Von der Hoffnung des Neuen. Eine Replik auf Roman Frost.

Die Entdeckung einer Welt, ihrer Werke, ja: der Alten selbst, der großen Alten, der Unbekannten und unverdient Vergessenen, steht an. Das ist die Hoffnung, die das E-book formuliert, die es impliziert, von kaum einem bemerkt.

Für die alten Knacker zahlen? Für den Sperrmüll, den wir mit der Schule hinter uns gelassen haben? All das und vieles mehr taucht, einer unbemerkten, aber unaufhaltsam ansteigenden Flutwelle gleich, völlig ungewollt auf den Lesegeräten auf, früher oder später, das ist eine Frage von Statistik: Man wird, ohne Kosten und Aufwand, nur ein Klick!, neugierig geworden oder völlig unwissend, durch die Tür in das ehrwürdige Haus fallen: Kohlhaas? Ist das etwas zu essen? Da man aber durch Zufall und ohne Zwang herein gekommen ist, klopft man sich den Staub von den Kleidern und erkennt, dass das so schlecht gar nicht ist.

Das Ende, besser: die Konsequenz, sieht wie folgt aus: Man stellt sich, begründet durch eine intensivierte oder neue Beziehung, nicht einem Kanon gemäß, also entseelt, weil klassisch oder bildungsbürgerlich begründet, ein Exemplar aus Papier in sein Regal, nein: weil man es begreifen und im Auge haben will! Das Ephemere gewinnt seine feste Gestalt zurück, sogar das Unbekannte, scheinbar nicht existente: Aus einer anarchischen Gleichheit, tritt der Anspruch erneut hervor, das Werk setzt sich selbst und sonst nichts.

Ein Prozess, nicht ohne Risiko, gewiss, aber eine Hoffnung, ein Versprechen möchte man sagen, auf reichen „Gewinn“: Ein Raum jenseits des Ökonomischen tut sich, der subversiven Tendenz des E-books verbunden, auf: Werke, ohne Lasten irgendwelcher Rechte, zumindest diese, man bedenke einmal, wie viele es sind, werden, sobald sie digitalisiert, gescannt oder sauber „gesetzt“ wurden, ganz entgegen allen Gebräuchen des Marktes und den Seilschaften des Betriebs verbreitet werden: Ihr Stachel, unser aller Geißel, wird temporär und räumlich beschränkt, genommen: Nur das Wissen um ein Werk und etwas Zeit sind notwendig und kurz darauf ist eine Vielzahl von Kopien, ganz ohne Aufwand, im Umlauf: Heiner Müller wird neu entdeckt, sehr wahrscheinlich aber nie vergessen werden.

Wir sind Zeugen eines beklemmenden Spiels, die Souveränität, nicht der Autoren, die zweitrangig ist, sondern der Werke, wird in die Waagschale geworfen: Die Karten werden gemischt, eine Dreistigkeit sonder Gleichen, aber antiautoritär in Form und Gehalt: Ich zweifle keinen Moment, die Literatur wird diese Probe bestehen, nur unsere Koordinaten werden sich verschieben, zu einem vollständigeren und angemessenerem Bild hin.

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