Schlagwort-Archiv: Gesellschaft

Hochsommer

Es ist ein eigenartiger Friede, den der Hochsommer dem Land auferlegt: Die Raserei verebbt, wie die Emsigkeit und die Lebendigkeit der Natur, eine unzeitgemäße Einkehr, möchte man meinen: In der Hitze verdorrt die letztere, gleichsam ihr erstes Sterben und in derselben Hitze sinken wir ermattet zu Boden und begreifen die Verwandtschaft zu unserem täglichen Tun nicht: Wir wünschen uns bloß ein Ende der Hitze und der Schwüle, um endlich wieder etwas Vernünftiges tun zu können, und meinen damit bloß das, was wir sonst auch tun, wir hoffen also irgendetwas tun zu können. Ein Wunsch nach der Fortsetzung des Irrsinns, keine Einkehr und vielleicht ist es mein Irrtum an so etwas überhaupt zu denken. — Also finden, in diesem drückenden Schweigen, noch einmal Sterben und Schönheit zusammen, ohne einander aufzuheben, das Wesentliche ist beisammen, in der Natur wenigstens: Aber sind wir ihr nicht längst entlaufen? Haben wir uns nicht eine künstliche an ihrer statt erschaffen? Und trotzdem: In Mitten dieses Widerspruchs streckt sich mein Jubel, mein Lebenssinn empor: Das Widersprüchliche als der große Nährer, und wieder ich denke mir: Ist das so? Die Spontanität meines Jubels, spricht dagegen: Das Leiden am Sein, wie eine letzte menschliche Regung, im gewaltsamen Verschränken der Dinge, im Zusammenzwingen der Sinne, ein Verschmelzen, ein Verschieben, Delirium und Trance: In dieser Hitze liegt mehr Lebendigkeit, als in unserem sonstigen Tun! — Ein schalkhaftes Lachen, eine Fröhlichkeit, die im Nichtverstehen der anderen, das ich ihnen frohen Muts unterstelle, seinen Raum gewinnt.

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Pragmatismus

Eine pragmatische Haltung ist nicht daran zu messen, ob sie sich an irgendwelchen Idealen orientiert, sondern daran, wie weit sie von diesen abzugehen bereit ist und warum.

Verhüllung und Moderne

Als ich noch in Neubau, im siebten Wiener Gemeindebezirk, in einem für diese Gegend untypischen Haus wohnte, erfuhr ich was das Verhüllen von Kopf, Gesicht und Körper, je nach Vollständigkeit und Blickwinkel des Betrachters, bedeuten kann: Ich war damals mit einer jungen, tschetschenischen Nachbarin in Kontakt gekommen, die sich wie einige andere Bewohner des Hauses in dessen Hof bei schönem Wetter zum Spielen, Tratschen und Kaffeetrinken einfanden.

Weiter auf Begleitschreiben.

Toleranz impliziert…

…Wechselseitigkeit (oder sollte es; das wird gerne vergessen).

Modisch und modern

Modisch → Das häufige (angehäufte) Neue.

Modern → Das einsame Neue.

Kapitalismus und Konsumismus

Vielleicht sind Kapitalismus und Konsumismus in einer sogenannten pluralen, zumindest losen oder immer weiter auseinander driftenden Gesellschaft, das kleinste gemeinsame Vielfache, der einzige Kit: Das Geld als universaler Quantifikator und der Konsum als geteilte oder nachvollziehbare Haltung (Technik als Notwendigkeit, Begehrlichkeit und Spielerei). — Dass diese beiden auf längere Sicht vereinheitlichend wirken, darf vermutet werden; je stärker diese Vereinheitlichung ausfällt oder erfahren (wahrgenommen) wird, desto eher werden sich „Lager des Protests“ bilden, die dagegen opponieren, weil diese sich und ihre Vorstellungen bedroht sehen, wie auch immer der „Protest“ dann aussieht; diese „Lager“ werden ihrerseits versuchen die Gesellschaft nach ihren Vorstellungen zu verändern (zu vereinheitlichen), um eine Gegenbewegung (Korrektur) zu erzeugen. — Ein basaler, unausgesprochener Konsens, ruft also, wie eine völlige Vereinzelung, vereinheitlichende (Identität oder Einheit stiftende) Bewegungen ins Leben, wenngleich aus verschieden Gründen. — Freiheit könnte man dann, als Einsicht in die Notwendigkeit einer Vereinheitlichung, begreifen.

Ungeduldige Toleranz:

Ungehaltenheit.

[Und nicht mehr.]

Dekadenz, oder:

Laktosefreie Käsekrainer.

Mit der Genauigkeit, spätestens,…

…beginnt die Unsicherheit (die Ungewissheit).

Moderne…

…bedeutet vertikale Durchdringung.