Predigt

Sie muss von oben herab gesprochen werden, das gibt ihr die Wucht etwas anzustoßen und an ihr Anstoß zu nehmen; sie ist eine Provokation, fast schon ein Eingriff in einen Bereich, den man gerne verwehren möchte.

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5 Antworten zu “Predigt

  1. muetzenfalterin 11. Februar 2012 um 12:57 pm

    Das gefällt mir. So sollten Predigten tatsächlich sein und politische Reden möglichst auch. Allerdings muss das „von oben herab“ gut fundiert sein, in einem wirklich leidenschaftlichen Standpunkt, in einer möglicherweise wirklich überlegenen Einsicht.

    • metepsilonema 11. Februar 2012 um 1:28 pm

      Danke (in Wahrheit brauchen wir neben dem Widerspruch auch Bestätigung). Das Wort von der politischen Sonntagsrede deutet ja bereits darauf. — Der Prediger muss von seiner Sache überzeugt sein, seine Zuhörer gewinnen wollen, er möchte sie überzeugen, nicht nur durch Argumente, sondern auch durch die Gestalt seiner Rede, jedoch nicht mit allen Mitteln: Eine gute Predigt lässt mir Raum für meinen Standpunkt und ein „nein“. Deshalb kann ich auch zuhören und mich an ihr erfreuen, selbst wenn ich an einem anderen Ort stehe. — Ja: Eine Predigt ist keine, wenn nicht Gedanken, kühne womöglich und Einsicht durchschimmern.

      • metepsilonema 11. Februar 2012 um 10:19 pm

        Der überlegene als überlegter Standpunkt, sozusagen.

      • Phorkyas 19. Februar 2012 um 6:21 pm

        Wenn auch etwas verspätet wollte ich noch einmal darauf zurückkommen.

        1) Wenn es auch nicht die Predigt betrifft so wollte ich auf die Verbindung von Gebet und Gedicht verweisen (bzw. den gemeinsamen Ursprung von Religion/Mythos und Dichtung im Logos?). – Gerade stecke ich immer noch in der Lektüre von „Der Tod des Vergil“ und ich wollte dieses Werk schon als ein einziges Gedichts-Gebet bezeichnen, weil einige Merkmale davon trägt: eindringliche Wiederholungen, Beschwörungen, meditative mitunter fast mystische Reflektion,.. – Im Text selbst ist es dann zwar negativ formuliert:
        „[..] unkeusch ist der Mantel der Dichtung, und nimmermehr wird Dichtung zur Gründung, nimmermehr erwacht Dichtung aus ihrem ahnenden Spiel, nimmermehr wird Gedicht zum Gebet, zu dem opfergültigen Wahrheitsgebet, das dem echten Namen der Dinge so sehr innewohnt, daß [] sich die Weltverdopplung wieder schlie0t, daß für ihn und nur für ihn Ding und Wort wieder zur Einheit gelangen -, oh Keuschiet des Gebetes, unerreichbar der Dichtung, und doch oh doch ihr erreichbar, soferne sie selber geopfert, sofere sie übewunden und vernichtet wird.“ (bei mir S.180)

        2) Habe ich über verschiedene Typen von Predigern nachgedacht und welchem Typus der Prediger deiner Skizze zugeordnet werden könnte.
        Bei mir waren zwei, ich idealisiere sie einmal zu Typen, Pfarrer prägend: Einer der von scharfer, dialektischer Intellektualität, würde ich sagen. So waren seine Predigten oft Kritik am eigenen bigott-christlichen Lebenswandel. – Während der zweite ins allgemein-menschliche zielte. Eine Linderung, einen Halt in der Gemeinde geben wollte (auch wenn ihm wohl sehr bewusst war wie sehr diese Gemeinden auseinanderbröckeln).
        Ich weiß nicht, ob diese holzschnittartige Charakterisierung deutlich genug ist, um zu sehen, wie unterschiedliche Predigten man von den beiden erwarten würde.
        Vielleicht ist dein Prediger aber auch von einem dritten Typus? Ein Selbst-meditateur vom Brochschen Typus?

      • metepsilonema 20. Februar 2012 um 1:29 pm

        Zu 1) Danke, sehr interessant. Ich glaube fast, dass sogar Dichter dem zustimmen würden: Ihr Ziel ist es im Regelfall nicht etwas klar zu benennen (bzw. können sie es gar), sondern Worte für das zu finden, das noch nicht gesagt wurde oder nicht gesagt werden kann. — Spätestes wenn es um Gott geht, werden alle wieder Dichter. Und ja: Ein gemeinsamer Ursprung von Religion, Mythos und Dichtung. Man könnte als Atheist oder Agnostiker auch sagen, dass alle religiösen Texte Literatur sind, und nicht mehr.

        Zu 2) Meinen Prediger habe ich versucht weniger aus imaginären Charakterzügen, als aus imaginärer Stimme, Erfahrung und einer möglichen Reflexion darüber zu formen.

        Etwas was mir aufgefallen ist: Es gibt Pfarrer, die gut predigen und andere die das nicht können. — Die letzteren sind möglicher Weise aber die besseren für das Leben in der Gemeinde und Gemeinschaft (sozusagen als Gleiche unter Gleichen). Ich denke es wir noch weitere Typen geben und sicherlich interessant, das noch einmal anders zu versuchen (mit Broch’schem Typ meinst du wen oder was?).

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