Schlagwort-Archiv: Labyrinth

Erzählungen und Labyrinthe

Sie schüttelte sich, fiebrig vor Lust, und tauchte ihren Löffel in den Cappuccino. Die Adern des milchgeschäumten Blattes zitterten, aber die Aufwallungen
blieben gering: Eine gemächliche, gleichförmige Bewegung.
Weiße Schlieren umflossen den Löffel, sie grinste, fuhr schneller vorwärts und schnitt das Blatt entzwei: Es löste sich, langsam, in milchbraunen Verflechtungen, nur seine Spitze blieb unberührt. Sie zog den Löffel heraus, legte ihn an ihre Lippen und klopfte mit Zunge und Schneidezähnen dagegen. Für einen Augenblick sah sie nachdenklich aus, obwohl sie sich längst entschieden hatte: Ein helles, lautes Lachen, dann wirbelte sie alles durcheinander, und trank.

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Entkommen!

Entgegen den Anstrengungen meiner Versuche zur Kunst gibt es in mir seit Langem eine Bewegung, die eher weg will von der ins immer Haarspalterischere Getriebene der Differenz, hin zu etwas Fraglosem, aus sich heraus schon Hinzunehmendem – z.B. so etwas wie (unschwülstige, nicht-besungene) Nacht.
Rainer Rabowski, Die gerettete Nacht

Ich betaste die Mauern des Labyrinths, in das ich wieder einmal geraten bin, als ob man sie einreißen könnte oder nur eine passende Stelle finden müsste, um ein Loch hinein zu schlagen; aber sie lassen sich nur verschieben, etwas anders anordnen, und auch das äußerst beschränkt: Sie führen ein Eigenleben, und wenn ich gerade nicht hinsehe, dann passiert immer etwas, das meine Anstrengungen narrt. Mehr von diesem Beitrag lesen