Ein lesenswerter Text zu Kraus‘ letzten Tagen der Menschheit

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5 Antworten zu “Ein lesenswerter Text zu Kraus‘ letzten Tagen der Menschheit

  1. metepsilonema 3. März 2014 um 12:56 am

    Unausgesprochen bleibt, dass die Phrase[nhaftigkeit] für unsere Gesellschaft mindestens genauso konstitutiv ist.

  2. Rainer Rabowski 3. März 2014 um 3:52 pm

    Das Leben selbst ist eine Phrase. Und so, wie wir uns darin eingerichtet haben, hält es uns auch – und hält uns darin fest.

    Gestern in einem alten Karin Struck Buch gefunden (sinngemäß):
    „Das größere Verlangen wird in Schach gehalten von unserem eingespielteren Verhalten.“ Wir schneiden uns lieber selber dauernd etwas ab.

    Klingt erst mal banal, aber es trifft auf das andauernd sich verkleinernde Liebes-Verlangen ebenso zu wie jetzt unsere Ukraine-Krise.

    Karl Kraus‘ Sicht auf die tatsächlichere Verrohung vor hundert Jahren – der „Ausbruch des Friedens“, in dem doch alles in Ordnung schien – spiegelt sich in dem Versuch zur „Einbindung“ eines zynischen Faschismus à la Putin mit lupenreinem Nazionalismus, rechten Schlägertrupps und Politskowkaja-Morden, als lebensverachtender Schutzmacht Syriens, und und und.

    Der Dialog selber ist die Phrase, ist die Beschwichtigung des Falschen.. Aber er ist eben das Leben, unseres. Nämlich Koexistenz.
    „Es gibt kein richtiges Leben im Valschen.“ Stimmt immer noch.

    • metepsilonema 3. März 2014 um 10:48 pm

      Hm, zwangsläufig? Wenn wir zumindest einige unserer verdeckten Widersprüche erkennen, könnten wir der Phrasenhaftigkeit ein Stück weit beikommen.

      Selbstbeschneidung, das trifft gut, zu gut.

      Kann man, soll man ausschließen, dass die Einbindung einen Wandel im Eingebundenen hervorruft. Oder anders: Was wäre die Alternative? Ich meine: die humanere Alternative?

      “Es gibt kein richtiges Leben im Valschen.”

      Klar stimmt das, erkenntnistheoretisch gesehen, weil „richtig“ und „falsch“ einander ausschließen. Gemeint ist es wohl moralisch (aber dann sollte man auch die richtigen Kategorien verwenden). — Danach ist Eindeutigkeit jedenfalls viel schwieriger oder gar nicht mehr zu bekommen.

      • Rainer Rabowski 4. März 2014 um 10:42 am

        Aber KK sagt es ja: Der Einwand gegen ihn (seine Bitterheiten, seine Unerbittlichkeiten) ist seine Prämisse. Es muss denkerische Positionen außerhalb der Vermittlung geben. (Auch per se unverstandene, vulgo „Kunst“, schon weil sie sonst der Phraseologie unvermeidbar anheim fallen und keinen Horizont von Korrektiv mehr bilden.)

        Das „valsch“ war nur eine phraseologische Variation des humoristischen Arms der „Frankfurter Schule“, Robert Gernhardt et. al. Den fand ich als Dichter immer eher dürftig. Aber auch das Richtigere kann anscheinend nicht anders, als andauernd unterwandert zu werden.

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