„Geheimnis“

Und ich wage nicht, an der Küchentür zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, daß ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus Kindertagen. Was sonst noch in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will.

Franz Kafka, Heimkehr

Möchte man sein Geheimnis wahren? Und falls ja, warum? Weil man dabei ertappt wurde (oder meint es worden zu sein) ein anderes in Erfahrung zu bringen und darüber peinlich berührt ist? Oder handelt es sich um einen introvertierten, sensiblen und unsicheren Charakter? Hat es mit der nicht mehr möglichen Heimkehr zu tun? Der kurzzeitigen Rückkehr zu einem Ort der Kindheit? Was auch immer: Die Stelle beschreibt eine bestimmte Art von Erleben, das die Allermeisten vermutlich kennen, außerordentlich treffend.

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