Eine Bibliothek sei jedem vergönnt!

Ach!, könnte man dieses kulturkritische Geraune sich selbst über-, und es damit einfach: links liegen lassen, alleine: Es ist, bis in seine tiefste Tiefe hinein, einem Element von Herrschaft verbunden, das alles und jedermann in einen Fatalismus, eine unergründliche Trauer über vorweggenommene und halluzinierte Zustände, zwingen will. Man muss widersprechen, weil man wieder Luft zum Atmen haben, weil man leben möchte.

Hinter der Warnung vor dem Untergang und damit eigentlich: der Masse, versteckt sich die Angst seinen Podestplatz teilen zu müssen: Ein bildungsbürgerlicher Dünkel reinsten Wassers, der sich für die Einsamkeit der Literatur und gegen die Möglichkeit, sie zu einem Gut aller zu machen, entschieden hat: Es kann nicht sein, was nicht sein darf: Folglich redet man das E-book schlecht: In seiner Erbärmlichkeit, immerhin konsequent.

Der Punkt über den Einigkeit herrschen dürfte, ist, dass das, worin sich das Projekt Literatur gründet, nicht autoritativ vermittelt werden kann, sondern als Erkenntnisprozess vollziehen muss, der, darin ist Frost zuzustimmen, zunächst von Unklarheit und Ahnungen gezeichnet sein kann, vielleicht sein muss. Jeder, der das Glück hatte, aus einer Bibliothek Bücher nehmen und lesen zu können, nach seinem Belieben, um dann während der Lektüre auf sein Urteil und Empfinden: und damit auf sich selbst zurück geworfen zu werden, die sprichwörtlich gewordene Axt für das gefrorene Meer, ich meine: Das kann und soll man niemand abnehmen, wenn man es nicht selbst versucht, welchen einen Sinn könnte es sonst haben? Ja, das ist mein Ideal: Man muss sich da selbst hinein wagen, daran führt kein Weg vorbei, allen Hilfestellungen und Anleitungen zum Trotz, sonst tut man das, nein: wird zu dem, was schon zu viele sind. Deswegen sei eine Bibliothek jedem herzlich vergönnt, selbst wenn sie „bloß“ digitaler Natur ist. Glücklicher Weise hat das Netz den Mythos, dass das Digitale mit Abschaum und Müll gleichzusetzen wäre, realiter längst widerlegt. Aber vielleicht entspricht die analoge, der konservativen Position, ich erinnere mich an ganz ähnliche Diskussionen, als die digitale Fotografie ihren Anfang nahm.

Wenn Freude für Sie keine literarische Kategorie ist, hängt das vielleicht damit zusammen, dass Sie verklemmt sind: Ziehen sie den Besenstiel aus ihrem Arsch und machen Sie ein paar Kniebeugen, das hilft, vorübergehend, aber zugegeben: In einem fatalistischen Kerker liegt kaum etwas ferner. Was ich, um auf Ihren ersten Punkt zurückzukommen, mit dem Staub meinte, also vor Augen hatte, war folgendes, zugegeben: unzulängliches Bild, das eigentlich nicht im Text hätte auftauchen sollen: Man stolpert, fällt auf die Schnauze, rappelt sich auf, klopft die Kleidung sauber, sieht nach ob alle Knochen heil geblieben sind und schaut sich um: Das hat nichts mit Staubsaugern oder -wedeln zu tun, viel mehr mit rechtlichen Aspekten: Ich hätte sehr gerne auch große Neue geschrieben.

Dass Bücher Anwälte brauchen, ist Kritikerkitsch, wie Marcel Reich-Ranicki dankenswerter Weise und wider Willen belegt hat. Wenn also, die Literatur souverän genannt werden kann, dann nur weil es die Werke selbst sind und keinesfalls etwas anderes.

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5 Antworten zu “Eine Bibliothek sei jedem vergönnt!

  1. Billy Bob Thornhill 3. Mai 2013 um 9:58 am

    Ich frage mich weiterhin, ob in dieser Art der Argumentation nicht eine Art versteckter Platonismus nachzuweisen wäre: der Glaube, dass das Gute sich dem Guten ganz automatisch erweisen werde. Eine Art Anamnesis. Der kleine englische Arbeitslose, ziemlich am Arsch, der Kleist entdeckt, woraufhin sich sein gesamtes Leben umkrempelt. Gibt’s solche Geschichten? Oder sind es bloß Stories?

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