Schlagwort-Archiv: Journalismus

Lesewarnung oder…

…versuchte Nötigung des Lesers, seine Meinungsbildung — und damit sein Nachdenken — hintanzustellen.

Vom Nachäffen

Kant schrieb in einem seiner Aphorismen, dass das Nachahmen der „Leitfaden für das Genie“ sei. „Aber eben“ heißt dort es weiter: „nicht den Buchstaben und das Persönliche, sondern den Geist […] Das erstere heißt Nachäffen.“* Damit hat Kant in der Unkenntnis des Phänomens, aber in der Sache treffend, auch ein Urteil über das, was wir heute Selfie-Journalismus nennen, gesprochen.

*„Köche ohne Zunge“, Steidl Verlag, Göttingen, 2014, S 43

Hülsen und Stil

Lässt sich unsere Realität mit den Worthülsen der Öffentlichkeit, wie sie uns gerade wieder um die Ohren fliegen, überhaupt noch angemessen fassen? Oder verschmieren sie mit dem, was wir uns schon zurechtgelegt haben? Ist eine Voraussetzung dieser Angemessenheit, die mit einer Kritik der Verschmierung gleichzusetzen ist, nicht auch eine stilistische?

Medienrezeption

Diese beiden Tweets landeten heute in meiner Timeline direkt hintereinander; man kann sie als ein ironisch-pointiertes pars pro toto der auseinanderklaffenden Welten von Journalisten und Medienrezipienten deuten:

Nachtrag, 11.01.2015; die Brennpunkt Sendung ist nun in der ARD-Mediathek verfügbar.

Eine Frage der Angemessenheit. Zum ich-zentrierten Journalismus.

Ob es tatsächlich eine längerfristige, sich steigernde Entwicklung ist, vermag ich trotz regelmäßiger Lektüre in österreichischen und deutschen Qualitätszeitungen nicht zu sagen; dass Formulierungen wie sie Michael Sontheimer in seinem Text in der taz zitiert, immer wieder vorkommen, stimmt, als Beleg für die behauptete Entwicklung genügen seine drei Zitate sicherlich nicht.

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No comment? Ein Vorschlag für die Zusammenführung, Verdichtung und Integration von Online-Kommentaren.

Christoph Kappes fasste in seinem, vor etlichen Tagen veröffentlichtem, Text über Kommentare, Trolle und digitale Kommunikation, die Maßnahmen der Süddeutschen Zeitung in dem folgenden Paradoxon zusammen: »Darf das Meinen (-> Meinungsfreiheit) eingeschränkt werden, um das Meinen (-> Meinungsbildung) sicherzustellen?« Sind also einschränkende Maßnahmen erforderlich um Online-Diskussionen zu ermöglichen, bzw. diese teilweise oder ganz abzuschalten, um einen Raum der Meinungsbildung überhaupt zu erhalten? Ein Recht auf Kommentierung gäbe es nicht1.

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Der Leser im Informationszeitalter. Eine Replik auf Rudi Fußi.

Überfluss und Verfügbarkeit von Informationen aller Art stellen, neben unserem Fassungsvermögen, in aller Deutlichkeit die Frage nach ihrer Relevanz: Um die Welt oder eher Teilwelten (noch) verstehen und zusammenhalten zu können, müssen wir zwischen bloßer Information und Wissen (bzw. Relevanz) unterscheiden, in angemessener Zeit, inklusive der Möglichkeit der Verknüpfung und (eventuell) genauerer Prüfung durch das Hinzuziehen weiterer Quellen. Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von relevanter Information und Wissen eine demokratische „Forderung“ (Bedingung), da sie die diskursiven Prozesse und die Meinungsbildung unterstützen oder überhaupt erst möglich machen, das Wahlverhalten beeinflussen und die Entscheidungen der Politik.

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Es steht, selbstverständlich, das Publikum in der Verantwortung!

Wie sich der sogenannte kritische Journalismus aus der Pflicht (also Kritik) zu nehmen weiß, ist immer wieder erstaunlich, als ob es, nur um ein Beispiel zu bemühen, den Skandal- und Biographiefeuilletonismus gar nicht gäbe: „Für ein Publikum, das gern zwischen Gut und Böse trennt, ist das nicht ganz einfach.“ lautet der vorletzte Satz in Sibylle Hamanns Text „Bei manchen Menschen gehört eben auch die dunkle Seite dazu“. — Womöglich ist es aber schlimmer und ein Bewusstsein dafür, welche Rolle der eigene Berufsstand hierbei spielt, fehlt überhaupt (der Titel deutet ja darauf hin).

Warum es mir zu wenig war. Nachtrag zu einer Kommunikation auf Twitter.

In unserer medialen und digitalen Welt haben es begründete Urteile (mitunter) schwer: Sie sind (zumindest tendenziell) ausführlich und komplex und benötigen Zeit gelesen und bedacht zu werden. Ihre rasche und weite Verbreitung ist damit eingeschränkt, obwohl gerade sie im öffentlichen und damit auch journalistischen Diskurs von Nöten wäre. Mehr von diesem Beitrag lesen

Finanzskandal in Salzburg. Ein weiteres Lehrstück.

Der Finanzskandal in Salzburg, ein neuer in der langen Liste von Korruption, Miss- und Freunderlwirtschaft, zeigt wieder einmal und exemplarisch, dass sich etwas im System der repräsentativen Demokratie in Österreich ändern muss. Dabei ist das Problem nicht grundsätzlich das repräsentative System, sondern seine Funktion, die aus verschiedensten Gründen beeinträchtigt ist; einer der Gründe, die Fähigkeiten des politische Personals, wird sich kaum von Heute auf Morgen beheben lassen können, es stellt sich (wieder einmal) die Frage, warum der geschädigte und verhöhnte Bürger nicht endlich an sein Recht kommen und den seine Beteiligung einfordern, bzw. in dieses gesetzt werden sollte, um seinen Beitrag leisten, um tatsächlich mitbestimmen zu können. Mehr von diesem Beitrag lesen