Schlagwort-Archiv: Kultur

Der Leser im Informationszeitalter. Eine Replik auf Rudi Fußi.

Überfluss und Verfügbarkeit von Informationen aller Art stellen, neben unserem Fassungsvermögen, in aller Deutlichkeit die Frage nach ihrer Relevanz: Um die Welt oder eher Teilwelten (noch) verstehen und zusammenhalten zu können, müssen wir zwischen bloßer Information und Wissen (bzw. Relevanz) unterscheiden, in angemessener Zeit, inklusive der Möglichkeit der Verknüpfung und (eventuell) genauerer Prüfung durch das Hinzuziehen weiterer Quellen. Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von relevanter Information und Wissen eine demokratische „Forderung“ (Bedingung), da sie die diskursiven Prozesse und die Meinungsbildung unterstützen oder überhaupt erst möglich machen, das Wahlverhalten beeinflussen und die Entscheidungen der Politik.

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Pseudonyme im Netz: Wenn ein Teil als Ganzes gilt.

Der Vergleich des Tragens einer Burka in der Öffentlichkeit und der Nutzung eines Pseudonym im Netz ist durchaus erhellend, wenngleich man die verschiedenen sozialen und zwischenmenschlichen Interaktionsmöglichkeiten und weitere Unterschiede berücksichtigen müsste (auch das Verschleierungsverbot in der Öffentlichkeit scheint mir diskutabel).

Leider tut Alan Posener dies nicht und er zieht ebenso wenig in Betracht, dass die Betreiber diverser Plattformen, Blogs und Foren zunächst in die Pflicht zu nehmen wären, denn sie bestimmen die Regeln der Kommunikation (in Hinblick auf etwas wie eine Hausordnung ist der Verweis auf Selbstregulierung falsch, der Vergleich mit Raucher- oder Nichtraucherzimmern in Restaurants wäre allerdings eine nähere Betrachtung wert gewesen). Stattdessen werden (wieder einmal) die pöbelnden Zeitgenossen als Ganzes angesehen und ein Ende der Anonymität im Netz gefordert (über die Konsequenzen in Zeiten rigoroser Datensammlung und Überwachung nachgedacht wird freilich nicht, man hat eher den Eindruck, dass dies als „Überschätzung der eigenen Wichtigkeit abgetan wird“); aber: das jüngst etablierte Recht auf Vergessen hätte dann doch seine Berechtigung. — Auch der Unterschied, dass die Kenntnis des Gesichts eines Gegenübers nicht dasselbe wie eine Identifikation ist, wird übersehen und der Antagonismus Anonymität gegen Nichtanoymität ist in diesem Kontext falsch, weil er per se nichts über die Diskussionskultur aussagt, sie ist etwas das gelernt und gewollt werden muss, erzwungen werden kann sie nicht (in Demokratien zählen nicht Gesichter oder Namen, sondern Argumente).

So bleibt ein wenig durchdachter Text, von dem man den Eindruck hat, dass er von einer Forderung ausgehend geschrieben wurde. — Das ist freilich keine Verteidigung des Schlammwerfens aus der Anonymität, allerdings erscheint es mir als ein Übel, das in Kauf genommen werden muss und als eines, dem man durchaus auf andere Art und Weise begegnen kann (es hätten sich leicht Beispiele dafür finden lassen, dass pöbelnde Kommentare nicht länger toleriert werden, die Zeit etwa entfernt entsprechende Stellen aus den Kommentare und stellt dies aus).

Rückkehr und Stimmen: 2. Auf der Sonnenterrasse

Ich ließ den Wirt noch einmal auf die leere Sonnenterasse, in die Nacht hinaus, kommen: Ich stand, ein Zigarillo rauchend und an einen Tisch gelehnt, da: Was für ein Trubel hier bis zum späten Abend geherrscht hatte!: Aber jetzt war Ruhe, erzwungene Ruhe und eigentlich hätte ich längst mein Lager beziehen müssen: Mehr von diesem Beitrag lesen

Das Wort Halbbildung

beruht auf einer In-eins-setzung, und damit: Verwechslung von Bildung mit Wissen, denn erstere ist immer ein halber, also unabgeschlosser und unmöglich abzuschließender Prozesses (sieh auch hier).

Kunstwerk und Autonomie

Nur hinsichtlich ihrer Deutbarkeit sind Kunstwerke autonom.

Meine Rede, meine Rede…

Dazu gehört, darüber zu staunen, wie sehr das Netz von der Großzügigkeit seiner Einwohner lebt, das heißt, die schöne Seite seiner „Kostenlosmentalität“ endlich mal zur Kenntnis zu nehmen: Jemand, der eine Website über seine Briefmarkensammlung oder sein Heimatdorf macht oder der nur einen Wikipedia-Artikel über sein Fachgebiet korrigiert, lässt andere an seinem Wissen und seiner Leidenschaft teilhaben, ohne etwas dafür zu verlangen. Das Netz verdankt sich und huldigt einer Ökonomie der Partizipation (Quelle).

Ich habe das unlängst hier ganz ähnlich formuliert: Was manchmal übersehen oder kleingeredet wird, ist, dass es im Netz tatsächlich eine Kultur wechselseitiger Verfügbarkeit ohne zwingender Vergütung gibt, und dass diese mittlerweile einige Bedeutung gewonnen hat. Das ist Kultur, eine von Freiheit und von Schönheit, das soll — auch pathosgeladen — noch einmal festgehalten sein.

Ein Parkgespräch.

Beinahe sommerliches Wetter: Ein älterer Herr sitzt verkehrt auf einer Parkbank, also mit dem Rücken zu mir. Er betrachte Gras und Büsche, Tulpen und Flieder, während er in sein smart-phone spricht. Das macht es mir leicht. Aber erst nach einiger Zeit erkenne ich, dass er gar nicht telefoniert…

…so ist der Park immer Kultur und gleichzeitig doch Natur. Natur als Ausgangsmaterial seines Gestaltungsprozesses, geformt, aber nicht grundsätzlich entfremdet, ein dauerhaftes, lebendes Symbol von Unterwerfung, eine Aporie: In jedem Park erleben wir unleugbar Natur im Moment ihres Nichtmehrseins. Mehr von diesem Beitrag lesen

Kultur:

Nur eine Form von Leidenschaft. — Wie die Kunst auch.

Allegro vivace

Zu den vorangegangenen Takten.

– Hassliebe? Ja, schon. Aber es ein Verdienst dieser Zeit, dass ich abends und auch manchmal tagsüber an meiner Kunst sitzen kann. Die Bedingungen erlauben das und sie erlauben es vielen – ein Fortschritt, ohne Zweifel.
– Sie sind Künstler? Was treiben Sie denn? Mehr von diesem Beitrag lesen