Die sprachlich-schriftliche Konvergenz unserer Welten. Ein pragmatischer Versuch über Erkennen, Welt und Kommunikation.

1 Vorbemerkung

Unsere Bedürfnisse von Annäherung und Deutung, der Wille zu verstehen und zu wissen, weisen, zusammen mit der Neugierde, auf einen allgemeinen Zustand von Ungenügen und eine spezielle Selbstungenügsamkeit hin. Mit den Fragen menschlichen Daseins konfrontiert, suchen wir die Nähe anderer, einer Art Erweiterung wegen: Wir treten ihnen begrifflich gegenüber, soweit wir begriffen haben, das Begriffene zu fassen vermögen oder hoffen es noch zu können: Gespräch und Diskurs erscheinen dabei als ein weithin gegensätzliches Paar, das im Dienst einer Weiterbewegung, weg vom eigenen, ungenügenden Standpunkt hin zu einem anderen, neuen, steht, einer gewollten Verbesserung: Ein anderes Wort für Fortschritt und ein anderes Verständnis.

Weiter auf Begleitschreiben.

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6 Antworten zu “Die sprachlich-schriftliche Konvergenz unserer Welten. Ein pragmatischer Versuch über Erkennen, Welt und Kommunikation.

  1. Norman Schultz 27. Februar 2012 um 4:23 am

    Denn vielleicht lässt sich ja in den Begriffen des anderen doch noch eine Weisheit erspüren. Vielleicht hat der andere mehr als wir.

    Gleichsam aber drängt neben allen Begriffen, die wir begehren, doch die Begierde selbst in die Seele. Die Begierde nach dem Anderen als nicht begriffliches aber wirkliche Wesen.

    Die pragmatische Annäherung muss erklären, inwiefern Begriff und Sinnlichkeit sich nicht ausschließen. Ein nahezu Kantisches Problem im sinnlich begehrten Anderen.

    Hinter allen ersten Diskursen, die wir in der Öffentlichkeit beginnen und in die Intimität fortsetzen, schließt sich dann wieder der Andere ein, der sich fortan begrifflich zu seiner Liebe bekennen soll :)

    Ich lese den Blog hier schon länger (vielen Dank für die vielen Anregungen)

    Norman.

    • metepsilonema 27. Februar 2012 um 2:52 pm

      Bitte, gerne. Ich freue mich sehr, wenn sich auch diejenigen zu Wort melden, die sich sonst eher im Hintergrund halten — außer den Klickzahlen weiß ich über reine Leser eigentlich nichts (und ich bin mir sicher, dass auch die etwas beitragen können). Aber ich glaube wir hatten schon einmal das Vergnügen, oder?

      Selbstverständlich begehren wir auch das nicht-begriffliche Wesen, aber selbst dieses wird von uns miterschaffen, es zeigt sich nicht „rein“. — Inwieweit sollen sich Sinnlichkeit und Begriff ausschließen? Ich glaube es gibt keinen Begriff ohne Sinnlichkeit, d.h. ohne eine Rezeption von Sinneseindrücken, schon um Sprache zu erlernen sind sie notwendig (umgekehrt geht es aber schon: Sinnlichkeit ohne sprachliche Fassung).

  2. Norman Schultz 4. März 2012 um 5:38 am

    Das verfehlte Reinheitsgebot der Begriffe würde ich fast teilen, fast. Ich stimme zunächst zu, denn wie sollten wir jemals unter allen Geborenen, denjenigen finden, der jemals ohne Sinnlichkeit bei Sinnen gewesen wäre. Hineingeboren in Haut und Haare ist das Sinnliche geknüpft an das plötzliche Hinausragen in die Welt. Doch gleichsam ist alle Sinnlichkeit umspült von der unerklärlichen Idee, dass die Welt ein Unendliches sei. Hier will doch die plötzlich das Sinnliche (das sich in seiner Sinnlichkeit erfährt) über sich hinaus und als Seele zu der noch größeren Welt hinaufsteigen – zu der Welt, von der diese Seele noch nicht genau weiß, was sie im Ganzen ist.

    Da setzen wir jeden Tag eine Ganzheit der Welt in Begriffen voraus, ohne diese ganze Welt jemals erfahren zu haben. Wir sehen sie in Scherben durch unsere Sinne, doch zugleich setzen wir sie stets als Ganzes in Gedanken zusammen. Dreißigtausend Sinneseindrücke durchzucken uns und doch selektieren wir, feuern auf das, was ist mit Neuronen. Und so ist all unser Sinnliches nur bewusst in Bezug auf das Ganze. Wir sind Endlichkeit, die im Unendlichen schwebt und vielleicht ist da doch die Luke irgendwo, wo wir hindurch steigen und reine Begrifflichkeit erfahren (Die drei höchsten Konzepte Welt, Seele, Gott als denkbar). So glaube ich nicht an die reine Sinnlichkeit, gleichwohl ich Sinnlichkeit niemals verleugne, nur die Frage nach den reinen Gedanken stelle ich intensiver.

    Zu der anderen Frage: Ich hatte wohl schon mal was geschrieben :) ich hatte vergessen wann. War es zu einem Film?

    Norman.

    • metepsilonema 8. März 2012 um 6:46 pm

      Unendlichkeit, da bin ich mir nicht sicher, aber jedenfalls führen unsere Sinne uns regelmäßig vor Augen, dass uns die Welt, gemessen an uns selbst, überragt und wir gleichsam ein Nichts sind. In diesem Sinn vielleicht unendlich. Ist das so gemeint?

      Vielleicht setzen wir die Welt als Ganzheit voraus, weil unsere Sinneseindrücke nach Möglichkeit auf einander bezogen werden (Schall und Schallquelle etwa)?

      Ich möchte sagen, dass die Sinne vor den Begriffen, vor der Sprache waren, sicherlich aber waren kurz nach dem Entstehen von Sinnesorganen neuronale Strukturen vorhanden, die in irgendeiner Weise ordnende und weiterleitende Funktionen übernahmen.

      Warum ist uns Sinnlichkeit nur in Bezug auf das Ganze bewusst (welches?), das habe ich nicht verstanden. — Einer reinen Sinnlichkeit wollte ich nicht das Wort reden, ich glaube aber, dass unsere Begrifflichkeit sich ohne Sinne nicht entwickelt hätte (es wurde irgendwann notwendig die Eingänge von außen zu verarbeiten, ich denke noch bevor es irgendeine Art von komplexem Innenleben gab). — Ist der reine Gedanke nicht auch äußerst verlockend?

      Ich weiß es nicht mehr, aber ich kenne Deine Seite. Vielleicht habe ich einmal einen Kommentar geschrieben, möglicherweise, weil Du das hier tatest oder etwas verlinkt hattest.

  3. Norman Schultz 13. März 2012 um 2:36 am

    Sogleich mich zwar die Welt überragt, kann die Welt selbst ja kein Sinnessplitter mehr sein. Du hast Recht irgendwie verweisen die Sinne auf etwas, dass sich in uns hineinspitzt. Als würde so etwas wie spitze Realität in meine Egosphäre eindringen. Das Überragende (Welt), das wir dann allerdings hinter den Sinnen fassen, ist doch aber selbst dann nicht mehr Sinn. Hinter allen Sinneseinstichen erscheint mir etwas mehr. Doch was vermute ich mehr hinter den Sinnen als nur ein gedachtes Ganzes? Dieses gedachte Ganze von mir erzeugt, in mir und außer mir, für sich und an sich. An dieser Stelle entzweien sich meine Auffassungen.

    Warum aber ist Sinnlichkeit nur in Bezug auf das Ganze bewusst? Weil sich das Sinngeflecht (Sinnlichkeit) nur im Denken offenbart. Ich suche doch hinter allen Sinneseindrücken, das, was verbindet. Ein Gegenstand, den wir doch aus allen Sinneseindrücken immer wieder zusammensetzen, erscheint mir.

    Es sei denn die Verbindung des Gegenstandes war schon immer in der Realität und wäre schon immer in mir gewesen.

    Aber angenommen es wäre eine Verbindung, die immer schon verbunden war in und außer mir: Das Sehen wäre reines Schauen. Aber was wäre die Folge?

    Wir könnten gleichsam seelenlose Betriebe sein, selbstgesteuert und betrieben eben wie eine Maschine. Wir wären mit all unseren Sinnen nur Reiz-Reaktions-Kanäle, Ketten, die da wären und in ihrer Kettenhaftigkeit des Universums kein Bewusstsein bräuchten. Wir wären da, aber das Wahre hätte keine Bedeutung.

    Sobald sich aber die Kunst hinter den Sinnen selbst zeigt, so werden alle Teile auf ein von uns gedachtes Ganzes in ein anderes Licht gerückt. Es erscheint mir doch die Gesamtheit meines sinnlichen Wesens, Sinnlichkeit. Der Genuss, der zum reinen Sinn zurück will, fortwährend alle Sinneseindrücke verknüpfend und in sich gedeutet. Das wäre doch ein Ich!? Sinnlichkeit, die aus der Bruchstückhaftigkeit des einzelnen Moments nur mit der Relation von Teil und Ganzes auskommt. Deswegen Sinnlichkeit.

    Und für mich persönlich? Erscheint mir etwas metaphysisch der Gedanke dann doch eine Seele zu sein ;) Vielleicht benutze ich ja schon die falschen Begriffe :D

  4. metepsilonema 13. März 2012 um 2:29 pm

    Die Welt kann als konkreter Sinneseindruck überragen, wie der Blick von einem Berggipfel herab oder ins offene Meer hinaus, aber auch als Abstraktion (und/oder Integration solcher Eindrücke), wie der Gedanke an die Zahl der Länder, Menschen, Lebewesen. Ersteres erinnert mich an Kants Begriff des Erhabenen.

    Vielleicht entsteht der Eindruck des oder eines Ganzen durch die ordnenden und integrierenden Funktionen unseres Gehirns. — Evolutionär gedacht, könnte man vielleicht sagen, dass hier insofern ein „Zirkel“ vorliegt, weil Strukturen entstanden sind, die Teilbereiche der Welt so weit „abzubilden“ vermögen, dass organismische Systeme in ihr zu überleben können. Die Welt hätte dann sozusagen ihre eigene Abbildung mitbestimmt.

    Ich glaube nicht, dass sich Sinnlichkeit nur im Denken offenbart, oder sagen wir: Nur im Denken wird sie reflektiert. Aber präsent und bewusst in einem weniger deutlichem oder ich-bezogenem Sinn, ist sie schon (nehmen wir nur unser Staunen über die Schönheit der Natur einmal als Beispiel).

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