Eine schwierige Annäherung…

…scheint mir der erste Kontakt mit Kunst zu sein, weil sie fast immer als — gesellschaftlich akzeptiertes und damit gesetztes –- Besonderes daher kommt. Glück dem, der ihre Größe entdecken kann, ohne zuvor von ihr erfahren zu haben.

19 Antworten zu “Eine schwierige Annäherung…

  1. der blogozentriker 20. Juni 2012 um 9:03 am

    Ist der Punkt nicht eher, dass man in der Berührung mit der Kunst erfahren kann, was es bedeuten könnte, Mensch zu sein?

    • metepsilonema 26. Juni 2012 um 9:06 pm

      Das geht doch ganz wunderbar zusammen, wenn man die Größe der Kunst in eben jener möglichen Erfahrung des Menschseins sieht. Diese Erfahrung muss man allerdings machen, sie kann nicht gesetzt (und damit: ersetzt) werden.

      • blogozentriker 27. Juni 2012 um 9:09 am

        Aber kann nicht auch ein Film dieses Kunst-Gefühl vermitteln? Den umgibt ja zwar auch eine Aura, aber doch eine andere, als sie z. B. „Guernica“ umschwebt. Hitchcock-Filme konnten einem definitiv eine eigene Sicht auf die Welt vermitteln. (Ich weiß nicht, ob das auch für Bruce-Willis-Filme gilt.)

      • metepsilonema 27. Juni 2012 um 1:50 pm

        Warum sollte das dem Film prinzipiell unmöglich sein?

      • blogozentriker 27. Juni 2012 um 2:22 pm

        Nein, ich meinte nur, der Film hat beim Kunsterlebnis die Angstschwelle ja deutlich gesenkt. Die Annäherung an die Filmkunst (es sei denn, es ist Kunstfilmkunst) ist doch im Grunde keineswegs so schwierig? Im Gegenteil, eher lustvoll? (Worauf meine Bemerkung, man könne über die Möglichkeiten, Mensch zu sein, hier einiges lernen, wohl hinauslief.)

      • metepsilonema 27. Juni 2012 um 6:11 pm

        Der Zugang zu Filmen scheint einfacher zu sein. Möglicherweise aber nur, weil man leichter zu irgendeiner Art Erlebnis kommt als beim Lesen oder Hören?

        Ich bin kein Cineast, aber es gibt Filme, denen ist m.E. ebenso schwer auf die Schliche zu kommen wie manchen Romanen. Was heißen soll, dass das Sitzen im Lehnstuhl nicht ausreicht: Man muss sich anstrengen!

      • blogozentriker 27. Juni 2012 um 8:12 pm

        Ja, ja, alles wahr. Ich meine nur, dass das, was Du als Glück bezeichnest, hier schon auf eine gewisse Serienmäßigkeit hin angelegt ist. Die Popkultur hat die Auraschwelle ja doch einigermaßen gesenkt. Die Kunst macht es uns nicht mehr so schwer. Kann sein, dass es ihr übel bekommt …

      • metepsilonema 28. Juni 2012 um 4:34 pm

        Du meinst man achtet sie nicht mehr?

      • blogozentriker 29. Juni 2012 um 11:06 am

        Ja, genau. Autorität ist ja keine schlechte Sache. Achtung ist ja keine schlechte Sache. Kunst braucht Strenge, Kälte, Härte. Das ist wahrscheinlich das Humane an ihr.

      • metepsilonema 30. Juni 2012 um 9:28 am

        Auch wenn das ein Zirkel ist: Kann nicht nur das Menschliche selbst menschlich sein? Also wenn, dann auch Strenge, Kälte, Härte. — Und gilt das nicht mehr für den Kunstschaffenden?

  2. Phorky 28. Juni 2012 um 3:25 pm

    Manchmal frage ich mich allerdings, ob nicht ohne „Priming“ also der Ankündigung, dass da gleich was Großes kommt, überhaupt Aura sich einstellen würde.

    • blogozentriker 28. Juni 2012 um 4:36 pm

      Ja, aber letztlich, Phorky, ist das doch nur eine Variante der Denkfigur: Ob’s nicht besser wär, dass nichts entstünde? Bestimmt hat die Kunst einen biologischen Zweck, ist auch nur ein weiteres Mittel im Kampf ums Survival, aber weißte was? Ist doch scheißegal! Seien wir doch dankbar, dass es wenigstens EINEN Trost gibt in dieser katastrophalen politischen Welt ständiger Zweckentfremdung, Vereinnahmung, Verräterei und Übertölpelung. Ich finde, angesichts der übrigen Scheiße, die Mutter Natur sich so ausgedacht hat, ist ihr mit der Kunst ein echter Knaller gelungen! Für Kunstempfängliche ist sie nun mal eine tolle Sache, die einen so nahe an die Transzendenz bringt, wie’s legal überhaupt geht.

      • Phorky 28. Juni 2012 um 5:02 pm

        Ja, aber diese ganze Zweckentfremdung, das martialisch-materialistische Survival-Spiel ist dieses ganze Anorganische nicht gerade menschengemacht – all unsere Geräte, Gestelle nur Werk eines pfuschenden Demiurgen? Und braucht dagegen das Organische, Autopoietische denn überhaupt noch eine Aura, mit der wir es umgeben könnten, wo es doch schon von selbst schon poetisch ist, weil wir das andere, lebendige Wesen einfach spüren können, wenn es uns anschaut?

      • metepsilonema 30. Juni 2012 um 9:30 am

        Das ist völlig richtig und zugleich höchst seltsam: Das widernatürlichste, anorganische stammt aus menschlicher Hand. Wobei zu berücksichtigen bleibt, dass Zahl und Maß hier eine entscheidende Rolle spielen (selbst unser Alltag ist ja voll davon).

    • metepsilonema 28. Juni 2012 um 4:37 pm

      Es geht in erster Linie um das Maß. Und ist es nicht ähnlich wie mit Autorität? Die sollte man erwerben, nicht setzen. Man könnte sie dann, viel schöner, als Achtung bezeichnen.

      • Phorky 28. Juni 2012 um 5:06 pm

        Hmm.. Achtung klingt für mich schon ein bisschen aristokratisch, also auch schon mit Autorität verquickt.

        Die angesprochenen Problematik, sehe ich auf jeden Fall, aber wie bei der Autorität, die ich nicht achten möchte, würde ich mich dem ganzen entwinden wollen,.. und z.B. einfach ins Werk stolpern, wenn möglich.

      • metepsilonema 30. Juni 2012 um 9:32 am

        Ja aber, und das war durchaus gemeint, wie Du es aufnimmst, nötigt nicht gerade das Werk wieder Respekt, Achtung und Autorität ab?

  3. Gregor Keuschnig 30. Juni 2012 um 9:48 am

    Glück dem, der ihre Größe entdecken kann, ohne zuvor von ihr erfahren zu haben.
    Das ist ein schöner und wahrer Satz.

    Ich möchte Phorky ja gerne widersprechen, wenn er meint, dass Aura erst durch Ankündigung erzeugt wird. Und ich bin sicher, dass es nicht immer so ist. Aber ich ertappe mich dabei, wie man diesen Exzessen der vermeintlichen Auratisierungen gar nicht entgehen kann.

    • Phorky 30. Juni 2012 um 7:04 pm

      Ich würde mir auch gerne widersprechen – tue es auch oft genug, aber leider mir so die praktische Ausübung von Kultur: die Ankündigung einer Aura.
      Irgendwie muss es ja auch so sein, wenn das was in Kunst ist begrifflich nicht fassbar, auratisch sein soll, dann kann man eben nur feuilletonesk darüber schwätzen und sich gegenseitig in Ankündigen ergehen.
      (Hauptsache die Ankündigung wird auch eingelöst – gestern habe ich eine Band gehört, deren Musik war für mich wie ein einziges Intro, nur dass das eigentliche Lied nie angefangen hat)

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