Schlagwort-Archiv: Demokratie

Politik und Moral I

Moralische Vorstellungen mögen Anstoß und Motivation zur Beschäftigung mit politischen Fragen und Problemen sein, sie sind aber nicht mit deren Lösung zu verwechseln. Die Moral sagt nicht was zu tun ist, sie sagt auch nicht wie, nur: dass etwas geschehen muss. — Das Trügerische an der Moral ist, dass sie uns sicher macht auf der richtigen Seite zu stehen, dass das bereits genügen könnte und eigentlich blind für die Schwächen der eigenen Position, die Richtigkeit der anderen und die Notwendigkeit von Kompromissen.

Toleranz impliziert…

…Wechselseitigkeit (oder sollte es; das wird gerne vergessen).

Das Private…

…ist das Verborgene [das vor manchen anderen Verborgene; das, was wir gerne verborgen hätten; das verborgen Geglaubte].

Argumente…

…(er)fordern Pragmatismus.

Satire. Oder?

Ich kann Lutz Bachmanns Foto nur als Satire wahrnehmen, ich musste sogar lauthals lachen, weil es den Wahnsinn der Person Hitler relativ subtil sichtbar macht (die schlechte Rasur um den Zweifingerbart, der Haarscheitel, die verdrehten Augen, die beinahe krampfartig starren Züge) und ihn damit vom Podest der Führung, der Autorität, holt (die er für viele nicht mehr, aber für einige noch hat): Sie ist keine und er eine lächerliche Figur. — Das Beispiel und seine Aufnahme in den Medien – von reißerisch bis eher unerwartet – zeigt, dass der kulturelle Kontext, die Wahrnehmung und individuelle Bereitschaft hier sicherlich eine Rolle spielen, Satire muss nicht (immer) eindeutig sein, man kann vielleicht sogar sagen: Gute Satire gewahrt sich eine gewisse Offenheit und verhindert dadurch Plattheit: Man muss sich einen Moment lang anstrengen, muss überlegen.

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Diskursethik und Demokratie

Einige Wortmeldungen, Beurteilungen und Stellungnahmen zu Pegida sind ein Anlass, um über die Grundlagen und die Wichtigkeit des öffentlichen Diskurses1 als Mittel der Verhandlung (über Politik) in Demokratien nachzudenken; daneben gibt es eine Reihe beinahe täglich angewandter rhetorischer Tricks, die die Methodik und die Konzeption des rationalen Diskurses unterlaufen und manipulieren: Man ist scheinbar Teilnehmer, setzt sich aber auf Grund von Scheinargumenten, unsachlichen Angriffen, Täuschungen, usw. durch. — Da dieser diskursive Rahmen als Kern unserer Demokratien immer wieder, nein, man muss sagen: laufend außer Kraft gesetzt wird, gilt es regelmäßig auf ihn hinzuweisen und ihn einzufordern, als Regelwerk, das letztlich allen politischen Diskussionen und Entscheidungen zu Grunde liegt und für Transparenz und Nachvollziehbarkeit sorgt.

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Politische Analytik zuerst. Eine Replik auf Anneliese Rohrer.

In ihrem Text „Das Irrationale zu Ende denken?“ schlägt Anneliese Rohrer einige richtige und wichtige Dinge vor, etwa im Umgang mit Russland; zugleich bleibt sie einer weit verbreiteten Art der politischen Betrachtung verhaftet und bemerkt nicht, dass das (europäische) politische Denken (die geopolitische Analyse) weitgehend inexistent ist; statt nachzudenken und zu analysieren hantieren wir mit den Kategorien der Moral, personalisieren Fragen nach Macht und Interesse und denken eurozentrisch. — Damit werden wir bestehende Konflikte eher ausweiten als beschränken und neue durch unser eigenes politisches Handeln entfachen, einfach weil wir nicht mehr zu begreifen im Stande sind, welche Auswirkungen unser Tun hat, aus welchen Gründen andere handeln oder welche Ziele und Interessen sie haben (und in welchem übergeordneten Kontext all dies steht). — Dieses Phänomen ist nicht neu und bis in die Tagespolitik** hinein zu beobachten.

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Um politisch zu wirken,

muss sich die Angst konkretisieren, also zur Furcht werden.

Der Islamische Staat: I. Eine unbeantwortete Frage.

In diesem und den folgenden Texten sollen einige Gedanken und Assoziationen die mit dem ausgerufenen Kalifat (dem Islamischen Staat) im weitesten Sinn in Zusammenhang stehen, formuliert werden, mehr als Thesen und Ausgangspunkte allfälliger Diskussionen, denn als abgeschlossene Überlegungen.

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No comment? Ein Vorschlag für die Zusammenführung, Verdichtung und Integration von Online-Kommentaren.

Christoph Kappes fasste in seinem, vor etlichen Tagen veröffentlichtem, Text über Kommentare, Trolle und digitale Kommunikation, die Maßnahmen der Süddeutschen Zeitung in dem folgenden Paradoxon zusammen: »Darf das Meinen (-> Meinungsfreiheit) eingeschränkt werden, um das Meinen (-> Meinungsbildung) sicherzustellen?« Sind also einschränkende Maßnahmen erforderlich um Online-Diskussionen zu ermöglichen, bzw. diese teilweise oder ganz abzuschalten, um einen Raum der Meinungsbildung überhaupt zu erhalten? Ein Recht auf Kommentierung gäbe es nicht1.

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