Das unbefragt Hingenommene,

eigentlich: Angenommene, jene impliziten Teile unserer Sicht von Welt: Verflucht sollen sie sein, oder mehr noch: Unsere Unfähigkeit sie zu erkennen!

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4 Antworten zu “Das unbefragt Hingenommene,

  1. Gregor Keuschnig 8. März 2015 um 10:57 am

    99% müssen wir unbefragt „hinnehmen“. Ansonsten würden wir irre.

    • metepsilonema 8. März 2015 um 12:11 pm

      Ja, aber davon existiert durchaus eine Art Bewusstsein (z.B. ich kann etwa in ökonomischen Fragen nur innere Logiken prüfen, eventuell etwas nachlesen, das war es dann auch … ich kann nichts empirisch prüfen, eigene Erfahrungen habe ich kaum, Einschätzungen sind daher schwierig). Ähnlich verhält es sich häufig mit medialen Berichten (Plausibilität, Quellen, etc.).

      Manchmal aber schleichen sich Dinge ein (eher etwas wie Erzählungen), die man erst (viel) später bemerkt, die vielleicht nicht gänzlich falsch sind, aber mindestens einer deutlichen Korrektur bedürfen und vorher einfach hingenommen wurden, eben ohne irgendein Bewusstsein. Darüber ärgere ich mich dann.

  2. Detlef Zöllner 9. März 2015 um 8:54 pm

    Ich befasse mich gerade mit Wygotskis „Sprechen und Denken“. In diesem Buch geht es unter anderem um Atomatismen, die wir uns durch Erfahrung einverleiben. Diese Automatismen gewährleisten, daß wir ‚funktionieren‘. Aber sie hindern uns auch am Denken. Wie auch umgekehrt: denn das Denken behindert unsere Automatismen. Der sprichwörtliche Tausendfüßler, der über das Gehen nachdenkt, gerät uweigerlich ins Stolpern.

    Dennoch bilden die Automatismen der Erfahrung die Grundlage unseres Denkens. Wenn ein Kind sprechen lernt, lernt es nach und nach auch, grammatisch korrekt zu sprechen. Aber es weiß von dieser Grammatik nichts. Erst wenn es die Schule besucht, wird ihm die Grammatik, die es schon automatisch beherrscht, bewußt. Und so wie ihm die Grammatik bewußt wird, wird ihm auch nach und nach die Logik des Denkens – die ihre Wurzeln in der Grammatik des Sprechens hat – bewußt, obwohl es schon lange vorher — wenn auch nur unbewußt – dazu in der Lage war, logisch zu ‚denken‘.

    Schließlich gelingt es dem Jugendlichen und Erwachsenen, die Logik des Denkens zu beherrschen, so wie es dem Schulkind gelungen ist, die Grammatik des Sprechens zu beherrschen.

    Käme aber die unbewußte Automatik des kindlichen Erfahrungslernens dieser bewußten Kontrolle des Denkens nicht entgegen, gäbe es kein Denken. Trotzdem gilt: beide behindern sich gegenseitig.

    Bezogen auf Ihr Problem sehe ich es so: Wir saugen tagtäglich medial vermittelte Informationen auf, und diese formen unbewußt unser Weltbild. Dieses Weltbild ‚funktioniert‘, aber es ist fehlerhaft und wahrscheinlich sogar falsch. Aber ohne dieses medial vermittelte Weiltbild hätten wir kein Material für unser Denken. Nur wenn wir uns unserem Weltbild denkend zuwenden, können wir lernen, seine Logik zu durchschauen und zu beherrschen. (In einem forwährenden Prozeß, denn wir leben ja immer weiter und saugen immer weiter medial vermittelte Informationen in uns auf.)

    Das ist zwar so nicht mehr Wygotski. Aber es ist der Versuch, einen Schritt weiterzugehen. Es ist der Versuch, einen Nutzen auch noch daraus zu ziehen, daß die Erfahrung des heutigen Erwachsenen nicht mehr authentisch, wenn auch automatisch, sondern medial vermittelt (und automatisch) ist. Denn so sammelt sich immer neues Material an, das unser Denken beflügelt.

    • metepsilonema 11. März 2015 um 10:58 pm

      Danke für die Ergänzungen. Wahrscheinlich meinen wir ohnehin dasselbe, aber beim Sprechen würde ich zunächst eher von intuitivem Lernen sprechen, das später Automatisierungen zulässt, daneben aber auch flexibel bleibt. Auf viele Handgriffe des täglichen Lebens lässt sich das vielleicht noch besser anwenden: Vom Binden der Schuhe bis zum Duschen oder Abwaschen. Man bemerkt ganz gut was man längst automatisiert hat oder wie selbstverständlich tut, wenn kleine Kinder neben einem stehen und selbiges versuchen (genau: wenn man dann in Gedanken versinkt, weiß man nicht mehr was man getan hat oder es verunglückt überhaupt).

      Dem was Sie über Medien, unser Weltbild und die Auseinandersetzung mit ihm schreiben, möchte ich zustimmen, mit einer Ausnahme: Ich fürchte, mittlerweile sind wir bei Materialmengen angelangt, die unser Denken weitgehend zerstören, wenn wir sie nicht filtern oder mit allen verfügbaren Mitteln eindämmen (die Quellen die ich ich nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch zur Verfügung habe, übersteigen mein Fassungsvermögen bei weitem).

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