Eine Bemerkung zur Unfreiheit des Künstlers

Unfrei ist der Künstler in jenen Augenblicken, in denen ihn etwas derart bedrängt, dass er ihm habhaft werden muss; Eile ist geboten, weil das, was sich zeigt, ihm sofort wieder entgleitet: Frei wird oder ist er erst danach.

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6 Antworten zu “Eine Bemerkung zur Unfreiheit des Künstlers

  1. Rocky Schmocky 16. August 2017 um 8:27 am

    Ich würde fast eher sagen, dass die Freiheit des Künstlers in diesem inneren Zwang besteht! Etwas, das über die Mietzahlung hinausgeht, motiviert ihn zum Heraustreten aus der Trägheit. Sehr bürgerlich ist es, Freiheit und Leere zu verwechseln.

  2. metepsilonema 16. August 2017 um 5:48 pm

    Es ging mir nicht um die Leere, sondern darum, dass die Freiheit im Überarbeiten und Formen dessen, was im Zwang, genötigt oder getrieben entstand, besteht (das, was Schiller mit dem Spiel meinte).

  3. Tom Mentator 16. August 2017 um 10:38 pm

    Wobei Du natürlich eine Trennung von Ausdruck und Sachgehalt oder Form und Inhalt vornimmst, die gefährlich ist. Sobald der Zwang weg ist — ist da nicht auch die Kunst weg?

    • metepsilonema 17. August 2017 um 6:32 pm

      Glaube nicht, dass ich das tue: Klar, es gibt verschiedene Arten des Schreibens und natürlich, das Empfundene, Erzwungene, Spontane, etc. gehört dazu; wenn Kunst aber einen Formungsprozess (inhaltlich, formal, stilistisch,…) bedeutet, dann ist sie eben nicht nur momentgebunden bzw. gezeugt.

      • Rocky Schmocky 18. August 2017 um 8:57 am

        Aber ist das dann so etwas wie eine Verklärung der Dämonie, der Besessenheit des Künstlers, die glücklicherweise nur von kurzer Dauer ist und sofort nach der Befruchtung des Papiers (oder der Word-Datei) das Feld den besseren Engeln unserer Natur überlässt?
        Die Unfreiheit, die hier beschworen wird, ist eine recht luxuriöse, mit Stipendien und Aufsatzsammlungen geschmückte, scheint mir.
        Was ich zu bedenken geben wollte, war, ob diese Unfreiheit in Wahrheit nicht die eigentliche Freiheit ist — weil es sich um etwas Unvermeidliches handelt.
        Während dann die Formung, die Bearbeitung … das machen wir alle im Büro.
        Die Rede über die Inspiration — vielleicht ist es das — fällt hier so unfroh aus.

        • metepsilonema 21. August 2017 um 4:32 pm

          Vielleicht liegt das Missverständnis dort: Dass ein Einfall sich überhaupt erst zeigen kann, dazu braucht es eine Art Freiraum, unbestimmte Zeit oder Zeit in die etwas anderes einbrechen kann. Aber der Einbruch selbst ist eben einer, so als ob jemand anderer den Bleistift führte: Damit ist allerdings nichts über Freude, Frohsein oder die Schönheit dieser Momente gesagt. Und das Nachher ist keine Büroarbeit, sondern ein verwandter Prozess, aber nicht derselbe, sondern einer, der ein Einfühlen in das Bestehende erfordert und zugleich ein bedachtes Weiterentwickeln ermöglicht.

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