Schlagwort-Archiv: Diskurs

Pseudonyme im Netz: Wenn ein Teil als Ganzes gilt.

Der Vergleich des Tragens einer Burka in der Öffentlichkeit und der Nutzung eines Pseudonym im Netz ist durchaus erhellend, wenngleich man die verschiedenen sozialen und zwischenmenschlichen Interaktionsmöglichkeiten und weitere Unterschiede berücksichtigen müsste (auch das Verschleierungsverbot in der Öffentlichkeit scheint mir diskutabel).

Leider tut Alan Posener dies nicht und er zieht ebenso wenig in Betracht, dass die Betreiber diverser Plattformen, Blogs und Foren zunächst in die Pflicht zu nehmen wären, denn sie bestimmen die Regeln der Kommunikation (in Hinblick auf etwas wie eine Hausordnung ist der Verweis auf Selbstregulierung falsch, der Vergleich mit Raucher- oder Nichtraucherzimmern in Restaurants wäre allerdings eine nähere Betrachtung wert gewesen). Stattdessen werden (wieder einmal) die pöbelnden Zeitgenossen als Ganzes angesehen und ein Ende der Anonymität im Netz gefordert (über die Konsequenzen in Zeiten rigoroser Datensammlung und Überwachung nachgedacht wird freilich nicht, man hat eher den Eindruck, dass dies als „Überschätzung der eigenen Wichtigkeit abgetan wird“); aber: das jüngst etablierte Recht auf Vergessen hätte dann doch seine Berechtigung. — Auch der Unterschied, dass die Kenntnis des Gesichts eines Gegenübers nicht dasselbe wie eine Identifikation ist, wird übersehen und der Antagonismus Anonymität gegen Nichtanoymität ist in diesem Kontext falsch, weil er per se nichts über die Diskussionskultur aussagt, sie ist etwas das gelernt und gewollt werden muss, erzwungen werden kann sie nicht (in Demokratien zählen nicht Gesichter oder Namen, sondern Argumente).

So bleibt ein wenig durchdachter Text, von dem man den Eindruck hat, dass er von einer Forderung ausgehend geschrieben wurde. — Das ist freilich keine Verteidigung des Schlammwerfens aus der Anonymität, allerdings erscheint es mir als ein Übel, das in Kauf genommen werden muss und als eines, dem man durchaus auf andere Art und Weise begegnen kann (es hätten sich leicht Beispiele dafür finden lassen, dass pöbelnde Kommentare nicht länger toleriert werden, die Zeit etwa entfernt entsprechende Stellen aus den Kommentare und stellt dies aus).

Werbung

Demokratie…

…bedeutet auch, dass Bewusstseinsveränderungen aus Einsicht, also: freiwillig, erfolgen sollen und dies wiederum: Geduld und Vertrauen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Geschenkt!

Ein Zerstörungswerk als Schauspiel, das etliche noch in gutem Glauben, ein zynisches Wort Lenins drängt sich auf, unterstützen, so kann man die letzten Tage des, ja: Kampfs um einen Sitz im europäischen Parlament, bezeichnen. — Ein Abbild davon, halbgar und undurchdacht, Folge und Methode zugleich, ist dieser Leserkommentar im Standard. Mehr von diesem Beitrag lesen

Öffentlichkeit. Definitionsversuche und Überlegungen.

Die Aussage, dass etwas öffentlich bekannt geworden ist, beansprucht Relevanz in zweierlei Hinsicht: Man sagt Derartiges nicht über das Wetter oder die Ergebnisse von Fußballspielen, sehr wohl aber über Sachverhalte oder Ereignisse, die zunächst verborgen geblieben sind oder zurückgehalten wurden, im Zusammenhang mit Vertuschungen, Skandalen oder dem Privatleben bekannter Personen: Dem Sachverhalt oder Ereignis wird eine gewisse Singularität, eine Nichtselbstverständlichkeit beigemessen und zugleich eine demokratiepolitisch kritische „Masse“ (die Öffentlichkeit) angesprochen, kurzum: Öffentliches Bekanntwerden bezeichnet die Wahrnehmung1 durch einen Großteil der politisch interessierten und relevanten (d.h. ihr Stimmrecht ausübenden) Bevölkerung. Mehr von diesem Beitrag lesen

Ist nicht alles Hoffen aussichtslos,

also: Täuschung? Ein paar Tage innenpolitischer „Diskurs“ in Österreich wecken die Befürchtung Vernunft und Verstand wären bloß hoffend im Menschen angenommen, also die Idee von Aufklärung eben dies: Täuschung.

Wie auch immer, in aller Knappheit ein Ideal und eine Art politische Hoffnung gleichermaßen:

  • Verantwortung statt Gesinnung
  • Argument statt Interesse
  • Reflexion statt Hysterie
  • Diskurs statt Gewalt

Zu guter Letzt bleibt noch ein Wort: Genauigkeit. — Ist das zu viel verlangt?

Selbstgefälligkeiten eines Berufsstandes

Kritischer Journalismus ist einer, der die Kritik auch gegen sich selbst zu wenden vermag, der Kraft und Fähigkeit zur Selbstreflexion besitzt: Das irreführende Wort von der vierten Gewalt, die weder demokratisch legitimiert ist, noch kontrolliert wird oder jenes, in den vergangenen Tagen immer wieder bemühte, von der freien Presse als Garant unserer Demokratie, vergisst oder übersieht, dass weder Presse noch Journalisten per se irgendetwas garantieren, sondern nur deren Fähigkeiten und Arbeit, das heißt: Die Funktionalität und Qualität von Presse, Pressewesen und anderen Medien helfen den öffentlichen Diskurs sicherzustellen und dienen dem Interessenausgleich einer Demokratie. — Sie helfen und dienen: Aber sie repräsentieren diesen Diskurs nicht alleine. Mehr von diesem Beitrag lesen

Der Sinn für Demokratie

ist mehr das Wissen um die Möglichkeit einer Lösung, als deren tatsächliche Kenntnis.

Definitionen…

…sollten offene Setzungen sein. Dadurch dienen sie der Bestimmung, der Eingrenzung und Verständlichkeit; gleichzeitig bleiben sie aufgeschlossen für Irrtum, Veränderung und Kommunikation.

Posting versus Leserkommentar: Ein Gegensatz der keiner ist. Eine Replik.

Verstehen wir Posting* und Leserkommentar als unterschiedliche Formen schriftlicher Äußerung, dann wäre es nur unter gleichen Voraussetzungen sinnvoll von einem qualitativen Gegensatz zu sprechen. Da diese aber, wie der Autor herausarbeitet, nicht gegeben sind, sollte man das, wenn nicht unterlassen, so doch einschränken und in seinen Konsequenzen mit bedenken. Darüber hinaus verbirgt sich im Untertitel von Norbert Hasenöhrls Kommentar eine Unstimmigkeit: Wenn es tatsächlich nur um Meinungsäußerungen ginge, dann bräuchte man sich gar nicht weiter bemühen, eine Meinung ist ja, gemeinhin, eine nicht weiter begründete Aussage zu einem Thema oder einer Problematik. Mehr von diesem Beitrag lesen

Ein Parkgespräch.

Beinahe sommerliches Wetter: Ein älterer Herr sitzt verkehrt auf einer Parkbank, also mit dem Rücken zu mir. Er betrachte Gras und Büsche, Tulpen und Flieder, während er in sein smart-phone spricht. Das macht es mir leicht. Aber erst nach einiger Zeit erkenne ich, dass er gar nicht telefoniert…

…so ist der Park immer Kultur und gleichzeitig doch Natur. Natur als Ausgangsmaterial seines Gestaltungsprozesses, geformt, aber nicht grundsätzlich entfremdet, ein dauerhaftes, lebendes Symbol von Unterwerfung, eine Aporie: In jedem Park erleben wir unleugbar Natur im Moment ihres Nichtmehrseins. Mehr von diesem Beitrag lesen