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„Geheimnis“

Und ich wage nicht, an der Küchentür zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horche ich stehend, nicht so, daß ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche, erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus Kindertagen. Was sonst noch in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selbst wie einer, der sein Geheimnis wahren will.

Franz Kafka, Heimkehr

Möchte man sein Geheimnis wahren? Und falls ja, warum? Weil man dabei ertappt wurde (oder meint es worden zu sein) ein anderes in Erfahrung zu bringen und darüber peinlich berührt ist? Oder handelt es sich um einen introvertierten, sensiblen und unsicheren Charakter? Hat es mit der nicht mehr möglichen Heimkehr zu tun? Der kurzzeitigen Rückkehr zu einem Ort der Kindheit? Was auch immer: Die Stelle beschreibt eine bestimmte Art von Erleben, das die Allermeisten vermutlich kennen, außerordentlich treffend.

Menschen aus gelbem Seidenpapier

„Die Wahrheit ist nämlich zu anstrengend für Sie, mein Herr, denn wie sehn Sie doch aus! Sie sind ihrer ganzen Länge nach aus Seidenpapier herausgeschnitten, aus gelbem Seidenpapier, so silhouettenartig und wenn Sie gehn, so muß man Sie knittern hören. Daher ist es auch unrecht, sich über ihre Haltung oder Meinung zu ereifern, denn Sie müssen sich nach dem Luftzug biegen, der gerade im Zimmer ist.“ […] „Wie wäre es, wenn ich Ihnen zum Dank dafür anvertraue, daß einmal alle Menschen, die leben wollen, so aussehn werden, wie ich; aus gelbem Seidenpapier, so silhouettenartig, herausgeschnitten, — wie sie bemerkten — und wenn sie gehn, so wird man sie knittern hören. Sie werden nicht anders sein, als jetzt, aber sie werden so aussehn. Selbst Sie, liebes –.“

Franz Kafka, Geschichte des Beters

Selbst wenn da steht „Sie werden nicht anders sein, als jetzt“, erinnert das nicht stark an uns selbst, an unsere Zeit, den Kapitalismus, Menschen in ökonomischen Zwängen, Hohlkörper beinahe?

Glück und Unglück

Er ist eben glücklich und das ist die Art der Glücklichen, alles natürlich zu finden, was um sie geschieht.

Franz Kafka, Beschreibung eines Kampfes

[Der Sinn des Un- oder Nichtglücklichseins läge demnach darin, diese Natürlichkeit in Frage zu stellen. Nicht länger ist die Welt gut, wie sie ist.]