Schlagwort-Archiv: Bildung

Ressourcen überall: Eine Notiz.

Wann immer der Begriff Ressource in einem nicht-ökonomischen Kontext auftaucht, z.B. in Form von personalen oder sozialen Ressourcen, sollte man auf der Hut sein: Er verweist auf eine funktionelle Kaperung von etwas, z.B. der Beziehungsfähigkeit einer Person, das im Wesentlichen einer anderen Logik gehorcht, meist einer Seins- oder Unverfügbarkeitslogik, das aus seinem Kontext heraus gelöst und in einen funktionellen Rahmen gestellt wird: Beziehungsfähigkeit wird nicht mehr im Zusammenhang mit den dazugehörigen Personen gesehen, sondern als Fähigkeit, als Potenzial, etwas zu erreichen, sie wird nutzbar gemacht bzw. erhält der Nutzbarkeitsgedanke ein Übergewicht*. Und: Was noch nicht genutzt wird, kann oder sollte das in Zukunft werden. — Es ist, als ob das Denken von Managern zur neuen Leitorientierung geworden ist. Dieses Denken muss nicht zwangsläufig und überall zu schlechten Ergebnissen führen, aber man muss sich doch wundern, dass dies in Disziplinen wie der Pädagogik, in der Ausbildung oder in Schulen mittlerweile zum Standard geworden zu sein scheint. — Dem Ressourcenbegriff ist der Kompetenzbegriff verwandt, er entstammt demselben Denken und diese beiden scheinen nur durch ihre „Auslastung“ zu trennen zu sein. Man fördert heute also Kompetenzen und verweist auf Ressourcen (Potenziale), zergliedert also Person und Persönlichkeit und lernt diese nicht als ganze, um ihrer selbst willen zu schätzen, um von diesem Punkt aus eine dem Lernen dienende Beziehung zu schaffen: Ein Irrsinn. Und wohl das Ende dessen, was man einmal Bildung nannte (und womit heute nahezu alles Lernen, jede Ausbildung und Entwicklung bezeichnet wird, nur nicht das, was sie eigentlich ausmacht und ist).

*Man vergleiche die Formulierungen: Hans hat viele Freunde. Hans ist ein empathischer Mensch. Hans ist sozialkompetent. Hans besitzt die Ressource Beziehungsfähigkeit.

Lesen und Dummheit.

Lesen gefährdet nicht die Dummheit, gegen diese ist man weitgehend machtlos, vielmehr ist es Mittel gegen Unbildung und Unwissenheit, es fördert die Reflexions- und Auseinandersetzungsfähigkeiten; nicht zuletzt die Phantasie.

Hülsen und Stil

Lässt sich unsere Realität mit den Worthülsen der Öffentlichkeit, wie sie uns gerade wieder um die Ohren fliegen, überhaupt noch angemessen fassen? Oder verschmieren sie mit dem, was wir uns schon zurechtgelegt haben? Ist eine Voraussetzung dieser Angemessenheit, die mit einer Kritik der Verschmierung gleichzusetzen ist, nicht auch eine stilistische?

Bildung…

…ist ein Prozess, dessen Ziel unklar bleibt und damit auch unerreichbar; der Zustand gebildet zu sein, ist ein Missverständnis wie die Auffassung man könne Bildung einfach als Recht in Anspruch nehmen; und ein Missverständnis wäre es auch Bildung ohne Gestaltung zu begreifen, ganz ähnlich der Arbeit an einer Plastik, die (selbstverständlich) nichts anderes als man selbst ist.

Und Neugierde,

wiederum, ist nicht ohne: Begeisterung.

Interessiert sein an:

Das bedeutet nichts anderes als: Neugierde.

Eine schwierige Annäherung…

…scheint mir der erste Kontakt mit Kunst zu sein, weil sie fast immer als — gesellschaftlich akzeptiertes und damit gesetztes –- Besonderes daher kommt. Glück dem, der ihre Größe entdecken kann, ohne zuvor von ihr erfahren zu haben.

Bildung

Die Abwehr des Fremden, Unbekannten und Anderen steht ihr entgegen; sie bedarf eines passiven, aufnehmenden, einlassenden Elements: Etwas wie zu hören.

Bildung und bilden. Gedanken.

Im Unterschied zu Wissen und Information, die als statisch oder festgefügt angesehen werden, assoziiert man „bilden“ und „Bildung“ mit einem Vorgang kontinuierlicher Veränderung. Es ist sinnvoll, von einem derzeitigen Stand des Wissens auszugehen, jedoch nicht von einer aktuellen, zeitgemäßen Form von Bildung, die immer über das bloße Sammeln und Ordnen in einer Art Setzkasten, einer Kartei oder einem Lexikon, hinausgeht, aber ohne den Erwerb von Wissen nicht denkbar ist: Bildung liegt eine bestimmte Art und Weise der Handhabung von Information und Wissen zu Grunde, die sie erst konstituiert. Die Inhalte des Bildungsprozesses, die Art und Relevanz des beteiligten Wissens, können (und sollten) unter dem Aspekt des Verfalls und der Erneuerung betrachtet werden.

Es liegt nahe, Bildungsprozesse als vorläufige, nie abgeschlossene Formung und Gestaltung aufzufassen. Aber was verändert sich eigentlich, worin nimmt es seinen Ausgang und welchen Zielen dient es? In welchen Relationen muss ein Wissenserwerb stehen, um Bildung genannt zu werden? Und was macht das zweite gegenüber dem ersten besonders?

Weiter auf Begleitschreiben.

Ein Besuch in den besetzten Hörsälen Audimax* und C1.

Die Besetzer laden zu einer Führung. Freitag, um 17:30. Treffpunkt: Arkadenhof der Universität Wien. Mittlerweile ist es fünf Minuten nach 19 Uhr, und ich sitze noch immer in mitten meiner Arbeit. Ich klicke auf antworten, bitte um einen Sondertermin, und schreibe: So das Wort „objektiv“ ernst gemeint ist, würde ich mir gerne ein Bild machen. Warum verschickt man solche Emails morgens um vier?

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