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Ordnung und Phantasie

Die Gestaltungen unserer Phantasie quellen über den Rahmen, den die Ordnung, die Gewohnheit, das Zurechtgelegte, setzen möchten: Sie wirft alles durcheinander, erzeugt neue, irrwitzige Verbindungen, vielleicht des Spiels, des Lachens, des Scherzes, der Lust am Regellosen, nicht aber eines greifbaren Nutzens, wegen: Ein Kind schert sich nicht um die schwarzen Linien in seinem Malbuch, es fährt darüber hinaus, nicht aus Ungeschick, es achtet sie einfach nicht und malt wonach ihm eben ist*: Wozu etwas Vorgegebenes erfüllen, wenn man etwas Eigenes schaffen kann? Und warum etwas Festlegen, eine Form wählen, wenn das Gezeichnete alles zugleich sein kann? Und warum etwas Nützliches tun, an Regeln und Ziele denken, wenn das Tun selbst schon alles ist?

Doch auch die Phantasie kennt Regeln oder besser: Bestimmungen und Bestimmtheiten, Bezugspunkte, sie schafft im Spannungsfeld von Außen und Innen, ansonsten wäre sie beliebig und ohne Reiz; und diese Regeln können, vielleicht liegt hier einer der Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen, implizit, also: unausgesprochen und unerkannt bleiben oder eben explizit, aufgestellt, um aufgefunden zu werden.

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*Dennoch: Es ist ihm ernst damit, vielleicht: ernst mit dem Vergnügen, das ihm sein Tun bereitet und wehe jemand nimmt ihm Papier und Stift aus der Hand.

Rationalität bedeutet…

…(seine) Irrationalitäten sichtbar machen zu können.

Entgegen Goya

(oder doch mit ihm?) möchte ich sagen, dass die Unvernunft zu träumen beginnt und auf ebendiese Weise wieder vernünftig wird. [Los Caprichos, Nr. 43]

Ich träume.

Immer.

Rückkehr und Stimmen: 1. Erzählung eines Traums

Ein Tannenhäher schoss über die schroffen Gipfel und die milchigen Wolkenfäden hinweg, tauchte in das Blau des Himmels und berührte die gelben Blüten des Eisenhuts, die in den spiegelglatten Oberflächen der Tümpel und Seen, über die Bergrücken verstreut, inmitten von Kreuzdorn und blankem Granit, zu eindimensionalen, funkelnden Landschaften zusammengefügt waren: Der Vogel drehte, flog eine lange, ausgedehnte Kurve, hob seine Flügel, heftig schlagend, beinahe senkrecht an, und ließ sich auf einer Lärche, die mit dürren Zweigen, am Ufer eines der Seen stand, nieder: Sein dunkelbraunes Abbild glitt auf die Oberfläche des Wassers hinunter, wo es hin und her schwankte, etwas später konturierte und ruhig zu liegen kam: Der Häher bewegte weder Kopf noch Flügel und selten stieß ein Wellenkräusel gegen die weißen Tupfer seines Gefieders. Mehr von diesem Beitrag lesen

Wer hofft, träumt.

Das Geheimnis(volle)

ist ein offener, sich der Bestimmung entziehender Ort und damit einer für Projektionen, Sehnsüchte und Träume, gleich einem unbeschriebenen Blatt Papier.

Erinnerungen

Eine Träne, silbern und schwarz, hing einige Lidschläge lang an ihrer dunklen Lippe, und glitt, da sie niemand zurück hielt, zähflüssig darüber; wenig später floss sie ihren schlanken Hals hinab, entlang eines braunen Bandes, dunkel und bedrohlich glänzend, wie in vorherbestimmter Bewegung; zuletzt blieb sie in der Waagrechten hängen, als hätte sie, wie geplant, am Ende des Bandes ihren Platz erreicht, um ihre Trocknung zu erwarten.

Weiter auf Begleitschreiben.

Ostern. Ein Traum.

Ein Hase hoppelte über ein Stück gleichförmige, mit einem Rasenmäher gestutzte Wiese. Und obwohl alles in Licht getaucht war, verlor sich die Wiese rasch im Dunkeln. Den Hasen kümmerte das nicht. Er setzte sich, und begann an einem Halm zu knabbern.
Julia saß etwa eineinhalb Meter vor dem Hasen, und sah ihm beim Fressen zu.

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