System, Systematik, Schöpfung

System und Systematik fordern die Gefolgschaft unserer Handlungen und stehen in einem Gegensatz zu unseren Schöpfer- und Erfindungskräften, die um des Neuen und Anderen willen, aus dem sich verfestigenden System drängen.

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21 Antworten zu “System, Systematik, Schöpfung

  1. Phorkyas 3. Juli 2012 um 8:43 am

    Auch die Erschaffung(!) eines Systems benötigt doch Erfindungskraft. (..und ohne das System bin ich vielleicht gar nicht in der Lage die Ordnung im Chaos zu sehen – z.B. Al-/Chemie war ein Chaos, Riesenansammlung von Reaktionen, Kochrezepten bis zu den Arbeiten von Lavoisier und später dem Periodensystem.)

    • metepsilonema 3. Juli 2012 um 8:54 pm

      Natürlich. Aber wenn es einmal da ist, verlangt es doch vor allem Reproduktion, oder?

      • Phorkyas 4. Juli 2012 um 12:18 am

        Damit es weiter da bleibt: ja. Aber das ‚System‘ könnte ja auch dynamisch, adaptiv sein – gar organisch.

        (Blogo sagte da gerade bei Tom:
        „Ich verstehe, ehrlich gesagt, diese Polemik gegen den Wunsch nach Ordnung (der, mit allen Wünschen, wohl das Schicksal der Unerfüllbarkeit teilt) auch nicht …

        Ist es denn nicht zutiefst menschlich, in sich einen Punkt finden zu wollen, von dem aus man das Chaos, das Schlachtgetümmel des Alltags unter Kontrolle wohl nicht, aber unter den Füßen hat? Um es in Ruhe betrachten zu können? Aus welcher Betrachtung sich dann Verarbeitungsstrategien wie das Verfassen von Texten, das Malen von Bildern oder das Niederhämmern von Tönen entwickeln lassen? Oder man döst ein bisschen vor sich hin … was spricht dagegen? Ich kann in einem Plädoyer für Gekreisch, Wildheit und Krisen nichts Unterstützenswertes finden. Wegen der Leidenschaftlichkeit? Leidenschaft, die nicht beherrscht wird, ist ein Graus! Und als Fest des Lebens ist sie ein Klischee!

        Ich meine, schon dieser Kommentar in seinem verzweifelten Bemühen, ein Gewimmel von Wörtern grammatikalisch halbwegs unter Kontrolle zu bringen, zeugt doch davon, wie notwendig uns die Ordnung ist! Sonst stünde hier nur: “UUUUUUAAAAAaaaaaa …”

        Und so kam ich darauf unsere Ordnungsdiskussion auf „System“ zu beziehen – da scheint eine ähnliche Konnotation vorzuliegen, oder nicht? – Starre, Kälte, Festigkeit, Tod = Ordnung, System )

        • metepsilonema 4. Juli 2012 um 1:10 pm

          Ich dachte eigentlich an menschliche Handlungen. Wenn neue Ideen und Einfälle immer eine zufällige Komponente beinhalten, wir also nicht einfach über sie bestimmen können, dann muss das System, das ja etwas Reproduziertes und Vorherbestimmtes ist, dies zulassen, und damit auch Nichtsystem sein oder nichtsystematisch handeln.

          Mit adaptiven Systemen, verhält es sich wohl ähnlich. Systeme können sich sicherlich selbst verbessern, aber damit agieren sie ja innerhalb ihrer selbst.

          • Phorky 4. Juli 2012 um 3:43 pm

            Hmm.. – Ich hätte es eher umgekehrt geschrieben: „Wenn das System nur eine regelhaft, formale Festschreibung ist, so kann/muss der menschliche, schöpferische Akt dieses aufheben, verlassen, zerstören.“

            Dann ist für dich „System“ – Denksystem, Steuerungsanweisungssammlung, Programm? – Ich hatte wohl zu sehr noch das physikalische System assoziiert, das aber ähnlich undefiniert ist – (wie etwa „Bedeutung“, „Leben“..)

            • metepsilonema 5. Juli 2012 um 3:09 pm

              So oder so meinen wir beide etwas sehr ähnliches. Denksystem, Alltagsystem, usw., ja, genau.

              Es ist auch gut möglich, dass — wie Du weiter unten schreibst — auch verschiedene Typen existieren. Jedenfalls: Die wesentlichen Einfälle die meinen Texten zugrunde liegen, kommen einfach, ich kann mich nicht hinsetzen und erzwingen, dass mir etwas einfällt.

      • blogozentriker 4. Juli 2012 um 12:50 pm

        Leute, lest doch einfach mal Nietzsches GEBURT DER TRAGÖDIE, da habt Ihr das ganze Dionysisch-Apollinisch-Dings doch drin! Hier Ekstase, Rausch, Zertrümmerung, Wille zum Nichts; dort Bildung, Beherrschung, Ruhepol, Übersicht. Zerstören und Bewahren, die beiden Pole unserer Existenz. Der Rauschgott vs. den Traum- und Kunstgott.
        Und jetzt ist endlich mal Ruhe!

        • metepsilonema 4. Juli 2012 um 12:56 pm

          Immerhin leben wir, warum also sollte Ruhe sein? Ansonsten: Danke für die Anmerkung!

          • Phorky 4. Juli 2012 um 3:37 pm

            Hab’sch ja. Zumindest teilweise. Und das kann man ja schon machen, diese Metaphernpole errichten. Klingt auch tief. Ähnlich wie Kant in’ner Einleitung zur Kritik zwei unterschiedliche zeitalterbestimmende Denktendenzen ausmacht: eine analytische, die alles in ihre atomistischen Teilprobleme aufspalten möchte, und eine integrativ-spekulative, die die Gestamtschau versucht. Aber wie sehr hilft uns das Kunst oder menschliche Denkfähigkeit zu verstehen?…

            Aber es sollte ja Ruhe sein im Karton.
            Bin ja schon still.
            Jetzt.

  2. tom-ate 5. Juli 2012 um 12:35 pm

    Warum sollte „System“ und „systematisch“ im Gegensatz zu Schöpfer- und Erfindungskraft stehen? Gut so hast du’s jetzt definiert, dann könnte man das auch so hinnehmen. Aber unter System im Kontext menschlichen Verhaltens würde ich ähnlich wie Phorky ein lebendig, adaptives Ding sehen wollen. Ein sich entwickelndes System. Wenn der Begriff „ein schöpferisches System“ nicht denkbar wäre, dann müsste die Analyse des Begriffskonflikts weitere Konnotationen einbeziehen. In solchen Fällen stehen wir mit der Frage „Und WER, wenn nicht ein System, ist denn überhaupt das schöpferische Subjekt?“ mitten im cartesianischen Theater.

    • metepsilonema 5. Juli 2012 um 3:19 pm

      Zur Klärung: System, das war missverständlich, meint im Ausgangstext die Summe einer bestimmten, systematischen Vorgangsweise, z.B. die Art und Weise wie man ein Experiment durchführt. Und die sollte bei jedem Experiment eines bestimmten Typs möglichst gleich sein. Genauso kann man seinen Alltag oder seine Arbeit strukturieren und systematisieren — man arbeitet dann konzentriert, genau und effizient. Aber was macht man, wenn man auf ein Problem trifft und eine Lösung benötigt? Man sieht in die Luft und wartet auf eine Eingebung; natürlich sucht und denkt man dabei, aber die Idee ist immer plötzlich und unverhofft da, bei mir jedenfalls. Das System (diesmal wir selbst, wie Du richtig anmerkst) weiß in welchen Raum es eintauchen muss, damit sich Lösungen einstellen, aber ob es den Raum erreicht und das Angestrebte eintritt, darüber kann es nicht verfügen.

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