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Hochsommer

Es ist ein eigenartiger Friede, den der Hochsommer dem Land auferlegt: Die Raserei verebbt, wie die Emsigkeit und die Lebendigkeit der Natur, eine unzeitgemäße Einkehr, möchte man meinen: In der Hitze verdorrt die letztere, gleichsam ihr erstes Sterben und in derselben Hitze sinken wir ermattet zu Boden und begreifen die Verwandtschaft zu unserem täglichen Tun nicht: Wir wünschen uns bloß ein Ende der Hitze und der Schwüle, um endlich wieder etwas Vernünftiges tun zu können, und meinen damit bloß das, was wir sonst auch tun, wir hoffen also irgendetwas tun zu können. Ein Wunsch nach der Fortsetzung des Irrsinns, keine Einkehr und vielleicht ist es mein Irrtum an so etwas überhaupt zu denken. — Also finden, in diesem drückenden Schweigen, noch einmal Sterben und Schönheit zusammen, ohne einander aufzuheben, das Wesentliche ist beisammen, in der Natur wenigstens: Aber sind wir ihr nicht längst entlaufen? Haben wir uns nicht eine künstliche an ihrer statt erschaffen? Und trotzdem: In Mitten dieses Widerspruchs streckt sich mein Jubel, mein Lebenssinn empor: Das Widersprüchliche als der große Nährer, und wieder ich denke mir: Ist das so? Die Spontanität meines Jubels, spricht dagegen: Das Leiden am Sein, wie eine letzte menschliche Regung, im gewaltsamen Verschränken der Dinge, im Zusammenzwingen der Sinne, ein Verschmelzen, ein Verschieben, Delirium und Trance: In dieser Hitze liegt mehr Lebendigkeit, als in unserem sonstigen Tun! — Ein schalkhaftes Lachen, eine Fröhlichkeit, die im Nichtverstehen der anderen, das ich ihnen frohen Muts unterstelle, seinen Raum gewinnt.

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Sich verwurzeln.

Aber wo denn noch?

Die Setzung der Stimme

Das Existenzielle der Literatur ist die Gesetztheit der Stimme, die ohne den Stil nichts ist und sich doch nicht in ihm erschöpft: Die Stimme nötigt uns, sie für eine, – nein: die! –, Welt zu nehmen, von der wir wissen, dass sie es nicht ist und nicht sein kann und der wir uns doch nicht entziehen können. — Der Anspruch der Stimme geht über ihr Vermögen eine solche zu sein, durch ihre Beredtheit hinaus und dadurch wird sie, was sie ist: Andernfalls wäre sie bloß eine unter vielen und ohne Bedeutung.

Leben…

…oder das Vertreiben der Zeit bis zum Tod hin.

Begründete Hoffnung…

…ist keine.

Leben im Ameisenhaufen.

Man kann sagen, dass unsere Welt ein bedeutungsloser Ameisenhaufen ist, aber gerade dadurch, dass er unsere Welt ist, bekommt er seine Bedeutung (und Anziehungskraft).

Eine Bitte…

…kennt keine Bedingungen, kein „sonst…“; sie ist ein Flehen, höchstens ein Appell und dabei immer Ausdruck von Bedürftigkeit.

Trägt die Vergänglichkeit dieses einen Lebens…

…nicht schon den Anspruch auf alles in sich?

„Am Ende des Lebens“

Jedenfalls sagen zu können, irgendwann und immer: diesen Versuch ist es wert (gewesen).

Ich bin,

wenn er alleine ist.