Schlagwort-Archiv: Subjekt

Aphorismen, Notate und Uneinsichtigkeiten VI

Die zentrale Erfahrung des Subjekts ist seine Lebendigkeit und sein zentrales Bemühen ist ihr Erhalt. Damit ist nicht Sterben, sondern Erkalten, Gleichgültigkeit und Empfindungsarmut, gemeint. Die Wahrnehmung der eigenen Lebendigkeit ist nicht grundsätzlich verschieden von der anderer; Gleichgültigkeit sich selbst gegenüber, ist Gleichgültigkeit anderen gegenüber. Mehr von diesem Beitrag lesen

Distanz…

…macht sehend.

Die Frage…

…nach der Nutzbarkeit der Zeit, deutet den Wohlstand bereits an.

Gegenwärtig zu sein…

…bedeutet die Zeit über der Präsenz des Existierenden zu verlieren.

Leben…

…oder das Vertreiben der Zeit bis zum Tod hin.

Moderne:

Mit einem Gefühl von Unzulänglichkeit leben.

Denken und Handeln

Nachdenken bewirkt eine Veränderung des Bewusstseins, das wir von den Dingen, den Menschen, kurzum: der Welt, haben und langfristig verändert ebendieses unser Handeln: Damit löst sich die immer wieder diagnostizierte Diskrepanz zwischen Handeln und Denken mit der Zeit von selbst, so sie überhaupt existiert.

Unsere Welt zerfällt…

…in eine ansteigende Zahl von Baustellen, von denen wir die meisten dauerhaft prokrastinieren.

Aus der Sicht des Schreibenden…

…ankert ein guter Text nicht im rein persönlichen Befinden: Er ist objektiv und strebt nicht bloß danach. Das bedeutet: Er muss für andere — nicht für jeden und alle, aber im Prinzip, und damit: statistisch — ohne jegliche Erklärung Andockmöglichkeiten bieten, also sinnvoll deutbar sein, mit Anstrengung, selbstverständlich. Auf der Ebene des Schreibens bedeutet dies eine Idee zu besitzen, mit jener radikalen und schmerzhaften Folge, dass keine Formulierung um ihrer selbst willen, dieser Idee widersprechen darf: Sie muss, wo nötig, ohne Umschweife umformuliert werden. Nicht nur für einen selbst zu schreiben, bedeutet, offen für im Prinzip jede Veränderung zu sein. Das ist eine Signatur, ja, des Dienens.

Freilich: So selbstverständlich der Schmerz, im Angesicht des zu Disposition stehenden Geliebten, ist, gilt dennoch, dass jede Veränderung im Sinne der Dienerschaft wieder auf die Subjektivität des Schreibenden zurück weisen wird. Von dieser aporetischen Spannung lebt alle Literatur.

Perversling!,

schallt es jenem Intellektuellen entgegen, der die Tätigkeit seines Verstandes, die gerade eben kalt geheißen wurde, aus der Sicht des beherrschten und sezierten, quasi objektivierten Subjekts, nachdem er sie etwas vorschnell als freudebringend verteidigt hatte.