oder Original mit verschiedenen Übersetzungen).

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