Die Stimme des Erzählers

Eine Stimme finden ist alles, aber sie wird sich nur über einem Grund von Stille erheben.

Von selbst.

Man stellt ihr Raum zur Verfügung, fühlt nach, denkt voraus: Bildet, erhält, spinnt und ergänzt was einem entgeht. Ist sie noch da? Oder schon erstorben?

Man findet sie wieder, ist voller Freude!

Aber unklar bleibt, wer erzählt, wessen Stimme es eigentlich ist.

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11 Antworten zu “Die Stimme des Erzählers

  1. blogozentriker 27. November 2011 um 1:48 pm

    Ja, die Ruhe, die Ruhe. Aber wo findet man die? Jeder findet sie woanders. Der eine in einem Wäldchen, abseits von Paris, mit Bleistift auf einer Lichtung. Und der andere im Gedränge eines Wirtshauses, isoliert gegen Gepolter und Verdruss durch mehrere Biere und Schnäpse, die Feder frei flitzend auf zerknittertem Blatt.

    • metepsilonema 27. November 2011 um 8:50 pm

      Ja, es ist seltsam wo man überall Stille, Ruhe und Einsamkeit finden kann, sogar ohne Alkohol in aller Öffentlichkeit … es ist eine Art Innenraum, ein Freiraum, der entfalten lässt, was sich entfalten will.

  2. phorkyas 12. Dezember 2011 um 11:08 am

    Man stellt ihr Raum zur Verfügung, fühlt nach, denkt voraus: Bildet, erhält, spinnt und ergänzt was einem entgeht.
    Wie kann man etwas ergänzen, das einem entgeht?

    Meinst du, dass die Stimme, schon in ihrer Tonalität, ihrem Timbre etc. mehr sagen könnte, als uns selbst klar ist?

    Sonst: Größte Zustimmung. Vielleicht genügte schon dieser Satz: Eine Stimme finden ist alles?

    Allerdings.. nun – könnte man nicht genauso sagen: Eine Geschichte finden ist alles oder Einen Charakter finden ist alles — hieße das nicht letztlich: Etwas zu finden, ist alles – Etwas woran der eigene Text sich emporseilen kann zu.. irgendetwas anderem.

    • metepsilonema 12. Dezember 2011 um 10:16 pm

      Die Stimme bricht ab, verstummt, ist schlecht zu hören … dann muss man einen Übergang schaffen oder sich etwas ausdenken, auf jeden Fall ein Prozess, der viel weniger spontan und fließend abläuft.

      Es kann gut sein, dass die Stimme mehr aussagt als uns bewusst wird, aber das ist immer auch eine Frage der Interpretation.

      Die Stimme schafft den Charakter, die Geschichte, etc. — das Emporseilen verstehe ich allerdings nicht.

  3. blogozentriker 12. Dezember 2011 um 6:59 pm

    Nun kann man, wenn man eine Stimme gefunden hat, mit einer solchen natürlich sowohl eine Geschichte erzählen als auch einen Charakter zeichnen. (Ich vermute, mit der Stimme ist zugleich auch die Rolle gemeint, die Maske, die „persona“, wie’s in der klassischen Theaterwelt hieß.) Die Stimme ist deswegen der weitaus größere Gewinn, kein Glückstreffer oder eine Zufallsbekanntschaft, sondern ein Annehmen des Geschicks. – Darüber hinaus scheint mir die ausgesprochene „größte Zustimmung“ des Kommentators durch das gleich hinterher gestotterte: „könnte man genauso sagen“ wo nicht unmittelbar kassiert zu werden, so doch zumindest die Frage aufzuwerfen: Was diese größte Zustimmung überhaupt soll? Wenn sie doch allenfalls eine unter Vorbehalt, eine ihrer selbst mithin keineswegs sichere und größte, vielmehr ein höchst unsicherer Kantonist ist? Sozusagen die kleinste mögliche größte Zustimmung? Der ganze Kommentar ist so ausgewogen, über-ausgewogen, durch ein unabsehbares Einerseits-Andererseits-Meinerseits bis ins Absurde differenziert und sich selbst in die Parade fallend, dass er, selbst schon ein Schauspiel, die Negation einer Stimme in obigem Verstande exekutiert.

    • Phorkyas 13. Dezember 2011 um 7:36 pm

      @Blogo: Das ist wohl meine Stimme, die eines Zauderers (cunctator wie Quintus Fabius Maximus Verrucosus); sich selbst differenziert durchs Knie gebohrt, niedergestreckt.
      Den Superlativen traue ich nicht über den Weg. Wenn ich etwas betonen möchte wirkt der einfache Positiv manchmal schon stärker, scheint mir, weil nicht so werbesprecherisch abgenutzt. Der Superlativ war also schon angebohrt. Dass das Kommentarchen sich aber so verholperte an dieser Stelle, war einfach nur ein Einfall – und ich wollte den vorigen Teil dann nicht wieder ändern.

      Vielleicht war der Einfall, wie ihr meint, falsch und die Stimme ist wirklich umfassender – das Fundament? Noch bin ich mir nicht sicher.

      Was ist mit dem allwissenden Er-Erzähler, wo kommt diese Stimme her, muss sie überhaupt an eine persona gebunden sein? (Daran erinnerte mich gerade Paul Austers „White Spaces“ – http://www.angelapatchellbooks.com/spreads%5Cwhitespace%5C1.pdf – eine frei-flottierende Stimme, wäre das möglich?) Wäre es dann „nur“ der unverwechselbare Sound oder Tonfall oder gibt es immer eine Erzählstimme, einen humanoid-anthropozentrischen Endfaden unserer Erzählstränge?

      @mete: Das Emporseilen war ein ganz falsches Bild – statt „empor“ vielleicht „herüber“. Die Stimme als das Fährboot, das Geschichte und Charaktere zu mir als Leser (hin)übersetzt – wenn es nicht zum Schiffbruch kommt.

      PS. Das mit dem Raum ist noch interessant: Du meintest als Leser räumt man der Stimme Raum ein? – Könnte man nicht auch sagen, die Stimme schafft erst ihren eigenen Erzählraum?

      • metepsilonema 17. Dezember 2011 um 10:38 pm

        Tut mir leid die späte Antwort. Die Stimme als Fährboot: Ist es nicht vielleicht eher so, dass die Stimme Charaktere und Geschichte enthält?

        Mit Raum geben, meinte ich die Möglichkeit (etwas einen Ort von Stille) an dem sich die Stimme entfalten kann.

  4. phorkyas 24. Dezember 2011 um 1:20 am

    Hmm.. Faden verloren…

    Darf ich dann hier einfach mal: Forhe Weihnacht usw. wünschen?-)
    (Fasse den festen Vorsatz nicht mehr ganz so fahrig – und meinetwegen auch so ausgewogen „einer- und andererseits“ zu kommentieren)

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