Schlagwort-Archiv: Schönheit

Das Schöne entwaffnet,…

…das Geile nötigt.

Advertisements

Tage und Rechtfertigungen

Die roten Nester von Glut, die sich noch an den Firsten der Dächer und in den Spitzen der Pappeln gehalten und sich in das Gefieder der vorüber fliegenden Krähen gelegt hatten, verglommen: Dunkelgrau und glatt schoss der Fluss, an dessen, mit Pflastersteinen befestigten, Böschung ich stand, dahin, eine matte Fläche, die ich noch vor kurzem, langsam und zäh, wie Lava, mit Wirbeln und Strömungen, dahin fließen sah, silbern, irisierend in allen Abstufungen von Rot, Gelb und Orange, von einem Ausbruch her­rührend, weit, weit, entfernt: Ein Tag wie viele andere, verfiel und doch war er von einem Reichtum gewesen, wie man ihn selten gewinnt. Aus den Büschen und dem Wasser kroch bereits die Kühle und von der Erde stieg das Dunkel hoch, aber mein Wohlwollen blieb: Wie der Tag so die Nacht, dachte ich, setzte mich auf die Bank, die einige Schritte weit entfernt stand, zog die Beine an und schmiegte mich an die Lehne: Was sich so lange angedeutet und hingezogen hatte, war rasch vollbracht: Die Gleichförmigkeit der Schatten machte sich überall breit, jene andere Welt, mit ihren eigenen Gesetzen, dem Verlust von Klarheit und Form, dem Wechsel der Sinne und dem Wachen des ansonsten Schlafenden: Mit den letzten Strahlen des Lichts verfiel auch mein Staunen, das nie an die Wiederkehr des Gleichen gebunden war, die nur Teilnahmslosigkeit und Selbstverständlichkeit zur Folge hat: Mein Staunen hatte immer den einzelnen Erscheinungen und Wesen der Natur gegolten, die dadurch, jede für sich, aus ihr heraustraten und mich an etwas, das ich im Geschäft der Tage allzu leicht und gerne vergaß, erinnerten: Unverblümt sind sie in ihrem Wachsen, ihrem Reifen ohnehin, in ihrem Verfall noch und ihrer Wiederkehr: Unverblümt ist das Schöne, das sich verschwendet, weil es ist, ohne für, ohne wenn und ohne aber: Nicht selbstverständlich wie der Wechsel der Jahreszeiten oder eben jener von Tag und Nacht, nicht so wie das Seiende oder das Leben für denjenigen, der mitten in ihm aufwächst: Unverblümt ist ein Werk ohne Plan und Schöpfer, ohne Zutun überhaupt.

Weiter auf Begleitschreiben.

Vermessenheit I:

Im Augenblick seines Offenbarwerdens, das Schöne auch noch verstehen zu wollen.

Keine Wahrheit…

…ohne Ästhetik.

Das Schöne…

…heilt.

Schönheit…

…deutet auf einen Wert außerhalb unserer selbst, sie weist weg vom Ich zu etwas, das für sich steht, hin.

Das Schöne ist immer auch gut.

So scheint es! In Wahrheit muss man von einem Vermögen sprechen, nein, im Fall der Fälle werden wir feststellen: Es ist gut, obwohl es schön ist!

Kennte die Welt keine Trauer,

ihr wäre nie, auch nur eine einzige Blüte getrieben.

Klage

Immer dieses Auf und Ab! Warum die Welt nicht in ihrem Glanz verharren kann?

Als allergrößte Sehnsucht

erscheint mir jene nach Schönheit und Harmonie.