Der Song Contest und die Diskussion der Kandidaten: Inszenierungen überall.

Ich habe mir den Song Contest nicht angesehen, weil er mir als eine Verschwendung von Zeit erschien: Dort geht es um vieles, nur nicht um Musik, war mein gedanklich formuliertes Vorurteil.

Aber der Berichterstattung davor und vor allem danach, entkam ich nicht und sie erweckte den Eindruck einer gelungenen medialen Orchestrierung, geschickten Marketings und eitler Selbstgefälligkeit, eine Inszenierung, die anscheinend ohne jeden Widerspruch blieb (es sei denn mir wäre etwas entgangen).

Hat das mit der Thematik zu tun, um die es hier, jenseits der Musik geht, die ich aber nicht meine oder irre ich mich (natürlich: die äußeren, politischen Umstände passen sehr gut)? Fällt hier, salopp formuliert: nicht eine Gesellschaft auf sich selbst herein? Erliegt man den eigenen Darstellungen oder liegt eine arglistige Täuschung vor?

Fürchterlich, wie noch vor der Diskussion der Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten von diesem und jenem ein paar zustimmende, selbstgefällige Worte eingeholt werden, bevor der Vorhang zum nächsten medialen Großereignis hoch gezogen wird: In beiden Fällen, dem Song Contest und der Diskussion der Kandidaten, wurden Wirklichkeiten erzeugt, aber nicht befragt und nicht reflektiert, was sie mit der tatsächlichen (diese einmal angenommen) gemein haben könnten.

Es ist ein Unbehagen, dass das alles in mir erweckt, mit dem mir ernst ist (und, dass mich beim Sehen dieses Videos von Neuem überkam)1, das womöglich aber wenig begründet ist: ein Bauchgefühl, dass hier etwas völlig falsch läuft (und selbst in seiner Deutlichkeit kaum wahrgenommen wird).

In der „Analyse“ danach, werden ein paar wichtige Dinge thematisiert: Stefan Lehne (Carnegie Europe) spricht von einer „Vorspiegelung falscher Tatsachen“ und stellt fest dass „die wahre Macht beim europäischen Rat“ liegt, der Wähler werde folglich in die Irre geführt; Florence Autret (La Tribune) merkt an, dass die Themen Sozialpolitik und Steuerpolitik nationale Belange wären und Einstimmigkeit benötigen: „Die lügen alle ein bisschen“, ganz wie im nationalen Wahlkampf. Und Cerstin Gammelin (Süddeutsche Zeitung) spricht davon, dass es einfacher ist, sich in der Musik zu einigen als in der Politik (wenn im Fall der Musik, diese überhaupt noch eine größere Rolle spielen sollte, was man auch aus einem Kommentar Stefan Petzners herauslesen kann).

Aber wer seinen Teil durch die Inszenierung der Diskussion, die wie eine Quizshow wirkt, zu diesem Verständnis beiträgt und in der nur thematische, keine kritisch-reflexiven Fragen zum Selbstverständnis gestellt werden (mit viel zu kurzen Redezeiten und wenig Diskussion zwischen den Kandidaten), wird nicht angesprochen (aber vielleicht ist das, in diesem Kontext, ein zu viel an Erwartung).

* * *

1 Wenn ich darüber nachdenke, vielleicht weil ich einen Betrug wittere, dass man mir mit angenehmer Musik und gut geschnittenen Bildern etwas unterjubeln will und sich nicht mit der Sache selbst zufrieden gibt, um die es eigentlich geht (auch die Sprache ist verräterisch, aber das ist für den Eindruck von nachgeordneter Priorität).

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