Schlagwort-Archiv: Mensch

Das Schöne entwaffnet,…

…das Geile nötigt.

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Spazieren und sehen

Als ob die Welt sich selbst, auf eine andere hin, überschritten hätte: Das fahle, gelb-orange Licht des hereinbrechenden Abends hatte sich dergestalt über die Dinge gelegt, dass sie mir als ein Anderes, als ein Näheres erschienen, als sie es sonst taten; die Gegenstände meines Wohnzimmers übten ein sanfte Anziehung aus, der ich nur selten gewahr wurde, eine Anziehung, die sie hervortreten ließ, deutlich, aber nicht übermächtig, so dass man ihnen hätte verfallen müssen: Dies war keineswegs auf einige der Einrichtungsstücke beschränkt, es lag nicht in deren Geschichtlichkeit oder deren Besonderheiten begründet, es waren unterschiedslos und gleichermaßen alle Dinge von den Veränderungen betroffen, man könnte auch sagen, dass die Gewichtung, die im Normalfall in meinem Inneren lag, nach außen hin verschoben worden war, nicht das Subjekt, also ich, sah in die Welt hinaus, sondern die Welt blickte, auch wenn es aberwitzig klingen mag, zu mir herein, auf eine Weise, die eine Ausgeglichenheit erzeugte und keine Wünsche offen ließ, außer eben jenem, hinauszugehen, mitten unter die Dinge und in die Natur hinein. Weiter auf Begleitschreiben.

Hochsommer

Es ist ein eigenartiger Friede, den der Hochsommer dem Land auferlegt: Die Raserei verebbt, wie die Emsigkeit und die Lebendigkeit der Natur, eine unzeitgemäße Einkehr, möchte man meinen: In der Hitze verdorrt die letztere, gleichsam ihr erstes Sterben und in derselben Hitze sinken wir ermattet zu Boden und begreifen die Verwandtschaft zu unserem täglichen Tun nicht: Wir wünschen uns bloß ein Ende der Hitze und der Schwüle, um endlich wieder etwas Vernünftiges tun zu können, und meinen damit bloß das, was wir sonst auch tun, wir hoffen also irgendetwas tun zu können. Ein Wunsch nach der Fortsetzung des Irrsinns, keine Einkehr und vielleicht ist es mein Irrtum an so etwas überhaupt zu denken. — Also finden, in diesem drückenden Schweigen, noch einmal Sterben und Schönheit zusammen, ohne einander aufzuheben, das Wesentliche ist beisammen, in der Natur wenigstens: Aber sind wir ihr nicht längst entlaufen? Haben wir uns nicht eine künstliche an ihrer statt erschaffen? Und trotzdem: In Mitten dieses Widerspruchs streckt sich mein Jubel, mein Lebenssinn empor: Das Widersprüchliche als der große Nährer, und wieder ich denke mir: Ist das so? Die Spontanität meines Jubels, spricht dagegen: Das Leiden am Sein, wie eine letzte menschliche Regung, im gewaltsamen Verschränken der Dinge, im Zusammenzwingen der Sinne, ein Verschmelzen, ein Verschieben, Delirium und Trance: In dieser Hitze liegt mehr Lebendigkeit, als in unserem sonstigen Tun! — Ein schalkhaftes Lachen, eine Fröhlichkeit, die im Nichtverstehen der anderen, das ich ihnen frohen Muts unterstelle, seinen Raum gewinnt.

Theorien II:

Leserichtungen der Wirklichkeit.

Nichts erscheint unschuldiger,…

…als ein dahinträumendes, phantasierendes und eben darin aufgehendes Kind.

Distanz…

…macht sehend.

Die Frage…

…nach der Nutzbarkeit der Zeit, deutet den Wohlstand bereits an.

Dämmer

Am qualvollsten sind jene Dämmerzustände, in denen der Geist weder aufgeben, noch herrschen kann.

Begründete Hoffnung…

…ist keine.

Lesen und Dummheit.

Lesen gefährdet nicht die Dummheit, gegen diese ist man weitgehend machtlos, vielmehr ist es Mittel gegen Unbildung und Unwissenheit, es fördert die Reflexions- und Auseinandersetzungsfähigkeiten; nicht zuletzt die Phantasie.