Schlagwort-Archiv: Staat

Aphorismen, Notate und Uneinsichtigkeiten III

Der aufklärerische Anspruch muss sein, dass die Individuen, die durch ihre Angst zu einer Masse zusammengebunden wurden, ihres Zustands einsichtig werden und die daraus erwachsenden Konsequenzen begreifen. Übermächtige Angst macht nicht nur gefügig, sie lässt die existenziellen Bindungen des Individuums als bedeutungslos erscheinen.

Weiter auf Begleitschreiben.

Freiheit…

…ist nichts anderes als das Recht des Individuums gegen das Kollektiv, die Tradition oder die Religion; dieses „frei sein von“ schützt es und gibt ihm die Möglichkeit über sich selbst zu bestimmen: Frei zu sein bedeutet, gegen das Unrecht stehen zu können. — Andere Ideen, z.B. jene der Gleichheit vermögen dies nicht. Die Freiheit ist in diesem Sinn fundamental und muss dem Menschen, der in diese Welt unfreiwillig geworfen wird, von allem Anfang an, selbst im Zweifel um ihre Existenz, pragmatisch zugestanden werden.

Darüber darf man allerdings nicht ins Schwärmen geraten und denjenigen nicht trauen, die meinen, dass damit schon allem genüge getan wäre: Damit andere nicht durch Ansprüche oder Akte der Selbstbestimmung („frei sein für“) ins Unrecht gesetzt werden können, die Möglichkeiten der Selbstbestimmung also für alle erhalten bleiben und Freiheitskonflikte gelöst werden können, benötigen wir Bezugspunkte, weitere Ideen, jenseits der Freiheit, die sie dort beschränken, wo sich die Notwendigkeit dazu zeigt: Sie sind weniger fundamental als die Freiheit, ihr aber partiell übergeordnet.

Viele, aber nicht alle dieser weiteren Ideen, kann man auch als mehr oder weniger starke Beschränkungen der Selbstbestimmung (also wiederum der Freiheit) lesen, sie können aber auch anders begründet werden: Wenn die Unversehrtheit von Leib und Leben eine Idee ist, die die Freiheit möglichst schnell Auto zu fahren einschränkt, dann kann man den Unglücksfall, einen Verletzten oder gar Toten, auch als zu vermeidendes Leid betrachten. — Freiheitsbeschränkungen sind immer von einem Gleichheits- oder Gerechtigkeitsgedanken getragen.

Demokratie…

…bedeutet auch, dass Bewusstseinsveränderungen aus Einsicht, also: freiwillig, erfolgen sollen und dies wiederum: Geduld und Vertrauen.

Links als verneinende und

rechts als bejahende Kraft: des Selbst, des Wir, als grundsätzliche Tendenz und politische Verortung. Vielleicht ergeben die alten Kategorien so wieder (oder: noch immer) Sinn.

Zeit für Demokratie? Demokratie und Zeit.

Wenn man Demokratie als Zumutung und Versprechen charakterisiert, erkennt man, dass sie immer auch Forderung und Pflicht bedeutet, und nur auf politisch-partizipativer Grundlage, als Teilnahme an einem Gemeinwesen, funktionieren kann und soll. Die Möglichkeit mitzubestimmen, die Strukturen des Gemeinwesens zu verändern, und daneben und zu gleich auf diesen ein relativ frei¹ bestimmtes Leben führen zu können, gibt es nicht „umsonst“. Im Gegenteil, wir „bezahlen“ mit dem kostbarstem Besitz, unserer Zeit. Wir widmen² – freiwillig oder als Pflicht begriffen – einen Teil unserer Lebenszeit in einer Art Tausch der Funktionalität des Systems, seiner Wartung und inhaltlichen Bestimmung3.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Der Staat schleicht durch die Hintertüre.

Angeblich brauchen wir Bürger einen Schubs, einen „nudge“ staatlicher seits, wenn es um langfristigeres Entscheiden geht. Damit wir wissen was für uns gut ist.

Mehr von diesem Beitrag lesen

Politische Befindlichkeiten II: Die missverstandene Freiheit.

Freiheit bedeutet nicht dass alles getan werden kann, oder alles möglich ist. Freie Entscheidungen trifft man innerhalb eines naturgesetzlich determinierten Rahmens über den wir nicht hinwegschreiten können. Die Gesetzmäßigkeiten des Lebens fesseln uns an die Erde.

Mehr von diesem Beitrag lesen