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Gedanken in Headlinelänge

Von Roman Frost

Das Bloggen ist das Fernsehen der Schrift. Es gilt: das gesprochene Wort. Erzählerstimme oder Talking Head: Surrogate der Persönlichkeit erleben ihre Renaissance! Die Leute wollen nach all den strukturalistischen Exerzitien wieder jemand sein, Märchenonkel oder Entertainer, jedenfalls eine bunte, faszinierende Figur … Eine dubiose Zwitterexistenz führen die Worte beim Bloggen; sind sie einerseits geschrieben (oder sagen wir vorsichtiger: getippt), stehen sie andererseits knallhart unter dem Diktat des Diktierens. Nach der „Harald Schmidt Show“ war der Siegeszug der Blogosphäre kein Wunder. Jedem seine eigene „Late Night Show“, in der Regel hingehauen am frühen Morgen. Lustig oder tragisch oder was dazwischen: Einfach mal rausrotzen, was einem so durch den Kopf gegangen ist des Nachts. Und – ist das nicht eigentlich AUCH Literatur? Halt eine ANDERE Art von Literatur? Ich meine, hey, was ist Literatur denn anderes als Rausgerotze, vielleicht auf talentierterem Niveau? Was zählt, ist der Wille zum Text … bin ich etwa nicht interessant als Mensch, hm? Nur weil ich nicht Robert Musil oder Franz Kafka oder William H. Gass bin? Mehr von diesem Beitrag lesen