Langeweile ist…

…Überdruss am Tun.

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9 Antworten zu “Langeweile ist…

  1. tom-ate 11. Februar 2013 um 11:54 am

    Ist Langeweile nicht das Gar-Nicht-Tun-Können, weil man nicht mehr weiß, was man überhaupt tun wollte/will? Weil einem der Sinn und Reiz am Tun gänzlich fehlt? Langeweile ist also wohl auch die Absenz von Wahn-Sinn, um ihr etwas Positives abzugewinnen.

    • metepsilonema 11. Februar 2013 um 12:19 pm

      Ich habe mir während des Formulierens ähnliche Fragen gestellt und kam zu dem Schluss, dass Langeweile entsteht, wenn man nicht mehr über spezifische Motivationen (d.h. im Wesentlichen Emotionen) verfügt, die man mit bestimmten Handlungen und Tätigkeiten verbindet oder diese in ihr Gegenteil umschlagen: Man wird also auf Grund fehlender oder negativer Motivationen überdrüssig überhaupt irgendetwas zu tun.

      Daneben, kann Langeweile wohl auch entstehen, wenn man zum Nichtstun gezwungen (etwa: eingesperrt) oder genötig (in der Warteschlange) wird.

      Sinn würde ich in diesem Kontext mit Emotionen gleichsetzen (in etwa jedenfalls).

      • tom-ate 11. Februar 2013 um 1:28 pm

        „Langeweile entsteht, wenn man nicht mehr über spezifische Motivationen (d.h. im Wesentlichen Emotionen) verfügt, die man mit bestimmten Handlungen und Tätigkeiten verbindet…“ – So erläutert, ist die Langeweile m.E. gut definiert. Ich hab‘ mich wohl am Begriff „Überdruss“ gescheuert. Überdruss als emotionales Warnzeichen soll doch dazu führen, ein bestimmtes Tun herunterzufahren, auf das wieder Friede i.S.v. Homöostase, also nicht Langeweile, in den Synapsen einkehre. Dachte ich mir.

        • metepsilonema 11. Februar 2013 um 2:38 pm

          Ich hatte den Satz schon vor einer Weile aufgeschrieben und mir später gedacht: Da stimmt doch etwas nicht, ihn nach nochmaliger Prüfung, aber in der ursprünglichen Form belassen (Dein Scheuern bestätigt das).

          • blogozentriker 11. Februar 2013 um 6:48 pm

            Vielleicht wäre hier die Unterscheidung Ennui/Langeweile hilfreich? Langeweile als wirkliches, gesundes Angeödetsein von der Flachheit der Welt, wohingegen der Ennui eher ein Decksyndrom ist, unter dem, vermute ich, das Entsetzen über die Welt steckt. Oder?

            • metepsilonema 11. Februar 2013 um 7:55 pm

              Warum nicht: Wenn wir schon dabei sind, können wir das ja ausdifferenzieren: Es gibt ein angenehmes, willkommenes, ja gesuchtes Nichtstun: Die Muße (die aber gleichzeitig wieder Impulse und damit Tätigkeit liefern soll; nein: kann!). Langeweile dagegen sucht eigentlich kein Mensch, es mag sie auch niemand; — aber setzt das nicht schon einen bestimmten Typ voraus?

              Bleiben wir einmal bei Blogos Vorschlag: Man kann in erzwungene (Ennui) und nicht-erzwungene (Langeweile) unterscheiden; paradoxerweise kann gerade gegen die erste etwas unternommen werden und gegen die zweite nicht; mit der zweiten ist es wie mit der Muße, sie kommt und geht im Prinzip ungefragt; die Lebenskräfte (Motivationen) sind im Falle der Muße vorhanden, jedoch nicht fokussiert; im Falle der Langeweile wie ausgeronnen (man muss geduldig ihre Wiederkehr erwarten).

              Die unerzwungene Langeweile scheint mir weder gesund noch etwas mit dem Angeödet sein über den Zustand der Welt zu tun zu haben; das fiese ist ja: Mir ist langweilig, obwohl vor zwei Stunden alles wunderbar war!

              Decksyndrom? Was meintest Du damit?

              • blogozentriker 11. Februar 2013 um 8:03 pm

                Mit „Decksyndrom“ meinte ich, dass im Grunde etwas ganz anderes vorliegt; wie einer vielleicht im Schützengraben immer gähnen muss und in Schlaf fällt, weil er einfach den Stress anders nicht kompensieren kann. So kommt mir das mit gewissen Formen von Langeweile vor — sie sind verkappte Panikattacken, oder sie drücken, um es an Toms Diskurs anzuschließen, ein Unwohlsein aus, ein Unbehagen des Gehirns. Das Gehirn signalisiert: „Jetzt müssen wir aber mal was tun! Am Ende wird’s sonst eng!“ Und wir können aber nicht, wir können nichts tun, wir können nur (vielleicht das zeitgemäß klassische Bild) mit der Fernbedienung in der Hand auf dem Sofa liegen und uns durch dieses Geflimmer zappen, was die Langeweile wenigstens im Zustand der Langeweile hält und verhindert, dass sie etwas Gröberes, Gefährlicheres, Massiveres wird.

          • tom-ate 11. Februar 2013 um 7:48 pm

            Erfrischend, wenn man sich schon be-scheuert fühlen kann bei Lektüre eines einzigen Aphorismus.

            Aber ist Langeweile dann nicht doch so ein emotionales Warnlicht im Synapsendschungel, das seinen Träger motivieren möchte, etwas statt wie aktual nichts zu tun? Funktional betrachtet? Also mangelt es dem Warnbeleuchteten zwar an spezifischen Motivationen, Zielen, etc., aber Langeweile an sich, wäre eben doch so ein unspezifischer Motivator und gerade wegen seiner Unspezifität oft ätzend, schmerzend, weil an sich (noch) nicht inspirierend? In diesem durchaus gesunden Zustand wäre die Welt zu allem noch anödend und flach, ja.

            • metepsilonema 11. Februar 2013 um 8:44 pm

              Ich versuche eine Antwort auf Deinen und Blogos Kommentar.

              Wir sollten die erklärende und die beschreibende Ebene auseinander halten; eure Ansätze sind eher Erklärungen (funktional, biologisch oder psychologisch), meine Beschreibung ist die eines (subjektiven) Zustands. Beides kann zusammen fallen, verschiedene Seiten desselben Phänomens.

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